„Saubere Technologien“ für Tatarstan

Jochen Wermuth. Foto: PhotoXPress

Jochen Wermuth. Foto: PhotoXPress

Der deutsche Finanzier Jochen Wermuth fördert „Saubere Technologien“ in der Region Tatarstan – und leistet damit Pionierarbeit. Mit seinem Investmentfond WAM schuf er für diesen Zweck ein ausgereiftes Finanzierungsmodell.

Jochen Wermuth, Gründer von Wermuth Asset Management (WAM), schuf seine Geschäftsidee auf der Grundlage einiger einfacher Feststellungen: Im Bereich des Energieverbrauchs ist Russland elfmal weniger effizient als Deutschland und sechsmal weniger als Kanada – ein Land, mit dem die Region Tatarstan im Hinblick auf das Klima und den Export von fossilen Brennstoffen vergleichbar ist. Und genau dort, 800 km östlich von Moskau, wollte Wermuth seine Idee umsetzen.

„Nehmen wir beispielsweise eine holländische Gesellschaft, die eine Technologie besitzt, mit der es möglich ist, Energie zu sparen“, erklärt Jochen Wermuth. „Auf ihrem Heimatmarkt fällt es ihr schwer, das Produkt zu verkaufen, da die Energieeffizienz bereits sehr hoch ist. Wir bieten dem Unternehmen einen nahezu jungfräulichen Markt, der enorme Wachstumsperspektiven bietet.“ Er erinnert außerdem daran, dass es sich bei Tatarstan um eine der am stärksten verschmutzten Regionen des Landes handelt, deren Vorräte an fossilen Brennstoffen schon bald erschöpft sein werden – daher die Notwendigkeit, die regionale Energieeffizienz zu verbessern.

Pionierarbeit in Russland


WAM ist der erste internationale Fonds in Russland, der sich „sauberen“ Technologien widmet. Bislang wurden in der Republik Tatarstan durch einen Staatsfonds 100 Millionen Euro aufgebracht, und 10 Millionen kommen von WAM. Jochen Wermuth gibt sich Zeit bis zum nächsten Sommer, um 90 zusätzliche Millionen bei professionellen Investoren und großen Industriekonzernen aufzutreiben. WAM steht auch in Verhandlungen mit einer sehr großen europäischen Bank, um bis zu 100 Millionen Euro auf einmal aufzubringen.

Um das Interesse der Investoren zu wecken, lockt der Fonds mit 30% Wertzuwachs jährlich. Dabei handelt es sich jedoch um einen für zehn Jahre geschlossenen Fonds, was bedeutet, dass der Investor seine anfängliche Einzahlung (ebenso wie den Wertzuwachs) erst nach Abfluss der Investitionen durch einen Börsengang oder einen Verkauf des Aktivvermögens an andere Investoren wiederbekommt. Dies geschehe „etwa in vier bis maximal sechs Jahren pro Investition des Fonds, doch wir erwarten schon eine frühere Auszahlung“, erklärt Jochen Wermuth. Die Gewinne der Unternehmen, in die der Fonds investiert hat, werden folglich jedes Jahr den Unternehmen wieder zugeführt und nicht als Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet.

Das Ziel besteht darin, diese Unternehmen soweit wie möglich aufzuwerten, bevor sie verkauft werden. Um die westlichen Investoren zu beruhigen, garantiert WAM ihnen eine bevorzugte Behandlung über den Umweg eines Mechanismus, mit dessen Hilfe sie ihren Einsatz doppelt so schnell zurückerhalten wie die Republik Tatarstan. Außerdem wird ihnen versichert, dass sie ihre gesamte Anfangseinlage wiederbekommen, selbst wenn der Wert des Aktivvermögens um 75 % sinken sollte.

Verbesserung des Handelsklimas


Das Geld wird bevorzugt in kleine und mittlere Unternehmen mit Spitzentechnologien im Bereich der Energieeffizienz investiert. Diese Firmen werden ermutigt, spezielle Produkte für den tatarischen Markt zu entwickeln und vor Ort eine industrielle Produktion aufzubauen. WAM weist darauf hin, dass Tatarstan in erster Linie dauerhafte Investitionen haben möchte und dass damit das Handelsklima verbessert werden soll. Es besteht folglich kein Zwang, denn der Fonds hat sich seine vollkommene Unabhängigkeit bei der Auswahl der Investments gesichert, erklärt Daniel Colbert, wichtigster Partner des Tatarstan-Fonds für die Sauberen Technologien. Er betont auch, dass die Republik Tatarstan bei Forbes und Ernst & Young als diejenige russische Region mit der besten Wertung hinsichtlich des Investitionsklimas notiert ist.

WAM hütet sich momentan, die genauen Ziele des Fonds zu benennen, denn noch ist kein Vertrag unterzeichnet worden. Jochen Wermuth zeigt sich an mehreren Kompetenzclustern interessiert wie am Technologie- und Forschungszentrum Sofia Antipolis, das für seine Superrechner mit niedrigem Verbrauch bekannt ist, sowie am Technologiepark, der rund um Airbus in Toulouse entstanden ist und im Bereich von Dämmmaterial zur Spitzenklasse gehört. Die Verträge werden in sechs Monaten in der tatarischen Hauptstadt Kasan unterzeichnet werden, verspricht der Direktor von WAM.

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