Russen sehen Verhältnis zur NATO als belastet

Dmitri Medwedew und Generalsekretär der NATO Anders Fogh Rasmussen. Foto: www.kremlin.ru.

Dmitri Medwedew und Generalsekretär der NATO Anders Fogh Rasmussen. Foto: www.kremlin.ru.

Russland ist hinsichtlich der Einstellung zur NATO uneinig. Die meisten Russen lehnen den NATO-Einsatz in Libyen ab, sehen darin aber keine Bedrohung für ihr eigenes Land. So eine neue repräsentative Umfrage.

Die Beziehungen Russlands zur NATO bewertet nur eine Minderheit der Russen als positiv. Das ist ein Ergebnis des aktuellen DW-Trends für Russland. Lediglich 6 Prozent der Befragten bezeichnen das Verhältnis zwischen Russland und der NATO als freundschaftlich und 24 Prozent als partnerschaftlich. Rund ein Viertel (26 Prozent) wertet die Beziehungen als neutral, während 22 Prozent sie als belastet ansehen.

Auf die Frage, welche Rolle die NATO im Verhältnis zu Russland spiele, gaben 41 Prozent an, die NATO als eine mögliche Bedrohung anzusehen. Andererseits betrachten 23 Prozent die NATO als möglichen Partner. Weniger als jeder Fünfte (16 Prozent) ist der Auffassung, die NATO habe keine Bedeutung für Russland. Somit ergibt sich ein recht uneinheitliches Bild, was die Wahrnehmung der NATO in der russischen Bevölkerung und die zukünftige Bedeutung des Militärbündnisses für Russland angeht.

 

Ein deutlicheres Bild zeigt sich bei der Frage nach einem möglichen NATO-Beitritt Russlands. Eine Mehrheit (63 Prozent) lehnt einen solchen Beitritt ab. Nur 14 Prozent befürworten grundsätzlich einen NATO-Beitritt.

NATO-Einsatz in Libyen verunsichert Russen

Die deutlichen Unterschiede in der Einschätzung der NATO in der russischen Bevölkerung zeigen sich auch, was den aktuellen NATO-Einsatz in Libyen angeht. Russland hat zwar durch seine Enthaltung bei der Entscheidung des UN-Sicherheitsrats zum Militäreinsatz in Libyen diesen erst mit ermöglicht, aber offenbar scheint sich die Rhetorik von Premier Wladimir Putin gegen die NATO auf die Wahrnehmung der russischen Bevölkerung ausgewirkt zu haben.

So geben trotz der Enthaltung Russlands 32 Prozent der Befragten an, Russland habe die Militäraktion im UN-Sicherheitsrat abgelehnt. Somit glaubt ein großer Teil der russischen Bevölkerung, die NATO handele entgegen Russlands Veto. Lediglich 29 Prozent wissen, dass Russland sich enthalten hat. Unabhängig von der tatsächlichen Haltung der russischen Regierung lehnen 88 Prozent den NATO-Einsatz in Libyen ab und nur eine Minderheit von 3 Prozent befürwortet die Maßnahmen des Militärbündnisses.

 


Das Vorgehen der NATO scheint die russische Bevölkerung zu verunsichern, denn obwohl 47 Prozent das Eingreifen in Libyen nicht als Bedrohung für Russland ansehen, schätzt rund ein Drittel der Befragten (37 Prozent) dies sehr wohl als Bedrohung ein. Fast jeder Fünfte (16 Prozent) ist bei dieser Frage verunsichert und kann sich kein konkretes Bild machen.

 

Der DW-Trend wurde vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut IFAK im Auftrag der Russischen Redaktion der Deutschen Welle erhoben. Landesweit wurden dafür 1000 Personen in ganz Russland interviewt. Die Umfrage ist damit repräsentativ.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Deutschen Welle.


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