Oligarchen, Bullen und Huren

Luxusautos sind ein Muss für das Oligarchen-Leben. Foto: Kinopoisk

Luxusautos sind ein Muss für das Oligarchen-Leben. Foto: Kinopoisk

Die höchst unterhaltsame Komödie „Bablo“ zeigt eine überdrehte Version des russischen Geschäftslebens.

Ein schwerer Wodka-Atem durchzieht den Film, das Klirren von Gläsern und Flaschen ersetzt die Musik und das Stolpern der Betrunkenen durchdringt die Choreografie: Der russische Film "Bablo" (Knete) startet in Deutschland. Es geht um eine Million Euro in bar und ganz Moskau will sie haben. Gehört hat sie mal einem Oligarchen. Und im Rahmen der üblichen Steuervermeidung wanderte sie kurz über den Schreibtisch eines hohen Polizeioffiziers. Aber natürlich soll sie wieder zurück, nicht ohne einen kleinen Abzug für die Polizei. Jetzt geht sie los, die irre Komödie um die Million, das Staffelrennen mit dem Geldkoffer, das Bäumchen-wechsle-dich der Rollen und Figuren.

Jana (Maria Bersenyova), die hübsche Hure und feste Freundin von mindestens drei Männern, klaut, mit Hilfe zweier Slapstick-Kaukasier, die Moneten aus dem dicken Luxus-Auto. Der obere Polizeioffizier beauftragt einen weiter unten in der Hierarchie mit der Geldwiederbeschaffung, der Oligarch setzt Mafiatruppen in Bewegung, die wiederum sind in Konkurrenz zu anderen Mafiosi und weil die Hure aus einem entsprechenden ordentlichen Puff stammt, gibt das dem Regisseur Konstantin Buslow die Möglichkeit, dem Zuschauer an die zwanzig ansehnliche Frauenhintern zu präsentieren: Denn Jana hatte ein charakteristisches Tattoo von der Gattung, die man in Deutschland "Arschgeweih" nennt und, um die Diebin zu fangen, muss die Miliz jetzt viele Frauen-Rückfronten untersuchen. Sie macht es nicht ungern.

Jana, die auch gerne mal Olga heißt und dann blond ist, wo sie doch vorher rothaarig war, Jana will die Million für sich. Aber alle anderen wollen sie auch dringend haben. Und als der untere Bulle - nach zwei, drei weiteren Millionen-Stationen - mit der Knete nach Charkow abhaut, fängt das Verfolgungsrennen erst richtig an. Auf dem Weg in die ukrainische Stadt wird als running-gag noch eine korrupte Verkehrsstreife eingebaut, es gibt eine ausgiebige Kneipenschlägerei und natürlich eine Stunt-Szene nach der anderen. In den Pausen zwischen Stunts muss dann wieder ein Besäufnis eingeschoben werden. Der Film erinnert an die klassischen Screwball-Comedies, weniger an die wunderschöne russische Geschichte von den "Zwölf Stühlen".

Trotz der leichten Hand, mit der die Regie den Film inszeniert, lässt sie einen Blick auf die alten, sowjetischen Verflechtungen zu, die in die Nachfolgestaaten hineinragen: Der Moskauer Polizei-Chef trifft seinen Kollegen im ukrainischen Charkow und in der Sauna wird, neben der Vernichtung extremer Wodka-Mengen, von der guten alten Zeit erzählt als man noch ein Staat war und die Karriere der beiden begann. Die Leibwächter und die muskulösen unteren Polizisten kennen sich aus Afghanistan, nur die Huren haben, weil zu jung, keine Wurzeln im Sowjetgeflecht.

Der Film hat alles, was eine Krimi-Komödie braucht: Überzeichnete Figuren, eine überdrehte Wirklichkeit und doch ausreichend Bezüge zum heutigen Russland: Schwere Autos in den Händen schwerer Jungs, leichte Mädchen im Bett mit der Polizei, eine kilometerlange Strechtlimo und immer wieder Bilder aus dem üppigen Oligarchen-Leben. Der absolute Höhepunkt des wilden Reichtums: Eine ziemlich große Schildkröte, deren Panzer dicht an dicht mit Brillanten beklebt ist. Dass das viele Geld nie wieder in die Hand des Oligarchen gelangen wird ist klar. Aber wohin es wandert, das wird man sich schon selbst ansehen müssen.

„Bablo“ läuft in folgenden deutschen Kinos:

Berlin, Cinemaxx Potsdamer Platz (19.-24. Januar)

Hannover, Cinemaxx Nikolaistr  (19.-24. Januar)

Stuttgart, EM (19., 20., 22.–24. Januar)

Mannheim, Cinemaxx (19.-24. Januar)

Nürnberg, Cinecitta (19., 21.–25. Januar)

Neckarsulm, Scala (18.-24. Januar)

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