Der Oscar der Werbeindustrie geht nach Russland

Foto: Photoxpress

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Vor 13 Jahren noch war die Branding-Agentur Depot WPF selbst den Profis der Marketingbranche kein Begriff. Heute kann sich der Erfolg der beiden Firmengründer Fadejew und Andrejew durchaus sehen lassen. Auf den internationalen Werbefestivals räumt die Agentur inzwischen regelmäßig Preise ab.

Was führt ein Start-up-Unternehmen zum Erfolg? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Doch sicher ist: eine wirtschaftliche Krise oder ein Mangel an Erfahrung und finanziellen Mitteln müssen nicht hinderlich sein. Denn mit genau diesen Faktoren im Gepäck stiegen die beiden jungen Unternehmer Fadejew und Andrejew 1998 in die Welt der “Big Brands” auf – zu einer Zeit, in der Verkaufskonzepte für Markenprodukte in Russland noch in den Kinderschuhen steckten.

“Wir hatten eine schwierige Aufgabe vor uns“, erinnert sich Alexej Fadejew, der Creative Director der Agentur. „Der Begriff der Marke war damals in Russland noch ganz verschwommen. So gab es Firmen, die alles anboten, von der Visitenkarte bis zum Werbeclip. Wir dagegen wollten uns auf eine Sache konzentrieren. Wir entschlossen uns, mit Verpackungen anzufangen.” Denn die Firmengründer wollten nicht im Mittelmaß der Bedeutungslosigkeit versinken und trafen die richtige Entscheidung – sie füllten eine Nische auf dem russischen Markt.

Mit Tee zum Erfolg


Der erste Auftrag ließ nicht lange auf sich warten. «Russkij Produkt» klopfte an, mit der Anfrage, ein Konzept für ein Re-Branding der Teesorte «Bodrost» zu entwickeln. Was sich leicht anhört, bereitete große Probleme, musste doch das Produkt dem in Russland geltenden “Staatlichen Normierungsstandard” (GOST) entsprechen.

Die GOST-Vorschriften erstreckten sich nicht nur auf die Inhaltsstoffe des Tees und Merkmale der Verpackung, auch der Name des Produkts konnte nicht registriert werden. Unter diesen “NO”-Bedingungen sollte die Agentur die Verpackung so umgestalten, dass die Ware weiterhin identifizierbar blieb. Die Depot-Designer lösten das Problem geschickt: sie behielten den historischen Schriftzug des Namens bei und gestalteten lediglich das Layout des Hintergrundes neu. Mit Erfolg: Die Marke wurde verjüngt, der Erkennungswert jedoch beibehalten.

Bereits zwei Monate nach Gründung ihres Unternehmens konnten sich die Depot-Geschäftsführer vor Aufträgen kaum retten. Heute spielen sie in der Liga der weltweit führenden Agenturen, betreuen Kunden wie Xerox und Nestle.

Depot WPF gewinnt in Cannes


Beim Cannes Lions International Advertising Festival im Juni 2011 – den Oscars der Werbebranche – konnte Depot WPF schon zum zweiten Mal eine Löwentrophäe einheimsen. “In unserer Branche ist ein Cannes Lion ein Nachweis für echte Professionalität. Um auf diesem Festival zu gewinnen, ist Leistung gefragt“, weiß Andrejew zu berichten. „Das Branding muss schon auf europäischen Festivals aufgefallen sein, zum Beispiel auf der «Epica AWARDS».“ Kein Zufall daher, dass Depot auch aus diesem Wettbewerb schon zweimal als Sieger hervorgegangen ist.

Doch die Vorbereitung auf das Festival in Cannes ist eine zeitaufwendige und teilweise undankbare Arbeit. “Das ist ein sehr arbeitsintensiver Prozess. Schließlich arbeiten wir nicht nur für die Wettbewerbe, sondern auch für unsere Kunden auf dem realen Markt. Es ist ziemlich schwer, sich Projekte zu erarbeiten, die Chancen haben auf einen Preis. Wir betreuen Massenprodukte. Das bedingt bei aller Kreativität eine Tendenz zur Verallgemeinerung. Es ist ein großer Glücksfall, wenn wir auf einen Kunden stoßen, der bereit ist, mit uns an einem Projekt für das Festival zusammenzuarbeiten.

“Wenn wir sehen, dass ein Kunde ambitioniert ist und ein Nischenprodukt vermarkten will, dann schlagen wir ihm vor, den Schritt ins Außergewöhnliche zu wagen. Eine Beteiligung in Cannes kommt dann sowohl den Kunden als auch uns zugute. Das Geheimnis des Erfolgs“, erläutert der Creativ Director der Agentur, „sind harte Arbeit und außergewöhnliche Projekte.”