Der schwarze Tag des Eishockeys

Das Flugzeugunglück bei Jaroslawl ist eine Tragödie von wahrlich internationaler Tragweite. Es hat alle Mitglieder der Jaroslawler Mannschaft einschließlich einiger Mitglieder der Club-Verwaltung und renommierter Eishockey-Stars zum Opfer gefordert. Der Vorsitzende des russischen Eishockeyverbandes Wladislaw Tretjak hat den Flugzeugabsturz einen „unersetzlichen Verlust für das internationale Eishockey“ genannt.

Foto: AP, Itar-Tass

Der 7. September ist der schwarze Tag nicht nur für den nationalen, sondern auch für den internationalen Sport. An Bord der verhängnisvollen Jak-42 befanden sich die Spieler der Eishockey-Nationalmannschaft Russlands sowie die ausländische Sport-Stars, Weltmeister und Olympia-Sieger: Pavol Demitra aus der Slowakei, Jan Marek, Josef Vašíček, Karel Rachunek aus Tschechien, der Torwart Stefan Liv aus Schweden und der Cheftrainer der Mannschaft Byron Brad McCrimmon aus Kanada.

Im Exklusiv-Interview sagte der tschechische Sportreporter Martin Kotek Folgendes: „Das ist ein furchtbares Ereignis. Es fällt mir schwer zu sagen, dass sie gute Spieler 'gewesen' sind. Sie waren echte internationale Eishockey-Stars. Rachunek, Vašíček und Marek haben zu den besten Vertretern der tschechischen Eishockey-Schule gezählt. Ich glaube – und mir werden auch viele Experten zustimmen –, dass das Spiel des Jaroslawler Clubs eben auf ihrer hohen Meisterschaft gefußt hat.“

Die Sportler aus Jaroslawl waren auf dem Weg nach Minsk, wo sie die Spielsaison der Kontinentalen Hockey-Liga (KHL) mit einem Treffen gegen den örtlichen HC „Dynamo“ eröffnen sollten. Die Maschine stürzte kurz nach dem Start ab. Fast alle Spieler waren dem Jaroslawler HC „Lokomotive“ erst vor kurzem beigetreten. Die meisten von ihnen hatten erfolgreich für ihre Nationalmannschaften und in der National Hockey League (NHL) gespielt. Als sich die Katastrophe ereignete, beschlossen die Trainer, das Spiel der KHL in Ufa zwischen dem örtlichen HC „Salawat Julajew“ und „Atlant“ aus der Umgebung Moskaus zu unterbrechen, und sagten eine Schweigeminute zum Gedenken an die verunglückten Eishockeyspieler an. Die Tribünen sollen bitter geweint haben. Viele Fans aus verschiedenen Ländern der Welt sprechen auf zahlreichen Internet-Foren den Hinterbliebenen der Opfer das tiefste Beileid aus.

Kanada, wo das Hockey beinahe eine Religion ist, vernahm die schauderhafte Nachricht am frühen Morgen. Besonders bestürzt war man dort über den Tod des Cheftrainers des HC „Lokomotive“ und Stanley-Cup-Gewinners Brad McCrimmon. Bis vor kurzem hatte er als Assistant Coach im US-Club „Detroit Red Wings“ gearbeitet. In den Jaroslawler Club war er erst in diesem Sommer übergetreten, indem er seinem größten Traum gefolgt war – und zwar endlich Cheftrainer zu werden. Seine Familie (Frau, Tochter und Sohn) hatte nicht einmal genug Zeit gehabt, um nach Russland mitzukommen.

Im Hauptquartier des Detroiter Clubs wollte man lange keine Kommentare geben. Später gab der Cheftrainer der Mannschaft und Ex-Kollege von McCrimmon Mike Babcock trotzdem nach und antwortete auf die Kernfragen. „Die Mannschaft ist bestürzt, wir haben erst gerade mit dem Morgentraining angefangen. Ich kenne Brads Kinder gut. Er hat mir vieles beigebracht, hat mir auf jede Weise beigestanden und war ein guter Freund von mir und vielen anderen Spielern“, sagte Babcock.

Die Katastrophe versetzte in Trauer auch die millionenköpfige Armee von russischen Fans. Da zu viele von ihnen auf einmal ihr Beileid ausdrücken wollten, gingen die Webseiten der jeweiligen Eishockey-Clubs außer Betrieb.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Stimme Russlands