12 Orte des Weltkulturerbes in Russland

Foto: Itar-Tass

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Naturwunder, Kunstwerke der Zivilisation und Orte voller Historie in Russland hat die UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Der Tradition entsprechend haben wir ein Dutzend davon ausgewählt.

Die Solowezki-Inseln


Foto: Itar-Tass

Die größte Inselgruppe des Weißen Meeres im eisigen Norden Russlands besteht aus sechs großen (bewohnten) und über hundert kleineren Inseln. Zusammen sind sie ein Ort mit einzigartiger Vergangenheit und besitzen eine ganz eigene Atmosphäre. Das dortige Solowezki-Kloster ist eins der wichtigsten Zentren der orthodoxen Christenheit im russischen Norden und blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Es wurde im 15. Jahrhundert durch die Mönche Herman, Zosimos und Sabbatius in diesen unwirtlichen Breitengraden (nur 165 km südlich vom Polarkreis und 530 Kilometer nördlich von St. Petersburg) gegründet. Ein Jahrhundert später hat der Klostervorsteher Philipp das Kloster zu einem mächtigen Vorposten Russlands im Norden gemacht.

Die hohen Steinmauern des Klosters haben schon Manches gesehen: Verbannte und in Ungnade Gefallene, Belagerungen durch die Schweden oder durch britische Schiffe. Doch die tragischste Epoche seiner Geschichte ereilte das Solowezki-Kloster nach der Oktoberrevolution: 1920 wurde das Koster geschlossen, und drei Jahre später wurde hier das so genannte Sonderlager der Solowezki-Inseln gegründet, in das vor allem politische Gefangene geschickt wurden. Es wurde damit landesweit das erste Arbeitslager des GULAG-Systems und diente Solschenitzyn als Vorbild für sein berühmtes Werk.

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich hier die Kadettenschule der sowjetischen Nordflotte, und in den 50er Jahren wurde das Freilichtmuseum der Solowezki-Inseln eröffnet. 1990 wurde das Kloster wiedereröffnet und ist heute wieder eines der Zentren der Orthodoxie.

Auf den Solowezki-Inseln, im Volksmund Solowki genannt, verschwindet im Sommer die Sonne nachts nur kurz hinter dem Horizont, und es wird nie richtig dunkel. Im Frühsommer ziehen große Weißwalherden aus dem Norden vor die Küste der Inseln, um dort den Nachwuchs zur Welt zu bringen.

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Die Insel Kischi, Karelien

Foto: GeoPhoto / Gippenreiter Vadim

Die Perle Kareliens ist eine Insel im Onegasee in Russland, dem zweitgrößten See in Europa. Er befindet sich in Nordwestrussland, größtenteils in der Republik Karelien. Kischi trägt ein Ensemble von Kirchen in Holzbauweise, die ohne einen einzigen eisernen Nagel zusammengehalten werden. Es umfasst derzeit etwa 80 Gebäude der karelischen Holzbaukunst.

Es scheint dem Besucher, als ob das architektonische Ensemble des Kischi-Freilichtmuseums von der umgebenden Natur geboren worden sei; es fügt sich ideal in die Landschaft aus flachen Ufern der Kischi-Insel und glatten Gewässern des Onega-Sees ein. Dieses harmonische Meisterwerk unbekannter Architekten wurde im 17. Jahrhundert erbaut.

Die große Preobraschenskij-Kirche ist mit ihren 22 Zwiebeltürmchen 37 Meter hoch. Der Legende nach hatte der Zimmermann, der die Kirche baute, nur eine Axt zur Verfügung, die er nach Abschluss der Arbeiten in den Onega-See warf als Symbol für die größte Arbeit, die er je geleistet hatte. Die Pokrowskij-Kirche, die zweitgrößte Kirche der Kischi-Insel, ist etwas bescheidener als die Preobraschenskij-Kirche. Das Ensemble wird durch den großartigen, im 19. Jahrhundert gebauten Glockenturm ergänzt.

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Das Troize-Sergijew-Kloster, Sergijew Posad

Foto: Aleksandr Grishin

Das Dreifaltigkeitskloster ist ein russisch-orthodoxes Männerkloster in der rund 70 km nordöstlich von Moskau gelegenen Stadt Sergijew Possad (die bis 1991 Sagorsk hieß). Es wurde um 1340 vom Heiligen Sergius von Radonesch gegründet und gilt seit Jahrhunderten als eines der bedeutendsten religiösen Zentren der russisch-orthodoxen Kirche.

Bereits aus der Ferne hat man das Gefühl, dass das Ensemble des Troize-Sergijew-Klosters regelrecht gen Himmel strebt. Das liegt an den dunkelblauen Kuppeln der Uspenskij-Kirche mit ihren goldenen Sternen und der goldenen Kuppel ihres 88 Meter hohen Glockenturms.

In der Troizkij-Kirche mit ihren weißen Wänden und goldenen Kuppeln befindet sich ein Schrein mit den Reliquien des Heiligen Sergij Radoneschskij, des Klostergründers, eines der am meisten verehrten russischen Heiligen. Das Heilige Tor, der Haupteingang zum Kloster, ist mit Fresken über die Vita des Heiligen Sergij Radoneschskij bemalt.

Die dicken Mauern und Türme, die das Kloster umgeben, erinnern daran, dass das Kloster, wie auch viele andere Kloster Russlands, eine ausgebaute Festung mit Ringwällen, Zinnen und Kanonen war. Anfang des 17. Jahrhunderts widerstand es 16 Monate lang der Belagerung durch polnisch-litauische Truppen.

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Die Wälder von Komi

Foto: Gippenreiter Vadim

Das größte, immer noch vom Menschen unberührte Waldgebiet Europas sind die Urwälder in der Republik Komi im äußersten Nordosten Europas. Sie gelten als eines der letzten Areale mit ursprünglicher Vegetation, die charakteristisch für das nördliche Klima in Europa, Asien und Amerika ist. In den riesigen Wäldern wachsen vorwiegend Koniferen, Espen und Birken. 

Das unter Naturschutz stehende Areal auf dem Gebiet der nach ihren finnougrischen Ureinwohnern benannten Republik Komi umfasst eine Fläche von rund 32800 Quadratkilometern und bietet ein überaus reichhaltiges naturgeschichtliches Anschauungsmaterial. Die undurchdringliche Taiga, die hier in die eisige Tundra übergeht, wird von einzigartigen Tierarten bewohnt, von denen zahlreiche andernorts vom Aussterben bedroht sind, darunter Bären, Wölfe, Polarfüchse, Hirsche, Rentiere, Elche, Biber, Otter und Hörnchen.

Im Gebiet des Urwalds liegen zwei Naturschutzgebiete: Jugyd Va, was in der Sprache der Komi so viel wie „reines Wasser“ bedeutet, und Petschoro-Ilytschskij, wo auf dem Manpupuner-Plateau die geheimnisvollen „Steingötzen“ stehen, eigenartige, durch Winderosion entstandene Figuren.

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Das Putorana-Plateau

Foto: Kantor Vadim

Das kleine Hochgebirge liegt rund 300 km nördlich des Nördlichen Polarkreises und südlich der Taimyrhalbinsel. Es bildet den äußersten Norden des Mittelsibirischen Berglandes. Dieser Bergzug im Gebiet Krasnojarsk gewinnt dadurch Einzigartigkeit, dass auf einem Territorium von knapp zwei Millionen Hektar mannigfaltige Ökosysteme dicht beieinander liegen: Waldtundra, arktische Wüste und unberührte Taiga. Die weiten Ebenen des Hochgebirges wechseln mit Schluchten, Canyons, Tälern, in denen es viele Flüsse, Bäche und Seen gibt.

Das Putorana-Plateau wird zuweilen „Land der zehntausend Seen und tausend Wasserfälle“ genannt. In der Tat gibt es in Russland keinen anderen Ort mit dermaßen vielen Wasserfällen. Der spektakulärste und höchste heißt Talnikowy.

Einzigartig ist auch die Fauna des Putorana-Plateaus: Hier leben Luchse und Zobel, und die Wanderwege der riesigen Rentierherden kreuzen das Plateau.

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Sichote-Alin

Foto: Medvedev Vladimir

Dieses Biosphärenreservat im Fernen Osten Russlands erstreckt sich vom Japanischen Meer bis zur Bergkette Sichote-Alin, ein Hochgebirge mit über2000 Meter hohen Gipfeln. Hier gibt es dichte Tannen- und Zedernwälder sowie Eibenwälder. Berühmt sind die Schanduj-Bergseen und die wilden Felsen von Arbek. Am Kap Sewernyj und Kap Schtschastliwyj kann man Robben und Seevögel beobachten.

Das Reservat beherbergt auch weitere Vertreter der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt, darunter den Zobel, der 1935 dort als ausgestorben galt. Inzwischen ist wächst seine Population wieder. Auch andere seltene Tiere, wie den Amurtiger und den Himalayabären, kann man in Sichote-Alin antreffen.

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Der Kaukasus

Foto: Itar-Tass

Das Kaukasus-Naturschutzgebiet im westlichen Teil dieses Gebirges ist das größte Berg-Naturschutzgebiet Europas und das älteste Naturschutzgebiet Russlands. Noch im 19. Jahrhundert, als dort der Zar und die Großfürsten auf Jagd gingen, wurde diesem Territorium ein besonderer Status unter dem Namen „Großfürsten-Jagdgebiet Kuban“ verliehen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in Zeiten des Bürgerkriegs, hat die Tierpopulation stark gelitten. Besonders die Wisent-Bestände gingen stark zurück, weshalb 1924 das kaukasische Wisent-Naturschutzgebiet gegründet wurde. Noch heute sind dieprominentsten Bewohner des Gebiets große Säugetiere: Wisent, Hirsch, Reh und Gämse. Die Gebirgsgebiete sind durch ihre schönen alpinen Almen bekannt.

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Das Altaigebirge

Foto: Lori/Legion Media

Die Goldenen Berge des Altai – unter dieser Bezeichnung versteht man gleich drei Schutzgebiete: Das Altai- und das Katun-Naturschutzgebiet sowie die Bergebene Ukok. Insgesamt erstrecken sich das Gebiete über eine Fläche von über 16000 Quadratkilometer, und der höchste Gipfel ist die „Weißspitze“ Belucha mit 4506 m über dem Meeresspiegel. Sie ist stets mit Schnee bedeckt. Gemäß dem örtlichen Glauben liegt hier das mystische buddhistische Königreich Shambhala.

Eine weitere Sehenswürdigkeit des Altais ist der Telezkij- oder Altyn-Köl-See (Goldener See), der von malerischen Wasserfällen und Grotten umgeben ist. Das Gebirge ist durch die Schönheit seiner Landschaft und Flora und die altaische Kultur ein Anziehungspunkt für Bergsteiger und Exkursionen. Bis in Höhen von 1800 Meter sind die Berghänge mit Zedern, Kiefern, Lärchen, Fichten und Birken bewachsen.

Das Altaigebiet war früh besiedelt: Im Gebiet Pasyryk haben Archäologen Grabstätten aus der Bronzezeit entdeckt.

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Der Baikalsee

Foto: Itar-Tass

Der Name des Sees stammt vermutlich vom jakutischen Wort Bajgal, das so viel wie “Tiefes Wsser” bedeutet. In der Tat ist dieser See in Ostsibirien mit 1642 Metern der tiefste See der Welt und zudem das weltweit größte Süßwasserreservoir. Er besteht seit mehr als 25 Millionen Jahren und gilt somit auch als der älteste Süßwassersee der Erde. Sein einziger Abfluss, die Angara, fließt über den Jenissei in die Karasee des Polarmeeres.

Die Fläche des Baikalsees entspricht in etwa jener Belgiens oder Dänemarks und beträgt rund 30 000 Quadratkilometer. Das kalte Wasser des Sees ist so klar, dass man bis zu 40 m Tiefe sehen kann, und es ist zudem so rein, dass man es anstelle von destilliertem Wasser nutzen kann. Entlang des gesamten Ufers des Baikalsees führt der Große Baikalweg, ein unbeschreiblich schöner Wanderweg von rund 1800 km Länge.

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Jaroslawl

Foto: Lori/Legion Media

Die Großstadt ist Hauptstadt des gleichnamigen Oblast Jaroslawl. Sie liegt an der Mündung des Flusses Kotorosl in die Wolga knapp 300 Kilometer nordöstlich von Moskau. Die Stadt feierte im September 2010 ihr 1000-jähriges Bestehen und gehört zu den ältesten Städten Zentralrusslands.

Das historische Zentrum von Jaroslawl ist durch seinen Grundriss und seine größtenteils aus dem 18. Jahrhundert stammende Architektur einzigartig. Zu Zeiten der Zarin Katharina II. wurde eine grundlegende städtebauliche Reform durchgeführt, und Jaroslawl ist eines der erfolgreichsten Resultate.

Die breiten Straßen des historischen Zentrums mit ihren vielen Bäumen sind von hübschen zwei- bis dreistöckigen Häusern gesäumt, die dank ihrer geringen Höhe den Blick auf die architektonischen Dominanten – Kirchen und Türme – freilassen. Die Straßen vereinigen sich wie Strahlen auf dem Hauptplatz, der nach wie vor Sowjetplatz heißt und auf dem die Prophet-Ilja-Kirche steht.

Glücklicherweise hat der Stadtkern von Jaroslawl seine ursprüngliche Form bis heute erhalten. Ebenso vom Bauboom unberührt sind die Uferpromenaden an der Wolga und am Fluss Kotorosl geblieben.

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Der Kreml von Kasan

Foto: Lori/Legion Media

Kasan, die Hauptstadt von Tatarstan an der Wolga, ist eine alte Stadt, deren Gründung auf das Jahr 1005 zurückgeht. Sie ist ein Symbol des friedlichen Zusammenlebens von Christentum und Islam. Mitten im Zentrum der Stadt, im Kasaner Kreml, befinden sich sowohl christliche wie auch islamische Denkmäler.

Der Kreml wurde an jenem Ort erbaut, wo vom 12. bis 14. Jahrhundert die tatarische Bulgarenfestung stand. Heute sind auf dem ausgedehnten Gebiet des Kremls die Blagoweschtschenskij- und die Preobraschenskij-Kirche (14. Jh.) und die Kul-Sharif-Moschee (2005 erbaut) vereint. Sowohl Kirchen als auch Moscheen sind nicht nur Museen von hohem historischen Wert, sondern dienen als religiöse Stätten.

Vom Spähturm des Kremls, Sjujumbike genannt, eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die Wolga und die Umgebung. Im ehemaligen Gouverneurspalast befindet sich heute die Residenz des Präsidenten von Tatarstan.

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Die historischen Stätten von Welikij Nowgorod

Foto: Lori/Legion Media

Die – für russische Verhältnisse – kleinere Stadt Welikij Nowgorod (rund 200 000 Einwohner) wurde dank ihrer erdrückenden Anzahl historischer Denkmäler in das Weltkulturerbe aufgenommen. Sie liegt knapp 200 km südsüdöstlich von Sankt Petersburg am Fluss Wolchow nördlich des Ilmensees und feierte 2009 ihr 1150-jähriges Jubiläum und ist damit eine der ältesten Städte Russlands.

Nowgorod war ein bedeutendes Zentrum der Kiewer Rus mit über zehntausend Einwohnern. Über die Jahrhunderte musste sich die Stadt vieler Feinde erwehren - der Mongolen, der Livländer, der Schweden oder der Ritter des Deutschen Ordens. Berühmt sind die Schlachten an der Newa oder auf dem Eis des Peipussees im 13. Jahrhundert, bei denen die Russen unter Alexander Newski überwältigende Siege errangen.

Der Nowgoroder Kreml (auch Djetinez genannt) ist eine Festung am Ufer des Flusses, dessen bedeutendste Sehenswürdigkeit die weiße Sofienkirche ist. Sie ist gleichsam die älteste von Slawen erbaute Kirche Russlands.

Zahlreiche Klöster mit einer bewegten Vergangenheit umgeben die Stadt -  das Swerin-Pokrowskij-, das Antonijew- oder das Jurjew-Kloster. Eine weitere Sehenswürdigkeit ist die wunderschöne Spas-na-Neredize-Kirche mit ihren idealen Proportionen; sie wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, jedoch komplett wiederaufgebaut. Ebenfalls sehr sehenswert ist die Perynskij-Einsiedelei, erbaut auf dem Perun-Hügel, einer ehemaligen heidnischen Kultstätte. Insgesamt hat die UNESCO 37 mittelalterliche Zeugnisse aus Nowgorod in ihre Denkmalliste aufgenommen.


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