Modernisierungspartner aus dem Osten

Wladimir Putin bei der Eröffnung der Erdölleitung Russland-China. Foto: http://premier.gov.ru

Wladimir Putin bei der Eröffnung der Erdölleitung Russland-China. Foto: http://premier.gov.ru

Premier Wladimir Putin bricht am Montag zu einer China-Visite auf. In Peking soll u.a. ein Protokoll über eine Modernisierungspartnerschaft unterzeichnet werden. Es ist auch ein kleiner Affront gegen den Westen.

Peking hat Moskau schon lange eine solche Partnerschaft vorgeschlagen. Lange Zeit verhielt sich der Kreml skeptisch: „China kann uns kaum bei der Modernisierung helfen, denn die Chinesische Volksrepublik entwickelt sich extensiv dank billiger Arbeitskräfte", erklärte ein anonymer Kremlsprecher noch im vergangenen Herbst.

Inzwischen hat sich der Standpunkt der Russen diesbezüglich geändert. Nach einem Besuch von Dmitri Medwedew im Reich der Mitte kam der Stein langsam ins Rollen. Russlands Problem besteht nach Ansicht von Experten nicht darin, dass das Technologieniveau im Vergleich zu China rückständig ist, sondern darin, dass neue Technologien nur schlecht in die Produktion eingeführt werden.

Billige Maschinen aus China sollen eben diesem Prozess abhelfen. Allerdings geht die russische Seite davon aus, dass der Prozess zweigleisig verlaufen wird. Vize-Premier Alexander Schukow, zugleich Vorsitzender des russischen Teils einer bilateralen Regierungskommission, nannte Kernenergie, Raumfahrt, Flugzeugbau, Eisenbahn-Hochgeschwindigkeitsverkehr, Schiffbau, Maschinen und Anlagen für die Energiegewinnung sowie alternative Energien als mögliche Kooperationsfelder.

Während Russland in den ersten drei Sektoren Weltmarktführer ist, kann China auch dank der Übernahme westlicher Technologien in den anderen Sektoren auf eine Vorreiterstellung pochen. Innovationsführer bei der Partnerschaft dürfte in jedem Fall China sein, denn der russische Export hat sich in den letzten Jahren zu 70 Prozent auf Rohstoffe konzentriert.

„Das ist die Antwort auf das Programm der „Modernisierungspartnerschaft", das wir gemeinsam mit der EU durchführen", erklärte ein Kremlbeamter. Eine solche Modernisierungspartnerschaft hatte zuerst der damalige deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier den Russen vorgeschlagen. Später haben sich andere europäische Länder der Initiative angeschlossen.

Europäer bieten ihre Technologien zum Kauf an


Doch in dem Fall handelt es sich größtenteils um den Versuch europäischer Technologieanbieter, ihre Produkte in Russland abzusetzen, während die Europäer an russischen Technologien weniger interessiert sind. Zudem sind europäische Maschinen und Anlagen teurer als aus dem Billiglohnland China.

Am besten wäre es, High-Tech in China produzieren zu lassen, die auf russischen Entwicklungen basiert, meint Michail Karpow, Dozent an der Lomonossow-Uni an der Fakultät für die Länder Asiens und Afrikas: „Es geht um die Nutzung des wissenschaftlichen Potenzials Russlands und die Möglichkeiten der chinesischen Produktion zur Herstellung von Waren, mit denen wir auf den Markt von Drittländern gehen", sagte Karpow.

Einzig das Problem des illegalen Kopierens müssen Moskau und Peking vorher lösen. In der Vergangenheit hatte sich Russland mehrfach über illegale Plagiate z.B. russischer Rüstungstechnik made in China echauffiert.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland-Aktuell.

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