Abenteuer eines Moscovores

Jennifer Jeremejewa

Jennifer Jeremejewa

Diesen Monat startet die beliebte, auf gastronomische Themen spezialisierte Schriftstellerin Jennifer Jeremejewa eine neue Homepage mit dem Titel "The Moscovore: Kulinarische Abenteuer in der russischen Hauptstadt".

Erinnern Sie an das erste russische Gericht, das Sie je probiert haben?

Wenn ich ehrlich bin, war es Kaviar. Als Kind bin ich jedes Jahr in Massachusetts zu einer Weihnachtsfeier gegangen, und da gab es immer eine große Schüssel davon. Aber das erste, was ich in Russland gegessen habe, war ganz bestimmt ein Borschtsch. Und den fand ich auch fantastisch.

Haben Sie ein Lieblingsessen?

Das ist allerdings eine sehr schwierige Frage! Russische Suppen liebe ich wirklich: Sie sind abwechslungsreich und sehr sättigend und als solche scheinen sie eine perfekte Metapher für die russische Gastfreundschaft zu sein: warm und gehaltvoll, besonders gut, wenn es draußen kalt ist!

Erzählen Sie mir von Ihrem ersten kulinarischen Abenteuer in Russland.

Ich bin 1992 nach Russland gekommen, um mit dem Mann zusammenzuleben, den ich später geheiratet habe. Wir hatten nur ein sehr begrenztes Budget, und damals war ja alles ziemlich chaotisch, wenn es darum ging, gute Zutaten heranzuschaffen. Ich hatte international als Reiseführerin und auf Kreuzfahrtschiffen gearbeitet, und das Essen war für mich immer ganz selbstverständlich da. Und plötzlich musste ich tatsächlich darüber nachdenken, wo es herkommt und wie ich es zubereiten kann.

Was ist ein "Moscovore" und wer sind Ihre Leser?

Moscovore ist ein Wort, das meine Schwester für mich erfunden hat ‒ eine Art Kombination aus "Moskau" und "locavore", womit ein Mensch gemeint ist, der versucht, Lebensmittel aus lokalen Quellen zu bekommen. Oder aus "omnivore", einem Menschen, der alles isst! Ein Moscovore ist also jemand, der sich damit beschäftigt, in Moskau hervorragende Zutaten zu finden, zu kochen und das Essen zu zelebrieren. Ich kenne eine Menge Leute, die nach Moskau kommen und hier leben oder gerade anfangen, kochen zu lernen ‒ Russen oder Ausländer ‒, die nicht gleich wissen, wo man gute, frische Produkte findet, Fleisch, Fisch und andere wichtige Zutaten.

Wo finden Sie Ihre Rezepte?

Ich sammle mit Begeisterung Kochbücher, und ich bespreche auch Kochbücher auf meiner Homepage. Ich habe auch einige Kochzeitschriften abonniert, die immer voll von tollen Ideen sind. Einen Food-Blog zu schreiben, ist unter anderem deswegen so großartig, weil man zu einer eingeschworenen Gemeinde gehört, in der man sich gegenseitig unterstützt. Im Moment haben wir in Russland und Osteuropa noch nicht so viele Food-Blogger, aber ich hoffe, das wird sich ändern.

Werden Sie auch andere Autoren einladen, an Ihrem Projekt teilzunehmen, oder wird es Ihr ganz persönliches Projekt bleiben? Können Leser ihre eigenen Rezepte eingeben?

Ich sehe "The Moscovore" sehr stark als eine Gemeinde, und ich bin in erster Linie Kuratorin und nicht Diktatorin! Also, ja, ich würde gern eine Reihe regelmäßiger Mitarbeiter hinzuziehen, unter anderem einen Weinkolumnisten , verschiedene Spezialisten für Ethnoküchen, Backgurus und Restaurantkritiker. Das Wichtigste ist, unser Angebot muss durchgehend relevant für Köche und kulinarisch begeisterte Menschen hier in Moskau sein.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland