Weltraumbahnhof in Gefahr

Baikonur Weltraumbahnhof. Foto: NASA

Baikonur Weltraumbahnhof. Foto: NASA

Die russische Weltraumbehörde Roskosmos hat sich bei Premier Putin beschwert: Die Gelder für die Errichtung des neuen Weltraumbahnhofs fließen nur zäh; der für 2015 geplante erste Raketenstart ist in Gefahr.

Bekanntlich schießt Russland seine Sputniks und Raumtransporter von Baikonur in Kasachstan in den Weltraum, das bei der ehemaligen Sowjetrepublik für teures Geld gepachtet wird. Rund 300 Millionen Dollar kostet Moskau alljährlich die Pacht und Unterhaltung der kosmischen Basis in der kasachischen Steppe. Die Russen dürfen noch bis 2050 von Baikonur ins All starten, sind aber längst dabei, sich einen eigenen Weltraumbahnhof einzurichten. Das ambitiöse Projekt war 2007 durch einen Ukas des damaligen russischen Präsidenten Wladimir Putin angeschoben worden – 2011 sollte mit dem Bau des Stützpunkts Wostotschny im Amur-Gebiet begonnen werden und 2015 von dort der erste Flugapparat starten.

Die Leitung der Weltraumbehörde Roskosmos hat laut der Zeitung „Iswestija" Putin jetzt darauf aufmerksam gemacht, dass dies bei der jetzigen Finanzierung völlig unrealistisch ist. Die Behörde beklagt sich (nicht zum ersten Mal) über den zähen Widerstand gegen das Projekt seitens des Finanz- und des Wirtschaftsministeriums.

Still und leise kippen


Für die Finanzierung von Wostotschny sollen 2012 bis 2014 rund 46 Milliarden Rubel (1,07 Milliarden Euro) fließen. Laut Roskosmos ist dies ein mit den beiden Ministerien ausgehandelter Kompromiss. Roskosmos möchte für den Zeitraum eigentlich aber noch 21 Milliarden Rubel mehr bewilligt haben. Laut der russischen Presse verfolgen die beiden Ministerien, die von Anfang gegen den neuen Weltraumbahnhof aufgetreten waren, sich aber nicht durchsetzen konnten, eine „Verschleierungspolitik", um das Projekt im Endeffekt still und leise zu kippen.

Eigentlich hatte der Bau des Kosmodroms in Ostsibirien schon in diesem Sommer beginnen sollen, aber bisher ist nicht einmal die genaue Lage des künftigen Komplexes festgelegt. Über die drohende Verzögerung hatte Ex-Roskosmos-Chef Anatoli Perminow Putin übrigens bereits vor anderthalb Jahren informiert. Sollte die Finanzierung auf dem jetzt laufenden Niveau bleiben, könne die erste Rakete vom neuen Weltraumbahnhof nicht, wie Putin es 2007 angeordnet hatte, 2015 ins All geschickt werden, sondern bestenfalls 2020.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell.