Der Olympiabär ist zurück

Der Olympiabär, das Maskottchen der Olympiade in der Sowjetunion von 1980, war der Liebling der Nation. Auf der Suche nach einem neuen Sportsymbol schlägt das Olympische Komitee Russlands erneut einen Bären vor. Dieser werde jedoch kaum Chancen haben, den Erfolg seines Vorgängers zu wiederholen, meinen zahlreiche Experten.

Während der Schlussfeier der Moskauer Olympiade von 1980 sangen Tausende Zuschauer mit Tränen in den Augen bei der inoffiziellen Hymne der Spiele „Auf Wiedersehen, unser lieber Bär“ mit. Unter der Begleitung der traurigen Musik flog das Symbol jener Olympiade – der gutmütige Bär – an Luftballons aufgehängt in den Himmel Moskaus. 31 Jahre später ist der Olympiabär nun zurück. Zugegebenermaßen haben sich in den vielen Jahren Charakter und Aussehen des legendären Symbols verändert. Der Bär ist aggressiver, zielstrebiger und geschäftiger geworden. Gemäß den Plänen des Olympischen Komitees Russlands soll die Marke Team Russia nicht nur Sportler und Fans verbinden, sondern auch Geld in die Kassen des Olympia-Budgets spülen.

Das Casting für den neuen Talisman der russischen Mannschaft wurde schnell und effizient durchgeführt. Ende Juli hat Dmitrij Medwedew angekündigt, dass das Land neue Sportsymbole benötige, mit denen sich alle identifizieren könnten. „Wenn wir das erreichen, dann werden wir auch ganz andere Erfolge verzeichnen“, brachte es der Präsident auf den Punkt. Bereits einen Monat später hat die Marketing-Agentur Mildberry Sports Lab das „neue alte“ Gesicht der Olympiade vorgestellt. Wie der geschäftsführende Partner der Agentur Oleg Berijew der Zeitung Wedomosti mitteilte, schlugen die Designer viele Varianten vor, wobei am Schluss jedoch entschieden wurde, keine neuen Marken zu erfinden, sondern die bestehende weiterzuentwickeln.

Gemäß Berijew sieht die Mehrheit der Bewohner Russlands den Bären als nationales Symbol Russlands. Wie gelungen jedoch der Inhalt ist, den die Designer in dieses Logo eingebettet haben, ist eine strittige Frage. „Ein solches Logo würde zu einer Rugbymannschaft oder einem Boxkämpfer passen. Die Message ist klar: Wir sind Russland, und mit uns ist nicht zu scherzen“, analysiert der Co-Präsident der Vereinigung der Brandbuilding-Firmen Russlands Alexej Andrejew. „Wir haben es in diesem Fall mit einer brutalen Totemfigur zu tun, obwohl heutzutage gerade die starken Nationen sich eher selbstironisch darstellen“, resümiert Andrejew. „Der Bär als Symbol an sich verkörpert nichts schlechtes, aber das Problem liegt bei dessen Ausführung“, meint Della Beseljanskaja, Direktorin des Kunst-Zentrums Chorus. „Man hat das Gefühl, dass den Autoren aufgetragen wurde, etwas komplett neues und ungewöhnliches zu schaffen, und aufgrund dieser Angespanntheit wirkt das Resultat unnatürlich. Das amerikanische Team-USA-Logo ist viel bescheidener und wirkt dadurch authentischer“, führt Beseljanskaja aus.

Auch die Fans haben nichts gegen das auserwählte Tier, doch die Meinungen zur Ausführung des Logos gehen weit auseinander. Der Korrespondent von Russland HEUTE hat einige Fans auf dem Rückweg von einem Fußballmatch im Moskauer Stadion Luschniki befragt. „Ein solches Bärchen würde ich gerne täglich tragen – aber ohne die Team Russia Aufschrift und die ewige russische Trikolore“, gibt die zwanzigjährige Anna zu. Ihr Freund Oleg meint, dass die patriotische Farbgebung im Gegenteil beibehalten werden müsse: „Das ist keine Kleidung für die Straße, und auch nicht fürs Fitnesszentrum. Das ist die Kriegsbemalung fürs Stadion – to scream, shout and get crazy.”

Noch kennen die Marke Team Russia nur einige wenige Spezialisten, doch schon im September soll der Bär seinen triumphalen Zug durch das Land beginnen. Die Pläne des olympischen Komitees umfassen eine breit angelegte Werbekampagne. Der (noch namenlose) Bär wird von den Bildschirmen und Plakatwänden schauen, das Internet erobern und sogar den bisherigen offiziellen Olympialogos auf den Sportleruniformen Konkurrenz machen. Außerdem wird der kampflustige Bär beliebte Sportfeste wie den Tag des Laufens und Street-Basketball-Wettkämpfe unter seine Fittiche nehmen. Die Entwicklung des Logos hat bisher 120 000 Euro gekostet, während die geplanten Werbeausgaben auf rund 3,5 Mio. Euro veranschlagt werden. Dabei sind alle Zahlen nur ungefähre Werte; der abschließende Kostenvoranschlag wird von der Gesamtgröße des Projekts abhängen. Geplant ist jedoch, dass sich die Ausgaben bezahlt machen. Schon bald soll der kampflustige Bär Geld in das Sportbudget Russlands spülen.

„In vielen Ländern gibt es bereits solche Team-Marken: in den USA gibt es US Team, in Italien Ital Team und in Großbritannien GB Team. Diese Marken verkaufen sich für teures Geld, und es gibt zahlreiche Firmen, die damit werben möchten“, sagt Fjodor Schtscherbakow, Geschäftsführer der Organisation Spitzensport, die für das Fund Raising für das Olympische Komitee Russlands zuständig ist.

Nach Schtscherbakows Prognosen können die funktionierende Zusammenarbeit seiner Nonprofit-Organisation mit den Verbänden sowie die richtige Platzierung der Marke Team Russia in den Jahren 2011-2012 bis zu einer Milliarde US Dollar generieren. Vorerst sind zwar erst Verträge mit dem Alpinski- und dem Golfverband unterzeichnet, aber bis zum Ende des Sommers sollen die Verträge mit zehn weiteren Sportverbänden stehen.

Musik: Dolphin

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