Groß, lang, viel – St. Petersburg

Machtfülle und Reichtum drückt die Größe des Platzes vor der Eremitage aus. Foto: Privat

Machtfülle und Reichtum drückt die Größe des Platzes vor der Eremitage aus. Foto: Privat

Alles ist einfach nur groß, wahlweise auch lang und viel in St. Petersburg.

Häuser sind groß, nicht eben hoch, aber in der Innenstadt zumeist sogenannte Solitäre. Straßen sind Magistralen, gesäumt von zahllosen Solitären. Drei Autospuren pro Richtung sind state oft he art, gern auch vier. Fußgängerquerungen gibt es etwa am Newski Prospekt, der Hauptstraße schlechthin alle 400 Meter, zwischendrin ist es unmöglich, die Straße zu überqueren. Die Erinnerung sagt: Diese Straße war Ende der 70er eine Pflasterstraße mit wenigen (sehr schnell fahrenden) Taxis und Linienbussen. Heute ist es eine ständig verstopfte Hauptstraße mit (vor allem) vielen sehr schnell fahrenden schwarzen Großstadtgeländewagen. Beliebt sind dabei die aus deutscher Produktion.

Fast fünf Millionen Einwohner auf der reichlich vierfachen Fläche von Dresden machen die Stadt aus. Das heißt – die Newastadt ist deutlich dichter besiedelt, als die Stadt an der Elbe. Das gilt wohl vor allem für die Bezirke abseits vom Stadtzentrum, weit weg von der Newa, in denen die Menschen in riesigen Neubaukomplexen wohnen. Heute werden solche Neubauten mehr als 20 Stockwerke hoch gebaut. Im Zentrum selbst spielen die Autos die Hauptrolle. Der Verkehrslärm ist so heftig, dass Stadtführer und Touristenwerber keine Chance haben ohne Megafon. Besser noch, die ganze Reisegruppe trägt Kopfhörer und muss im Abspielgerät dafür nur noch die Stationsnummer wählen, die der Guide gerade zeigt.

Auffällig sind die vielen Baustellen im Stadtzentrum. Sie werden ebenfalls geprägt von gewissem Überfluss – der Menge der Menschen, die dort arbeiten. Maschinen sind dagegen wie schon vor dem Ende der Sowjetunion eher selten. Manpower gibt es dafür offenbar im Überfluss. Selbst für körperlich schwerste Tätigkeiten und dreckige Arbeiten, nach denen in Deutschland selbst Maschinen sofort gereinigt würden.

Viele starke Männer ersetzen eine Maschine bei der Montage einer Granitbank. 


Unterdessen erweist sich der Kontakt zur deutschen evangelischen Gemeinde der Stadt mehr und mehr als Glücksgriff. Nicht zuletzt, weil Pfarrer Matthias Zierold ein echter Biker ist. Die Rückfahrt von Deutschland aus nach dieser Reise (u.a. nach Besuchen in Dresden und Berlin – dort auch beim Bundespräsidenten) trat er per Motorrad an. 1700 Kilometer hat er dafür seine BMW damals von Berlin zurück nach St. Petersburg gejagt. Und am Freitag will er damit nach Helsinki fahren. Dort soll er am Sonntag predigen. Im Moment scheint es, als sei es keine gute Idee, diese Strecke mit dem Motorrad zurückzulegen. Wolken ziehen über die Stadt und es stürmt. Nur geregnet hat es heute noch nicht.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland