Russisches Reinheitsgebot

Otschakowo ist eine beliebte Marke in Russland. Foto: myxabyxe

Otschakowo ist eine beliebte Marke in Russland. Foto: myxabyxe

Russisches Bier wird künftig auch im Ausland verkauft. Das Moskauer Kombinat "Otschakowo", die letzte große Bierbrauerei mit russischem Kapital, schloss erstmals einen Vertrag über den Vertrieb ihrer Produkte im Ausland ab. Grund hierfür sind auch die neuen Alkoholgesetze in Russland.

Die deutsche Bierbrauerei Kaiser wird 2012 für "Otschakowo" eine halbe Million Dekaliter Bier brauen. Durch verstärkte staatliche Regulierungsmaßnahmen auf dem russischen Biermarkt sieht sich das Unternehmen "Otschakowo" gezwungen, seine Produkte auch im Ausland zu vertreiben.

Das russische Unternehmen teilte der Zeitung "Kommersant" mit, "Otschakowo" habe am 17. Januar den Vertrag unterzeichnet, was auch von Ulrich Wilhelm Kumpf, Mitinhaber der Firma Kaiser, bestätigt wurde. "Das Bier der Marke 'Otschakowo' wird für Westeuropa, Deutschland und die angrenzenden Staaten produziert", so Kumpf.

Zurzeit exportiert "Otschakowo" jährlich ca. 50.000 Dekaliter nach Deutschland. Der Vertrag sieht nun vor, dass die Präsenz auf dem deutschen Markt deutlich erweitert werden soll: Gemäß der Vereinbarung mit der Brauerei Kaiser sollen in diesem Jahr ca. eine halbe Million Dekaliter Bier produziert werden.

Nach Angaben des Präsidenten von "Otschakowo", Alexej Kotschetow, sieht sich das Kombinat durch die staatlichen Regulierungsmaßnahmen in Russland dazu gezwungen, sich verstärkt auf den ausländischen Märkten zu positionieren. 2010 ordnete das Finanzministerium eine starke Erhöhung der Steuern auf Bier an - von 3 auf 9 Rubel pro Liter absoluten Alkohols. Dies hatte zur Folge, dass die Produktion 2010 um 6% auf 975 Millionen Dekaliter zurückging. 2011 gelang es der Branche, 1,5% "zurückzugewinnen.

Allerdings steht die wichtigste Bewährungsprobe noch bevor: Ab 2013 ist es untersagt, Bierprodukte zur Nachtzeit zu verkaufen, und sie müssen auch aus dem Angebot der nichtstationären Handelsplätze - den Buden, Kiosken und Verkaufsständen - verschwinden. Zudem ist Bierwerbung ab dem 22. Juli 2012 im Fernsehen, Radio und auf Werbeflächen im öffentlichen Raum verboten.

Jewgenij Kaschper, Mitinhaber des Unternehmens "Oasis", in dessen Besitz sich jene Moskauer Bierbrauerei befindet, die vor allem die Biersorte "Schiguli" produziert, geht davon aus, dass "Otschakowo" die Nachfrage nach russischem Bier in Europa überschätzt. Seiner Ansicht nach sollte das Unternehmen bei der Produktion für den europäischen Markt von realistischen 100.000 Dekaliter pro Jahr ausgehen. "In Deutschland kann man deutsches Bier von guter Qualität zu einem günstigeren Preis als dem von "Otschakowo" anvisierten finden", führte Herr Kaschper weiter aus.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Tageszeitung Kommersant.

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