Anklage in Kürze erwartet

Foto: TASS

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Die Untersuchungen zum Terroranschlag in der Ankunftshalle des Moskauer Flughafens Domodedowo vom 24. Januar 2011 sind abgeschlossen. Die Ermittler wollen gegen vier in den ersten Wochen nach dem Anschlag festgenommene Inguschen Anklage erheben. Mehrere weitere Verdächtige sind auf der Flucht.

Das Ermittlungskomitee der Russischen Föderation hat das Ende der Ermittlungen im Terroranschlag Domodedowo angekündigt. Dies wurde fast genau ein Jahr nach dem Anschlag bekanntgeben. Am 24. Januar 2011 hatte sich der 21-jährige Selbstmordattentäter Magomed Jewlojew mit einer selbstgebauten Bombe in die Luft gejagt. 37 Menschen wurden getötet, weitere 173 verletzt. Die Identität des Attentäters konnte dank dem Abgleich von Blutproben, die ihm und seinen Eltern entnommen wurden, zweifelsfrei festgestellt werden.

Die Ermittler berichteten, dass das Todeskommando, zu dem Jewlojew

gehörte, der Organisation Imarat Kawkas zugeordnet wird. Diese wird vom berüchtigten Untergrundkämpfer Doku Umarow geleitet. Dieser war denn auch der Strippenzieher des Terroranschlags, so die Ermittler weiter. Umarow habe den Bandenführern Aslan Bjutukajew und Suljan Abdullajew den Auftrag erteilt, den Selbstmordattentäter auszusuchen und ausbilden. Die Wahl fiel auf Jewlojew, einem jungen Mann aus dem Dorf Ali-Jurt im Bezirk Nasran (Inguschetien), der seine Ausbildung zum Buchhalter abgebrochen hatte. Verwandte Jewlojews erzählen, er sei bereits im Mai 2010 verschwunden.

Alles weist darauf hin, dass die Todgeweihten in einem Trainingslager im Bezirk Sunschen (Inguschetien) ausgebildet worden waren. „Im Lager wurden die Kämpfer in den Bau von Bomben und grundlegende Kriegsführungstechniken eingeführt. Sie setzten Sprengsätze zusammen und filmten Doku Umarows Videoansprachen, die danach ins Internet gestellt wurden“, berichtet der offizielle Vertreter des Ermittlungskomitees Wladimir Markin.

Dieser teilte auch mit, die Kämpfer hätten über große Geldsummen verfügt. Unter anderem habe die Lagerführung den Flughafenterroristen vor der Abreise 500`000 Rubel (rund 12`000 Euro) mitgegeben. Mit diesem Geld wurden ein PKW und Handys gekauft sowie eine Wohnung gemietet.

Am 28. März 2011 wurde das Lager durch ein Sonderkommando zerstört, beim Einsatz wurden 17 Personen getötet. Bei der anschließenden Durchsuchung wurden Maschinenpistolen und -gewehre, Granatwerfer, rund 1500 Patronen, Funkstationen, Handys und Notizblöcke sichergestellt.

„Im Laufe der Fahndungsarbeiten konnten 28 Personen aus der kriminellen Vereinigung Imarat Kawkas zweifelsfrei mit der Organisation und Durchführung des Terrorschlags in Verbindung gebracht werden“, so das Ermittlungskomitee.

Von den 28 Verdächtigen konnten nur vier festgenommen werden. Weitere 17 wurden im Laufe der Stürmung des Lagers getötet, die übrigen fünf sind auf der Flucht.

Die Festgenommenen, alle gebürtige Inguschen, sind der Bruder des Attentäters Achmed Jewlojew (27), Baschir Chamchojew (18) sowie die Brüder Iles (21) und Islam (22) Jandijew. Die Ermittler wurden nach der Festnahme von drei Brüdern und der Schwester des Attentäters auf die Spur der Familie Jewlojew gebracht. Bis auf Achmet wurden alle Geschwister wieder freigelassen. Chamchojew wurde ein paar Tage später festgenommen, da er nach einem Autounfall mehrere Tage bewusstlos in einem Krankenhaus gelegen hatte. Die Fahnder kamen dank der Untersuchung des verunfallten PKWs auf den Verdacht, Chamchojew sei am Anschlag beteiligt gewesen. Zudem wurde bestätigt, dass er eine Vertrauensperson Umarows und des Anführers der Sunschen-Gemeinschaft gewesen sei. Chamchojew wurde direkt aus dem Krankenhaus nach Moskau verfrachtet.

Am 28. März 2011 wurden schließlich die Gebrüder Jandijew festgenommen. Es wird angenommen, dass sie den Attentäter in Moskau empfangen und vor der Tat betreut haben.

„In Kürze soll gegen die mutmaßlichen Täter Anklage erhoben werden. Anschließend können die 210 Geschädigten und danach die Angeklagten und deren Verteidiger die Materialien der Strafsache einsehen“, kommuniziert das Ermittlungskomitee.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei gazeta.ru

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