Kitsch in Kaliningrad

Schön, fast schon Kitsch - der Blick aus dem Hotel in Kaliningrad. Foto: Privat

Schön, fast schon Kitsch - der Blick aus dem Hotel in Kaliningrad. Foto: Privat

Es ist Sonntagnachmittag, die Sonne strahlt und der Ausblick ist fast schon kitschig. Das historische Zentrum von Kaliningrad (Königsberg) ist das sogenannte Fischdorf inmitten der Stadt, direkt am Wasser gelegen. Das ist der Königsberger Fluss, der Pregel. Das Skipper-Hotel befindet sich im Zentrum dieser Touristenattraktion und ist nach der Segelwoche genau der richtige Ort für die ersten zwei russischen Nächte. Der Blick fällt aus dem Hotel aufs Wasser, rechts der Dom, geradezu das Meeresmuseum mit drei historischen Schiffen. Gleich neben dem Hotel findet sich eine einladende Bar mit Freisitzen und direkt davor verläuft die Flaniermeile, auf der abwechselnd Großeltern Kinder auf Plastikdreirädern vorbeischieben, die elektronische Musik machen, und junge Russinnen ihre High Heels spazieren tragen.

Die Motorradtour, wieder reichlich 300 Kilometer lang, war geprägt von der Suche nach der Ostsee und dem Grenzübertritt nach Russland. Die Strecke führte trotz anderer Pläne zum Tourstart letztlich doch durch Danzig, wenige hundert Meter vorbei am historischen Zentrum. Es war nur wenig Verkehr, also konnte die Hafenstadt, in der die Ostsee das erste Mal wieder zu sehen war, schnell passiert werden. Höhepunkt der Route durch den polnischen Nordosten war das beschauliche Städtchen Frombork (Frauenburg), das eine Kathedrale aus dem 14. Jahrhundert überragt. Der Backsteinbau zählt zu den bedeutendsten Kirchenbauten im einstigen Herrschaftsgebiet des Deutschen Ordens. Nikolaus Kopernikus hat in diesem Örtchen gearbeitet, das zwar einen kleinen Hafen hat, aber in dem Yachten noch kein großes Thema sind. Seglerplätze sind rar, obwohl das Frische Haff geradezu zum Segeln einlädt.

Das Motorrad auf der Mole in Frombork - in Deutschland kaum denkbar. Foto: Privat

Zwei Stunden waren eingeplant für den Grenzübertritt von Polen nach Russland, eine Stunde hat er gedauert und dank einer sehr freundlichen russischen Zöllnerin war er fast ein Vergnügen. Die etwa 30-jährige Frau kontrollierte Gepäck, Autokofferräume und hatte dazu einen Schäferhund zur Seite, der als Spürhund ausgebildet ist. Es war ihr fast peinlich, das Motorradgepäck zu kontrollieren und nachdem das große Badehandtuch aus der Gepäcktasche gewühlt war, lehnte sie es dankend ab, weitere Gepäckstücke an der Dragstar zu kontrollieren. Viel lieber unterhielt sie sich in englischer Sprache über St. Petersburg und die Schönheit der Newastadt und lächelte dabei so umwerfend, dass man fast geneigt war, den Grenzaufenthalt übermäßig zu verlängern. Danach waren es nur noch knapp 50 Kilometer bis Kaliningrad…

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