“Die Schlacht um Griechenland haben wir verloren”

Foto: Fotoxpress

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Der frühere Finanzminister der Russischen Föderation Alexej Kudrin glaubt, dass die Finanzkrise sich in aller nächster Zeit in eine Wirtschaftskrise ausbreiten und auf andere Regionen der Welt übergehen wird. Nach Meinung von Kudrin wird der Eurozone die Lösung der Schuldenkrise zwei bis drei Billionen Euro kosten.

“Es brennt – aber das ist nur die Zündschnur. Der Finanzkrise, die wir haben, folgt höchst wahrscheinlich eine Wirtschaftskrise", teilte Alexej Kudrin auf einer von der Sberbank Russlands durchgeführten internationalen Konferenz mit. Glaubt man Kudrin, ist unser Land dank seiner geringen Staatsverschuldung und den beachtlichen Goldreserven besser auf die Rezession besser als die meisten Industriestaaten vorbereitet. Der Sberbank-Chef German Gref seinerseits rief auf der Konferenz dazu auf, “die Menschen nicht mit einer zweiten Welle der Krise in der russischen Wirtschaft zu erschrecken”. “Wenn der Ölpreis nicht katastrophal sinkt, können wir das jetzige Wirtschaftswachstum beibehalten”, glaubt Gref.

Bezüglich der Situation in der Eurozone bemerkte Alexej Kudrin, dass es gute Chancen gibt, die Probleme, die einige EU-Staaten mit ihrer Staatsverschuldung haben, zu lösen. Allerdings sieh er auch das Risiko, dass dies nicht gelingt. Nach Einschätzung des ehemaligen Finanzministers müssten zur Bewältigung der europäischen Krise zwei bis drei Billionen Euro aufgebracht werden. “Die Schlacht um Griechenland haben wir verloren – nun geht es darum, deutlich größere Volkswirtschaften der Eurozone zu retten”, sagte er und fügte hinzu, dass nach dem Ende der Krise die Zahl der EU-Staaten wahrscheinlich schrumpfen wird.

Alexej Kudrin schnitt auch den Beitritt Russlands zur WTO an. Seiner Meinung nach wird der Beitritt in diese Organisationen einen positiven Effekt haben. “Russland wird sich einigen Regeln unterordnen müssen, aber die Geschäftswelt wird wissen, mit welchen Tarif- und Subventionskorridoren sie mittelfristig rechnen können”, äußerte sich Kudrin.

Es sei daran erinnert, dass der ehemalige Finanzminister bereits früher schon zu den offenkundigen Pessimisten zählte, die für die nächsten drei Jahre ein Rezessionsrisiko für die Weltwirtschaft vorausgesagt haben. “Zu 25 % könnte es in den nächsten drei Jahren eine wesentliche Verbesserung der Situation geben, und wenn ansonsten keine weltweite Rezession eintritt, so doch eine Rezession einiger großer Zonen der Weltwirtschaft”, erklärte er im Juni.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Kommersant.

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