Das Bolshoi Theater ist zurück

Das Bolshoi Theater. Foto: AP

Das Bolshoi Theater. Foto: AP

Nach rund sechsjähriger Umbauzeit erstrahlt das Moskauer Opernhaus wieder im Glanz der Zarenzeit. Sowjetische Bausünden wurden beseitigt. Insbesondere die Akustik wurde mit deutscher Technik wiederhergestellt.

Alles ist bereit für die Wiedereröffnung des Bolschoi-Theaters. Experten schätzen, dass die russische Regierung umgerechnet rund eine Milliarde Euro in die Restaurierung dieses nationalen Symbols gesteckt hat. Auch Fachleute aus Deutschland waren an dem Projekt beteiligt. Überall im Bolschoi-Theater wurde neueste deutsche Technik eingebaut. Für die geeignete Bühnentechnik und Beleuchtung sorgte die deutsche Firma Bosch Rexroth. Nach einem Wettbewerb hatte das Tochterunternehmen der deutschen Robert Bosch GmbH dafür den Auftrag in Wert von 200 Millionen Euro erhalten.

Moskau engagiert deutschen Experten

Deutsches Know-how kam auch bei der Akustik zum Einsatz. Das Theater-Gebäude stammt aus dem Jahr 1856. Im 20. Jahrhundert waren an ihm bauliche Veränderungen vorgenommen worden, die dem Klang geschadet hatten. Deswegen war eines der Hauptziele der Restaurierung, die Akustik des Bolschoi-Theaters wiederherzustellen. Diese Aufgabe übernahm die deutsche Firma Müller-BBM. Das Unternehmen ist auf dem Gebiet der Raumakustik - in Theatern und Konzertsälen - weltweit führend.

Jürgen Reinhold, Mitarbeiter der Firma, ist ein bekannter Experte auf dem Gebiet der Bau-Physik. Er war schon an der Modernisierung vieler berühmter Theater und Opernhäuser beteiligt. Auf seiner Liste stehen unter anderem das Teatro Regio di Parma, das Teatro La Fenice in Venedig, das Teatro di San Carlo in Neapel, das Opernhaus in Florenz sowie das TNP-Theater im französischen Villeurbanne.

Raus mit dem Beton aus der Sowjetzeit

An der Verbesserung der Akustik im Bolschoi-Theater arbeitete Reinhold sechs Jahre. Begonnen hat er seine Arbeit in den letzten Tagen, als das Theater noch bespielt wurde. "In diesem Zeitraum habe ich die Materialien und die ganzen Oberflächen recht genau studiert, um zu verstehen, was bisher verwendet wurde", berichtet er gegenüber dw-world.de.

Schnell sei bei Messungen festgestellt worden, dass der aus der Sowjetzeit stammende Fußboden des Theaters herausgenommen werden müsse. "Ein ganz wesentlicher Punkt war eine Betonplatte, die in der Parterre-Zone wohl zur statischen Stabilisierung eingebaut worden war. Auf die Betonplatte hatte man ohne zusätzliche Dämmung ein Holzparkett geklebt. Das bildete einen schweren Fußboden, der untauglich ist für einen Opernsaal", so Reinhold. Der Fußboden sei schließlich durch eine leichtere Holzkonstruktion ersetzt worden, die die akustischen Schwingungen nicht mehr so leicht verschluckt.

Das Bolschoi-Theater nach seiner Restaurierung

Ferner sei der Orchestergraben des Bolschoi-Theaters für die Größe des Hauses und die heutigen Erfordernisse zu klein gewesen. Er wurde vergrößert, und auch die Bühne wurde angehoben. "Die Bühne lag nur 65 Zentimeter über der ersten Zuschauerreihe. Das ist sehr niedrig für ein so großes Theater. Das hat Nachteile für die ganze Parterre-Zone", so der Ingenieur. Ihm zufolge konnten durch Änderung der Parterre-Neigung und das Anheben der Bühnenhöhe die Sichtlinie und die Direktschallversorgung maßgeblich verbessert werden.

Besserer Schutz vor der Moskauer Metro

Doch nicht nur im Theater selbst musste der deutsche Akustik-Experte aktiv werden. Nur 40 Meter vom Bolschoi-Theater entfernt verläuft die Moskauer Untergrundbahn. "Wenn die Moskauer Metro vorbeifuhr, hat das immer für Erschütterungen im Gebäude gesorgt", so Reinhold. Um das Opernhaus vor diesen Vibrationen zu schützen, wurden im betreffenden Abschnitt der Metro-Röhre Gummimatten und unter den Schienen dämpfendes Material verlegt.

Mit dem Ergebnis der Restaurierung des Theatersaals ist der deutsche Bau-Physiker sehr zufrieden: "Ich muss den Planern, mit denen ich zusammengearbeitet habe, ein sehr großes Lob aussprechen", so Reinhold. "Besonders mit den Restauratoren hat die Kooperation hervorragend funktioniert, zum Teil auf einem Level, den ich in Westeuropa so nicht kenne."

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Deutschen Welle.


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