Diamonds are a Girl's Best Friends

Foto: Photoxpress

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Die weltweite Nachfrage nach Diamanten wächst, und die Preise steigen und steigen. In einem Interview mit der Rossiskaja Gaseta bewertet Waleri Radaschewitsch, Mitglied des Vorstands des Verbandes der russischen Juweliere, die Auswirkung auf die russische Schmuckindustrie.

Rossiskaja Gaseta: Könnten Sie mir eine Vorstellung von der Größe des russischen Diamantenmarktes geben?

Waleri Radaschewitsch: Nach Angaben von ALROSA, dem russischen Bergbauunternehmen und gleichzeitig zweitgrößten Diamantenförderer der Welt mit Sitz in der ostsibirischen Stadt Mirny, produziert Russland für ungefähr 2 Milliarden Euro Rohdiamanten und für 840 Millionen Euro geschliffene Diamanten pro Jahr. Zum Vergleich: Die weltweite Produktion von Rohdiamanten beträgt rund 10,5 Milliarden Euro, während der internationale Markt für Diamantschmuck auf rund 49 Milliarden Euro geschätzt wird. Die Differenz ist der Wertzuwachs durch das Schleifen und den Handel.

Wo in Russland werden Diamanten produziert?

 

Die großen, früher staatlichen Firmen sind Smolenski Kristall und Kristall in Barnaul sowie Kristall in Moskau. Das Moskauer Unternehmen machte unglücklicherweise in den ersten Jahren der Marktwirtschaft pleite und wurde in mehrere kleine Unternehmen aufgespalten. ALROSA besitzt eine Diamantenschleiferei in Jakutien, die eine breite Palette an Diamanten produziert. Eine bekannte Schleiferei ist auch die Mosalmaz, und in Moskau gibt es auch noch ein großes, ausländisches Unternehmen namens Ruiz Diamond. Insgesamt existieren im Land 50 bis 60 Diamantenschleifereien und Polierfirmen. Doch das bekannteste und berühmteste Unternehmen ist unzweifelhaft das legendäre Kristall in Smolensk. Zusammen mit einem halben Dutzend Gemeinschaftsunternehmen mit ausländischen Firmen liefert die Smolensker Gruppe sehr hochwertige Diamanten.

Sind die russischen Diamantschleifer wirklich so renommiert und einflussreich?

Die sowjetische Wirtschaftsführungverlangte 1970, dass nur die besten Diamanten und Brillanten für den Weltmarkt geliefert werden sollten. Wie für alle Waren, die für den Export bestimmt waren, wurden auch für die härtesten Kristalle der Welt besondere Qualitätsanforderungen gestellt. Diese Kriterien schlossen kleinste Mängel an einem Diamanten aus. Wenn ein winziges Stückchen abgeschlagen war oder es einen kleinen Kratzer gab, musste der Diamant wieder geschliffen werden. Die Schleif- und Polierqualität war in der Tat tadellos, allerdings ging das auf Kosten der Masse. Belgische oder israelische Handwerker gehen anders vor: Keiner von ihnen würde ohne weiteres Masse opfern, denn sie ist gleichbedeutend mit Wert. Das ist eine wirtschaftliche Erwägung.

ALROSA

ALROSA ist das größte russische Bergbauunternehmen für Edelsteine und gilt als zweitgrößter Diamantenförderer der Welt. Das Unternehmen hat seinen Sitz in der ostsibirischen Stadt Mirny. Der Diamantenmonopolist hat kürzlich seine erste elektronische Auktion veranstaltet und dabei Diamanten im Wert von 7,7 Millionen Euro verkauft. ALROSA erklärte, die Auktion sei erfolgreich verlaufen, und plant nun, ab dem vierten Quartal 2011 regelmäßig Auktionen abzuhalten. RIA Novosti

Warum in Russland so einseitig auf Qualität gesetzt?

Für die sowjetische Planwirtschaft war das Wichtigste, dass ein Diamant dem staatlichen Standard GOST entsprach. Infolgedessen war der Weltmarkt in zwei Lager gespalten: Befürworter des „russischen Schliffs" einerseits und Italiener, Israelis und Inder andererseits, die „kommerzielle Schleifmethoden" verwendeten. Die Kosten eines Diamanten, der nach der russischen Methode geschliffen ist, sind sehr hoch. Damit eine solche Produktion profitabel ist, muss es einen Bedarf für diese qualitativ hochwertigen Diamanten geben. Doch es gibt ihn. Berühmte Marken wie Cartier schufen einen solchen Markt, als sie begannen, in großen Mengen russische Diamanten zu kaufen. Sie kauften Diamanten mit „russischem Schliff", da sie beim Preisniveau für ihren Schmuck auch teure "Rohstoffe" problemlos verarbeiten konnten. Erstklassiges Luxusgeschmeide lässt sich eben nur mit Spitzensteinen erreichen.

Im Höhepunkt der russischen Perestroika verstanden wir das, als wir zum ersten Mal in den Westen reisten. Manch einer der russischen Juweliere glaubte zwar, man müsse so ökonomisch schleifen wie der Rest der Welt, doch dann würde man einen großen Markt einbüßen und mit ihm den Status eines einzigartigen, hochqualitativen Lieferanten.

Dennoch sind in den letzten 15 bis 20 Jahren verschiedene Entwicklungen und Wendungen im Bereich der Schmuckindustrie eingetreten, die der Industrie nicht gut taten. Der Staat versuchte, die Luxusgüterbranche zu kontrollieren, die nicht so einfach den Gesetzen der Mathematik folgt. Die Gründung der Staatlichen Kontrollbehörde für Edelmetalle und Edelsteine ist meines Erachtens ein falscher Schritt.

Steht Russland auch für außergewöhnlich große und schöne Diamanten?

Einzigartige Brillanten stammen stammen vor allem aus der Staatlichen Schatzkammer für Edelmetalle und Edelsteine Gochran. . Üblicherweise schreibt Gochran den Erwerb von Diamanten mit einem Gewicht über fünf Karat öffentlich aus. Dann werden die Rohdiamanten auf einer Auktion ersteigert. Für einen geschliffenen Diamanten, einen Brillanten, der zehn Karat haben soll, muss man beispielsweise einen Rohdiamanten von 30 Karat kaufen.

Wenn ein Kunde einen großen und außergewöhnlichen Brillanten haben will, wendet er sich entweder direkt an Gochran oder den Diamantenfonds.

Wie kann ein "einfacher" Kunde sich davor schützen, minderwertige Ware zu kaufen?

Das oberste Gebot ist Vertrauen. Das fängt bei der Wahl des richtigen Geschäfts an. Wer zu einem Marken-Juwelierladen geht − beispielsweise zu Cartier oder einem Geschäft für Schweizer Uhren − ist auf der richtigen Seite, auch wenn es ein bisschen teurer ist. Wirklich Wertvolles und Teures darf man nicht in einer Unterführung, auf einem Flohmarkt oder in einem namenlosen Laden in einer Vorstadt erwarten. Das gilt übrigens nicht nur für Schmuck, sondern generell für alle Waren.

Wenn man dennoch bei einem Juwelier die Auslagen studiert und entdeckt, dass beispielsweise an einem Ring drei oder vier Etiketten hängen (das ist üblich, um den Kunden zu verwirren, um den Namen des tatsächlichen Herstellers zu verschleiern), sollte man nachfragen, wer das Schmuckstück gefertigt hat und woher die Steine stammen. Falls man keine eindeutige Antwort erhält, sollten man die Finger davon lassen. Denn bei jedem Juwel, das man in die Hand nimmt, sollte man den Produzenten erkennen. Auch sollte es ein Zertifikat geben.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei der Tageszeitung Rossijskaja Gaseta