Fröhliches Eisbaden bei minus 20 Grad

Foto: Vostock-Photo

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„Russkij Extrim“, die Vorliebe der Russen für Vergnügungen mit dem besonderen Kick, zeigt sich besonders im Winter. Unbeschadet aber bleibt nur, wer sich an die Regeln hält.

Der wichtigste Tag im Leben eines echten Walrosses ist der 19. Januar: „Morsch“, also Walross, nennen sich jene Russen, die fest davon überzeugt sind, dass regelmäßiges Baden in Eislöchern den menschlichen Körper stählt. Und jene Nacht im Januar ist eine ganz besondere: Am 19., so glauben die russisch-orthodoxen Christen, wurde Jesus getauft.

Alljährlich warten gegen Mitternacht ein paar Dutzend, in Moskau schon mal einige Tausend Walrosse darauf, dass die Priester Flüsse und Seen weihen, und stürzen sich dann in die Fluten. Entgegen aller Befürchtungen kam es selbst im vorletzten Winter, als die Temperaturen in Moskau unter 20 Grad fielen, zu 
keinen nennenswerten Zwischenfällen. Zur Not stehen Sanitäter des Rettungsdienstes bereit. Äußerst selten erfriert jemand im Eisloch, man muss eben die Regeln kennen: dreimal untertauchen, abrubbeln und dann warm anziehen oder noch besser: in die Banja gehen.

Wobei wir bei der nächsten Lieblingsbeschäftigung der Russen im Winter wären: Die Besonderheit der Banja besteht im Zusammenspiel von Temperaturen zwischen 80 und 100 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit. Zwar wird die Sauna das ganze Jahr über genutzt, aber das Bad im Eisloch zwischen den einzelnen Gängen gibt den Ex-trakick. Bei Gelegenheit unbedingt ausprobieren!

Während Kinder zur kalten Jahreszeit Schlitten fahren und in ihre Schlittschuhe steigen, trifft man Erwachsene im Wald beim Langlauf. Und lässt der neureiche Geschäftsmann mit seinem Maybach im Alltag den Rentner im Lada links liegen - in der Loipe sind sie alle gleich: Nicht selten ist es hier der Rentner auf seinen sowjetischen Holzbrettern, der die Jüngeren auf Fiberglas lässig abhängt. Mit in den Wald nimmt man üblicherweise eine Thermos-kanne und dampfenden Tee, aber auch ein Flachmann mag gegen die Kälte im Einzelfall nützlich sein.

Russische Männer auf der Flucht vor dem Lärm dieser Welt findet man auf zugefrorenen Seen: Mit speziellen Eisbohrern bahnen sie sich den Zugang zum Wasser. Dick eingemummelt, gerne auch im Zelt, warten sie bei heftigem Frost und Schnee stundenlang vor den 20 Zentimeter breiten Löchern, in der Hoffnung, dass doch noch ein Fisch aus der Winterstarre erwacht und anbeißt. 
Vorsicht: „Na, schon was 
gefangen?“ oder ähnliche Versuche, mit Eisanglern ins Gespräch zu kommen, werden bestenfalls mit einem grimmigen Gesichtsausdruck beantwortet. Angler sind nicht gesprächig und vor allem keine Eisangler.

Mode: vorbereitet auf den Frost

WareschkiFäustlinge wurden von den Warägern nach Russland gebracht, daher ihr Name „Wareschki“. Halten warm und werden gerne von Omas für ihre Enkelkinder gestrickt.

WalenkiAus Schafwolle gefilzt, schützen Walenki auch vor Temperaturen unter minus 30 Grad. Allerdings sind sie nicht wasserdicht und haben keine Sohle, weshalb man sie mit Galoschen trägt. Jedes Jahr werden in Russland viereinhalb Millionen dieser Filzstiefel hergestellt.

UschankaDie Mütze mit dem ausklappbaren Ohrenschutz („Uschi“- Ohren) ist das Symbol der Russen schlechthin. Heute gibt es Uschankas in allen Varianten: vom einfachen Kunstpelz bis zur Edelausführung 
aus Zobel.

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