Ostseepipeline: Putin gibt Gas – für Deutschland

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Wyborg. Die neue Ostseepipeline von Russland nach Deutschland füllt sich jetzt mit Erdgas. Per Mausklick startete Russlands Premier Putin die Inbetriebnahme der Röhre. In einem Monat soll der Export anlaufen.

Als Putin an einem Computer in der Gaspumpstation Portowaja unweit der finnischen Grenze mit dem Anklicken eines Buttons das Startsignal zur Befüllung der Pipeline gab, stand strahlend Gerhard Schröder neben ihm. 

Deutschland bekommt russischen Gasanschluss


Der Ex-Bundeskanzler ist der Aufsichtsratsvorsitzende des Konsortiums Nord Stream AG, das den neuen Leitungsstrang von Russlands nördlichen Gasfeldern zu den europäischen Verbrauchern gebaut hat. Die beiden deutschen Energiekonzerne Wintershall Holding und E.ON Ruhrgas sind mit je 15,5 Prozent an Nord Stream beteiligt. Russlands Gas-Monopolist Gazprom hält 51 Prozent. 

Das Projekt ist nun seinem Start schon ganz nahe: Durch den ersten Pipeline-Strang sollen ab Anfang Oktober jährlich 27,5 Mrd. Kubikmeter russisches Gas an Verbraucher in Deutschland, Frankreich, den Benelux-Staaten und Großbritannien fließen. Ein zweiter Leitungsstrang mit der gleichen Kapazität ist noch in Bau und soll 2012 fertig werden. Endpunkt der Ostsee-Unterwasserpipeline ist Greifswald. 

Putin klickt die Ukraine ins Abseits


Putins Mausklick veränderte auch beträchtlich die Energie-Geografie in Osteuropa – und damit die bisherigen Abhängigkeiten. Wie Russlands mächtiger Premier sogleich erklärte, bedeutet der Start von Nord Stream, dass die Ukraine damit ihre exklusive Stellung als Transitstaat verliere. „Die Ukraine ist unser langjähriger Partner. Aber wie bei jedem Transitland spürt sie die Versuchung, ihre Stellung auszunutzen. Jetzt verliert sie ihre Exklusivität.“

In der Vergangenheit hatte es mehrfach „Gaskriege“ zwischen Moskau und Kiew gegeben: Beim Poker um den Preis für die Gaslieferungen an die Ukraine selbst sowie bei der Frage, wie lange Moskau ausstehende Zahlungen stundet, kam es dabei auch zu Blockaden und Umleitungen der für Westeuropa bestimmten Gaslieferungen. 

Russisch-ukrainischer Gas-Knatsch geht in neue Runde


Gegenwärtig versucht die ukrainische Führung, aus den bestehenden, sehr strengen Verträgen mit Moskau wieder auszusteigen und spielt dabei nochmals die Transitkarte – bevor diese weiter an Wert verliert. In diesem Zusammenhang steht auch der Prozess gegen die ehemalige Premierministerin Julia Timoschenko, der vorgeworfen wird, bei den Verhandlungen mit Russland 2009 ihr eigenes Land massiv geschädigt zu haben. 

Kiew will billiges Gas - und eigene Leitungen


Russland versuchte seinerseits seit Jahren, die Ukraine zur partiellen Übergabe ihres Gas-Transportnetzes zu bewegen, was Kiew aber hartnäckig ablehnte – weil dann das Land sein Druckmittel verlieren würde, mit dem es sich bisher immer Sonderkonditionen für den Eigenbedarf heraushandeln konnte. 

Laut Gazprom-Chef Alexej Miller bekommt die Ukraine russisches Gas gegenwärtig billiger als Verbraucher in Polen, Ungarn, Rumänien oder der Türkei. „Unsere ukrainischen Kollegen sind in einen Zug namens „Billiges russisches Gas“ gestiegen und wissen jetzt weder, an welcher Haltestelle aussteigen noch ob sie vielleicht in eine Sackgasse fahren“, erklärte er bei der Zeremonie zum Pipeline-Start. 

Die Perspektive der direkten Belieferung der weitaus unkomplizierteren Kunden in Westeuropa gefällt den Energiestrategen in Russland nun umso besser. 

Wladimir Putin erklärte im Juli, dass man die Möglichkeit des Baus eines dritten Stranges der Ostseepipeline nicht ausschließe.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland-Aktuell.

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