Mehr als nur ein Durchgangsland

Pskow. Foto: Geophoto

Pskow. Foto: Geophoto

Mit der Region an der Grenze zum Baltikum ging es nach dem Ende der Sowjetunion steil bergab. Jetzt sollen ausländische Investoren Pskow wieder auf die Beine helfen.

„Wir sind von Investoren nicht gerade verwöhnt, und darin sehe ich einen wichtigen Vorteil. Das erlaubt es uns, jeden Investor individuell zu betreuen“, sagte Andrej Turtschak, als er jüngst in Bonn seine Region vorstellte. Seit 2009 ist der heute 36-Jährige Gouverneur des Gebiets Pskow, die Verbesserung des Investitionsklimas stehe bei ihm ganz weit oben. 


Pskow, das an Estland, Lettland und Weißrussland grenzt, hat Investitionen dringend nötig: Seit 1989 hat es ein Fünftel seiner Einwohner eingebüßt. 673 000 Menschen, die zu den ärmeren des Landes gehören, bevölkern ein Gebiet anderthalbmal so groß wie Baden-Württemberg. Das regionale Bruttoinlandsprodukt lag 2009 bei 1,8 Milliarden Euro.


lnvestoren aus der EU


Turtschaks Strategie zeigt erste Erfolge. Im ersten Halbjahr 2011 stiegen mit 45 Millionen Dollar die ausländischen Investitionen um mehr als das Doppelte. Der Großteil ging in die Land- und Forstwirtschaft und in die verarbeitende Industrie. 182 ausländische Firmen, vor allem aus der EU, haben hier inzwischen Fuß gefasst.

Pskow liegt zwischen den Metropolen Moskau und Sankt Petersburg und spielt beim Transit zu etlichen Absatzmärkten eine große Rolle. Mehr als 30 Prozent der Güter, die in den Nordwesten des Landes transportiert werden, gehen durch die Region. Ein dichtes Netz aus Straßen und Bahngleisen verbindet Pskow mit dem nahe gelegenen Ausland und den anderen russischen Regionen. Die geografische Lage war bestimmend für die wirtschaftliche Entwicklung: Die wichtigsten Sektoren sind Handel, verarbeitende Industrie, Transport, Logistik und der Agrarsektor. Letzterem gilt Turtschaks besondere Aufmerksamkeit: Die Produktion von rotem Fleisch, Gemüseanbau und -verarbeitung oder Aquakultur seien lukrative Investitionsobjekte. 

Einer der großen Agrarinvestoren ist die dänische Idavang, die hier seit 2008 Schweinezucht betreibt und gerade mit 38 Millionen Euro eine neue Anlage für 100 000 Tiere gebaut hat.  „Immer wieder fragt man mich nach der Kriminalität hier“, sagt Tatjana Scharygina, Geschäftsführerin von Idavang. „Ich wüsste gerne, wie die Mafiosi aussehen. Ich habe noch keinen getroffen.“ Dagegen verfüge Russland über sehr gute Erde, bei deren 
Anblick dänische Unternehmer weinen müssten. „Natürlich sind viele Felder verwildert, und es ist am Anfang schwer, die Erde zu 
bearbeiten, aber mit etwas Geduld ...“



Deutsche Möbel aus Pskow


Auch die Deutschen sind in Pskow angekommen. 2005 eröffnete der Möbelhersteller Dula ein Werk. Geschäftsführer Heinz-Herbert Dustmann ist begeistert von Pskow: „Wir können selbst verzollen und brauchen nicht über die großen Zollämter in Sankt Petersburg oder Moskau zu gehen. Auch haben wir die Erfahrung gemacht, dass es sehr gut ausgebildete Fachkräfte gibt. Das Engagement unserer Mitarbeiter ist vorbildlich.“

Zukunft für Hightech: Der Industriepark Moglino wird demnächst eine Sonderwirtschaftszone. Foto: Pressebild

Um Investoren den erheblichen bürokratischen Aufwand zu erleichtern, werden sie seit 2009 vom regionalen Komitee für Tourismus und Infrastruktur betreut. Entspricht ein Projekt den regionalen strategischen Zielen und liegt der Investitionswert über drei Millionen Dollar, steht dem Investor auf Wunsch ein hochrangiger Berater zur Seite. Derzeit werden speziell für Hightech-Betriebe die beiden Industrieparks Moglino und Stupnikowo bei Pskow gebaut, mit Hilfe von Jurong Consultants aus Singapur. Moglino wird in Kürze den Status einer Sonderwirtschaftszone erhalten.

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