Klassik: Vladimir Jurowski

10.11.12. Juni, 20 Uhr. Berliner Philharmoniker, Herbert-von-Karajan-Str. 1

Vladimir Jurowski. Foto: Joeplommer


Vladimir Jurowski  Dirigent
Christine Schäfer  Sopran
Iris Vermillion  Alt
Michael König  Tenor
Markus Brück  Bariton
Rundfunkchor Berlin 
Simon Halsey  Einstudierung

Programm:

Johann Sebastian Bach
Choral-Variationen über »Vom Himmel hoch da komm, ich her« (Bearbeitung für Chor und Orchester von Igor Strawinsky) 
Igor Strawinsky
Requiem Canticles für Soli, Chor und Orchester 
Gustav Mahler
Das klagende Lied (dreisätzige Urfassung für Soli, gemischten Chor und Orchester) 

Einführungsveranstaltung 19 Uhr

 

Vladimir Jurowski ist spätestens seit dem Jahr 2007 eine unübersehbare Größe im internationalen Musikleben. Damals wurde der erst 35-Jährige zum Chef des London Philharmonic Orchestra ernannt – ein Posten, den vor ihm unter anderem Kurt Masur und Georg Solti innenhatten. An Jurowskis Interpretationen wird vor allem gelobt, dass sie eigentlich widersprüchliche Qualitäten in sich vereinen: nämlich scharfsinnige Analyse und emotionales Feuer. Dazu kommt eine einnehmende physische Präsenz, die einen Londoner Kritiker zu der Feststellung veranlasste, Jurowski sei »the most sheerly elegant conductor I’ve ever seen«.

Bei seinem Gastspiel bei den Berliner Philharmonikern dirigiert Jurowski Das klagende Lied des jungen Gustav Mahler. Furchtbares und Phantastisches geschieht in dieser Kantate: Ein Jüngling ermordet den eigenen Bruder, seine Tat jedoch wird durch das Lied einer magischen Flöte enthüllt. Noch in reiferen Jahren war der Komponist mit seiner Schöpfung zufrieden: »Mein erstes Werk, in dem ich mich als ›Mahler‹ gefunden, ist ein Märchen für Chor, Soli und Orchester: Das klagende Lied!« Und in der Tat: Zwar gibt es hier reichlich Waldweben und Leitmotive in schönster Wagner-Manier, aber es findet sich eben auch jener schwer beschreibbare, dabei unverkennbare Mahler-Ton.

Mahlers frühem Werk stehen an diesem Abend zwei späte Kompositionen Igor Strawinskys gegenüber. Zunächst eine Neufassung von Bachs Orgelvariationen über »Vom Himmel hoch, da komm ich her«, die Strawinsky mit zusätzlichen Farben und einem ganz eigenen spielerischem Charme anreichert. Abwechslungsreich geben sich auch die Requiem canticles, die dabei von einer schwer greifbaren Ernsthaftigkeit verklammert werden. Die in ihrer kühlen Distanziertheit berührenden Gesänge, Strawinskys letztes größeres Werk, wurden zu seinem eigenen Requiem. 1971 erklangen sie bei der Totenfeier für den Komponisten in Venedig.

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