In Russland auf Schatzsuche

Kein Glück, kein Schatz. Foto: ITAR-TASS

Kein Glück, kein Schatz. Foto: ITAR-TASS

Haben auch Sie schon mal davon geträumt, einen Schatz zu entdecken? Dann ist Russland genau das richtige Land für Sie! Wir zeigen Ihnen, wie es geht.

Die meisten Menschen träumen davon, einen Schatz zu finden. Sie möchten diesen Glücksmoment erleben und mit dem folgenden Reichtum die Mühen des Alltags hinter sich lassen. Aber selbst wenn man keine Truhe mit Piratengold findet, kann die Schatzsuche tatsächlich eine regelmäßige Einnahmequelle sein. Mit Übung und dem richtigen Gespür lassen sich die Kostbarkeiten aufspüren.

Russland ist hierfür bestens geeignet. Viele Kriege, Revolutionen und ökonomische Krisen ließen die Menschen eine unglaubliche Anzahl an Verstecken unter Fußbodendielen oder Dächern anlegen, um einen Notgroschen für schlechte Zeiten beiseite zu schaffen. Doch von der ersten Suche bis zum ersten Fund und von dort zum Reichtum sind einige Dinge zu beachten.

 

Mit einem Fund zur eigenen Firma

 

Denn wem gehören eigentlich die Fundstücke? Das russische Gesetz schreibt vor, dass eine Person, die etwas Wertvolles findet, ein Recht auf die Hälfte des Wertes hat. Die andere Hälfte gehört dem Besitzer des Grundstücks, auf dem der Schatz gefunden wurde. Es sei denn, es wurde zuvor etwas anderes vereinbart. Wenn das Grundstück dem Land oder der Kommune gehört (das gilt für etwa 90 Prozent der Fläche Russlands), dann beansprucht der Staat die Hälfte des Schatzes.

Dass auch ein Anteil ausreichend sein kann, beweist die Geschichte des Wladimir Porywajew. Gesucht hatte er im Auftrag einiger Personen, die von ihren Großeltern Geschichten über Kostbarkeiten gehört hatten. Und tatsächlich: Ende der 1990er Jahre soll er einen Sack voller Diamanten gefunden haben. Porywajew lieferte die Hälfte des Schatzes bei seinen Kunden ab und behielt die andere Hälfte für sich. Das reichte, um aus dem Gelegenheitsschatzsucher den Eigentümer einer Schatzsuch-Agentur zu machen.

Dennoch verhelfen nicht alle Entdeckungen zu sofortigem Reichtum. Der größte Teil der Schätze, die von Abenteurern gehoben werden, besteht aus Münzen und nicht aus riesigen Diamanten. Manche sind nur ein paar Rubel wert, andere wiederum können Millionen einbringen. Das Alter spielt hier eher eine untergeordnete Rolle. Eine Kupfermünze aus der Sowjetzeit kann bereits mehr wert sein als ein Goldstück. Preislisten, auch für Broschen, Ohrringe und manch anderes Stück, finden sich in Katalogen und im Internet.

Kein Glück, kein Schatz?

Nach gängiger Meinung hat die Schatzsuche nur mit Glück zu tun, aber erfahrene Sucher wissen es besser. Dieses Hobby verlangt eine solide Ausbildung und gründliche Kenntnisse in Physik, Geographie und Forstwirtschaft. "Ein Schatzsucher, der nicht in der Lage ist, das Alter eines Waldes auf den ersten Blick zu erkennen, wird wohl sein Leben lang auf der Wiese nach Münzen graben", sagt Alexej Pensenski, Professor für Geschichtswissenschaft und selbst Schatzsucher. Auch Kenntnisse der Topografie und ihrer Geschichte sind von großem Vorteil. Einige dieser Daten kann man einfach im Internet herunterladen, aber seltenes topografisches Material ist teuer oder nur schwer zugänglich. Detailgetreue Karten, die in den 1920er Jahren vom Obersten Rat für Volkswirtschaft erstellt wurden, sind praktisch nicht mehr aufzutreiben.

Doch selbst mit einer alten Karte ist der Erfolg nicht vorprogrammiert. Schatzsucher vergleichen diese mit modernen Koordinatensystemen und suchen nach verschwundenen oder verlassenen Dörfern, die für die Suche interessant sein könnten. Manchmal finden sie ein Feld vor, das aussieht, als sei es von einem wild gewordenen Locher verwüstet worden, so viele Leute waren schon vorher da. Um Plätze zu finden, die andere Sucher nicht kennen, müssen Schatzjäger daher über spezielle Kenntnisse verfügen.

Der Traum eines jeden Schatzsuchers ist es daher, eine Siedlung zu finden, die von der Erdoberfläche verschwunden ist, noch bevor die ersten Karten der Gegend überhaupt gezeichnet waren. Dörfer, die während der "Zeit der Wirren" niederbrannten, sind dafür ein perfektes Beispiel. Damals ging eine Gemeinde nach der anderen in Flammen auf, was es heute besonders schwer macht, sie zu finden. Doch mit der Zeit entwickelt ein Schatzsucher einen flinken Profiblick und ein Gespür dafür, wo ein Schatz versteckt sein könnte.

Tipps vom Profi

 

Zunächst einmal liegt er gewöhnlich in der Nähe menschlicher Siedlungen. Zweitens hat man eine größere Chance, etwas zu finden, wenn man in Gegenden sucht, in denen es militärische Auseinandersetzungen oder alte Handelswege gab. Auch die Umgebung von früheren Wegestationen und Märkten oder Jahrmärkten kann vielversprechend sein. Schatzsucher haben ihren eigenen Ehrenkodex. Zum Beispiel graben sie nicht auf Schlachtfeldern aus jüngerer Zeit und auf Friedhöfen. Ein Tabu ist es auch, ein fremdes Taufkreuz "mitzunehmen", denn es heißt, damit könne man die Sünden der betreffenden Person auf sich laden. Es gibt unzählige Geschichten darüber, was Leuten passiert ist, die sich nicht an diese Regeln gehalten haben.

Doch vor allem sollten Schatzsucher das alte Sprichwort beherzigen: Wer sein Leben lang nach Schätzen sucht, wird arm sterben. Wenn Sie es dennoch versuchen wollen, dann auf nach Russland, dem Land der ungehobenen Schätze.

Der Artikel ist eine gekürzte Fassung des Originals, das in der Zeitschrift "Itogi" erschienen ist.

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