Die letzte Fahrt der "Costa Concordia"

Foto: TASS

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Vier Tage nach der Katastrophe des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia hoffen die Rettungskräfte nicht mehr, Überlebende zu bergen. Am Vortage hat die Küstenwache Italiens neue offizielle Angaben über die Zahl der vermissten Personen veröffentlicht. Es werden mittlerweile nicht mehr 16, sondern 24 Personen vermisst. Offiziell ist von elf Todesopfern die Rede. Die überlebenden Passagiere werfen der Besatzung des Kreuzfahrtschiffes Unprofessionalität vor.

Unter den Touristen des gekenterten Kreuzfahrtschiffes waren auch russische Staatsbürger. Die meisten von ihnen warten in Rom bereits auf ihren Abflug. Sie befinden sich in einem Hotel, in dem sie unmittelbar nach der Katastrophe untergebracht worden waren. Die Juristen der russischen Botschaft sichten zurzeit die Unterlagen, um vom Eigentümer des Schiffes Schadensersatzforderungen für die Betroffenen einfordern zu können.

Berichte der Augenzeugen

Nach den Worten der Touristen aus Russland hat die Besatzung des Kreuzfahrtschiffes in dieser Extremsituation äußert unprofessionell gehandelt. Michail Berjoskin, Passagier des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia: „Wir rutschen ganz langsam einige Zentimeter in Richtung Wasser. Die Stewards versuchten danach das Rettungsboot loszumachen, was erst nach etlichen Versuchen gelang. Das i-Tüpfelchen ihrer Unprofessionalität war am Ende das Unvermögen, das Ufer zu erreichen, obwohl dieses nur 300 Meter weit entfernt war!“

Nahezu keiner der russischen Touristen hat in der Nacht des Kenterns des Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia geschlafen – sie feierten auf dem Kreuzfahrtschiff das russische Neujahrsfest, dass entsprechend dem Julianischen Kalender zwei Wochen später stattfindet. Das war wohl auch der Grund, warum sie sich schneller als die anderen Passagiere retten konnten, glaubt die russische Touristin Jelena.


Die Touristin Jelena aus Russland und ihre drei Begleiter hatten vor, sich im Anschluss an die Kreuzfahrt noch Nizza anzuschauen und dann am Sonntag, den 15. Januar wieder nach Hause zu fliegen. „Bis nach Savona war es nur noch eine Nacht. Das war die letzte Nacht der Kreuzfahrt. Es war ungefähr 21:20 Uhr, wir hatten unser russisches Neujahr bereits begangen, da es in Moskau ja drei Stunden später ist“. Nach Aussage von Jelena fiel der Strom ein paar Mal aus. Den Passagieren wurde mitgeteilt, dass es zwar Probleme mit dem Generator gäbe, die Situation aber unter Kontrolle sei und die Passiere in ihren Kajüten bleiben sollten.


„Es gab keinen Aufruf, zu den Rettungsbooten zu eilen. Meine Mutter bestand aber darauf und so zogen wir uns an und liefen zu dem Rettungsboot, das uns beim Probealarm zugewiesen worden war. Als dann doch die Alarmsirene ertönte, standen wir bereits so, wie es uns beigebracht worden war: in unseren Schwimmwesten, in Reihen zu vier Personen“, erzählt die Russin.


Sie bemerkte, dass die Sirene erst ertönte, nachdem das Schiff bereits starke Schlagseite nach rechts hatte, also in die entgegengesetzte Richtung.
 „Vielleicht haben sie nicht sofort Alarm geschlagen, um Panik zu vermeiden“, versucht sie sich den Vorgang zu erklären. Sie betont, dass alle Passagiere vor Beginn der Kreuzfahrt einen Probealarm durchgeführt haben.


Zurzeit wird an der Unglücksstelle die Rettungsoperation fortgesetzt. Um das Schiff herum wurden Barrieren platziert, um das eventuelle Auslaufen von Treibstoff zu verhindern – es waren 2.500 Tonnen davon an Bord. Die Arbeiten am Kreuzfahrtschiff selbst wurden zeitweise unterbrochen. Aufgrund des stürmischen Seeganges besteht die Gefahr, dass das Schiff noch weiter sinkt.

Das Passagier-Kreuzfahrtschiff Costa Concordia, an dessen Bord sich 4.200  Personen, darunter auch russische Touristen, aufhielten, war in der Nacht zum 14. Januar in der Nähe der italienischen Insel Giglio im Tyrrhenischen Meer an den Ufern der Toscana auf Grund gelaufen.

Die Staatsanwaltschaft der toskanischen Provinz Grosseto hat ein Strafverfahren im Zusammenhang mit der Schiffskatastrophe und dem Tod mehrerer Menschen eingeleitet. Die Strafverfolgungsbehörde Italiens hat den Schiffskapitän Francesco Schettino nach dessen Verhör in Untersuchungshaft genommen – ihm wird fahrlässige Tötung vorgeworfen, sowie das Schiff noch vor der Evakuierung der Passagiere verlassen zu haben.

Quellen: RIA Novosti, NTV