Russland im Rennfieber

Formel 1 am Roten Platz. Foto: Sergei Savostianov

Formel 1 am Roten Platz. Foto: Sergei Savostianov

An der bereits zur Tradition gewordenen Moscow City Racing-Show nahmen führende Rennfahrer aus der ganzen Welt teil. Auch in Sotschi jaulten die Motoren.

Solch ohrenbetäubenden Lärm hört man im Moskauer Zentrum sonst wohl nur am Tag des Sieges, wenn Kolonnen von Panzern und Schützenpanzern an den Kremlmauern vorbeidonnern. Letzten Sonntag war die Zahl der Fahrzeuge weit geringer, doch der Motorenlärm dürfte noch überwältigender gewesen sein – die Formel 1 war nach Moskau gekommen.

Und dies nicht zum ersten Mal. Auch wenn in Russland noch keine Grand-Prix-Rennen gefahren werden, fand bereits 2008 das erste Formel 1-Schaurennen durch das Zentrum Moskaus statt. Heutzutage ist das Moscow City Racing eine der weltweit größten Veranstaltungen ihrer Art und zieht die Stars der Szene in die Hauptstadt. Der Superstar des gestrigen Feiertags war, wie schon im vergangenen Jahr, der Brite Jenson Button. Im Jahr 2010 erschien er noch als amtierender Weltmeister in Moskau. In der laufenden Saison liegt er jedoch auf dem fünften Platz. „Es war schön, hierher zurückzukehren“, sagte Button auf einer Pressekonferenz kurz vor dem Start. „Durch das Zentrum von Moskau zu fahren ist ein unvorstellbares Erlebnis. Bis jetzt kann ich nicht glauben, dass wir an den Mauern des Kremls vorbeirollen,“ beschrieb der Rennfahrer seine Gefühle.

Auch Giancarlo Fisichella von Ferrari zeigte sich stark beeindruckt von der Zahl der anwesenden Journalisten, bei denen die Show ebenfalls echtes Aufsehen erregte. Der Presseraum war in diesem Jahr bis zum Bersten gefüllt. Und „Fisco,“ wie die Anhänger der Formel 1 den Piloten liebevoll nennen, scheute keine starken Worte: „Für Russland ist dies, ebenso wie für Ferrari, ein sehr wichtiger Tag.“

Neben der Zusammensetzung der Teilnehmer hatte sich im Vergleich mit dem vergangenen Jahr auch die Streckenführung geändert. Bis zu 50 000 Menschen sollen am Umbau der Strecke mitgearbeitet haben. Während die Boliden früher praktisch um den Kreml herumfuhren, so jagten sie diesmal über die Große Moskwa-Brücke und an den Zinnenmauern des Kreml-Ufers entlang. Auf dieses bogen sie von der Großen Moskwa-Brücke her ein. Auf diese Weise konnte die Zahl der Bezirke verringert werden, die man für den öffentlichen Verkehr und den Autoverkehr sperrte. Auch die Mannstärke der Sicherheitskräfte konnte drastisch reduziert werden. Nur 500 Polizisten waren nötig, um die Sicherheit der Veranstaltung zu gewährleisten. Diese Änderungen wandelten aber auch das Gesicht der Strecke. Von 4,5 auf 3,7 Kilometer wurde die Rennbahn verkürzt, dabei aber die mögliche Höchstgeschwindigkeit angehoben. Den Organisatoren zufolge konnten die Boliden auf der Geraden bis zu 300 km/h erreichen.

Eine ähnliche Veranstaltung wurde parallel auch in Sotschi abgehalten, wo in drei Jahren der erste Grand Prix von Russland geplant ist. Am Tag vorher lief in der Stadt das Automobilfest „Formel Sotschi“ ab, an dem gleich vier Formel-1-Teams teilnahmen: Ferrari, Red Bull, Lotus-Renault und Marussia-Virgin, das unter russischer Flagge an den „Rennen der Königsklasse“ mitwirkt. Auch KAMAZ-Master und BMW Motorsport waren vertreten.

Von besonderem Interesse war die Bekanntgabe von Einzelheiten über die künftige Rennstrecke, auf welcher der erste Formel-1-Grand-Prix Russlands stattfinden wird. Sie soll in der Nähe der olympischen Anlagen gebaut werden, in denen die Winterspiele 2014 stattfinden. Die Länge der Strecke wird 5929 Meter, die durchschnittliche Rundenzeit 97 Sekunden und das Höchsttempo 315 km/h betragen. Der Bau beginnt bereits im August und wird im Jahr 2013 abgeschlossen sein. Der erste Grand Prix von Russland dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach im Herbst 2014 ausgetragen werden.

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