Der Rubel rollt nach Australien

Aus US- werden australische Dollar. Foto: Lori / Legion media

Aus US- werden australische Dollar. Foto: Lori / Legion media

Euro und US-Dollar schwächeln, und die russische Zentralbank beweist Kreativität: Jetzt will sie einen Teil der Gold- und Devisenreserven in australische Dollar umtauschen.

Obwohl Australien bei Weitem nicht zu Russlands stärksten Handelspartnern gehört und nicht einmal Mitglied der BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China ist, soll der australische Dollar bis Ende 2011 in die Gold- und Devisenreserven der Zentralbank aufgenommen werden. „Ich habe entsprechende Dokumente unterzeichnet", erklärte der stellvertretende Vorsitzende der Zentralbank Alexej Uljukajew im Oktober. Außerdem teilte er mit, dass Russland den Goldanteil in seinen Reserven weiter aufstocken werde. Dieser lag am 1. Oktober bei 8,5 Prozent und damit knapp ein Prozent höher als noch zu Beginn des Jahres. Ein richtiger Schritt: Der Marktwert der russischen Goldreserven ist inzwischen um 24 Prozent auf 48,6 Milliarden Dollar gestiegen.


Die russischen Devisenreserven

Die russischen Devisenreserven betragen derzeit eine halbe Trillion US-Dollar und bestehen zu 47 Prozent aus Dollar, gefolgt von 41 Prozent Euro, neun Prozent britischem Pfund, zwei Prozent japanischem Yen und einem Prozent kanadischem Dollar.


Noch immer gibt es an jeder belebten Ecke Moskaus Wechselstuben, in denen man Rubel gegen Euro oder Dollar umtauschen kann. Eingerichtet wurden sie in den 90ern, als die Russen das Vertrauen in die eigene Währung verloren hatten und versuchten, ihre Ersparnisse zu retten. Laut Zentralbank war die D-Mark die beliebteste Fremdwährung.


Nach 2000 löste der Euro die Deutsche Mark ab. Es dauerte, bis sich die Russen mit ihm angefreundet hatten: Vielen schien, dass die EU sich viel zu schnell ausdehnte und Staaten mit offenkundig schwächelnder Wirtschaft in ihre Reihen aufnahm. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krise haben die Bedenken gegenüber der Stabilität der europäischen Währung neue Nahrung erhalten. Allerdings könnte der Euro bei den Russen noch schlechter dastehen, wenn sein Hauptkonkurrent, der Dollar, stabiler wäre: Der Beschluss der Obama-Adminis
tration über weitere Anleihen, um einer Zahlungsunfähigkeit 
entgegenzusteuern, hat das Schuldenproblem der größten Volkswirtschaft der Welt nur herausgezögert, nicht aber gelöst.


Die Instabilität auf den Finanzmärkten hat das Interesse in Russland an ausländischer Währung zumindest kurzfristig hochschnellen lassen. War der Bestand der Euroeinlagen im Juli noch um 1,5 Prozent geschrumpft, so stieg er im September innerhalb einer Woche um 19 Prozent an. In der Bankenwelt weiß man, dass in erster Linie VIP-Kunden am Euro interessiert sind und die Hälfte ihrer Einlagen in dieser Währung getätigt haben.
Dementsprechend kann man einen Abfluss der Rubeleinlagen beobachten, allerdings längst nicht so dramatisch wie erwartet. Im Gegenteil: Bis jetzt übersteigen sie die Einlagen in einer ausländischen Währung beträchtlich – ungeachtet der Krise von 2008 und der derzeitigen Probleme in Europa. Der russischen Zentralbank zufolge liegt der Anteil an Fremdwährung nur bei 18 Prozent.


Inzwischen haben Privatpersonen ihr Vertrauen in den Rubel zurückgewonnen. Am 1. September 2011 betrugen ihre Einlagen insgesamt 10,7 Trillionen Rubel (250 Milliarden Euro), wovon 8,8 Trillionen in nationaler Währung angelegt sind. Dies erklärt sich zum großen Teil damit, dass der Kurs des Rubels schon seit mehreren Jahren stabil ist und Schwankungen in einem erwarteten Rahmen stattfinden. Zudem ist es vorteilhafter, Kredite in jener Währung aufzunehmen, in der man auch verdient. Für die Russen ist das immer noch der Rubel.