Deutsche Technologien fassen Fuss bei alternativen Energien

Deutsche Biogasanlagen in Doschino, Gebiet Kaluga. Foto: bioges.ru

Deutsche Biogasanlagen in Doschino, Gebiet Kaluga. Foto: bioges.ru

Alternative Energien halten in Russland hat allmählich Einzug. Deutsche Technologien helfen bei der Gewinnung von Biogas.

In Russland, das wie kein anderes hochindustrialisiertes Land auf reichen Öl- und Gasvorräten sitzt, wurden alternative Energien bislang vernachlässigt. So wundert es nicht, dass "grüne Energien" weder - wie beispielsweise in Deutschland - steuerlich gefördert, noch größere Versuchsanlagen gebaut werden. Einzig die großen Wasserkraftwerke, die meist in sowjetischer Zeit entstanden, tragen zur CO2-freien Energieversorgung bei. Windenergieanlagen, Gezeitenkraftwerke oder gar Biogasanlagen findet man nur sporadisch. Jüngste Preissteigerungen bei Erdöl und Erdgas auf dem Weltmarkt, die auch zur Verteuerung der Energierohstoffe im Inland führten, wachsende Infrastrukturprobleme sowie ein gesteigertes Umweltbewusstsein lenken jedoch zunehmend den Blick auf eine nachhaltige Energieerzeugung.

Biogas wäre auch für Russland eine Alternative, bei der Energie aus Dung und Bioabfällen gewonnen wird. Die russische Agrarwirtschaft produziert jährlich fast 625 Millionen Tonnen organische Rückstände. Daraus könnte man theoretisch 72 Milliarden Kubikmeter Biogas gewinnen. Das ist knapp die Hälfte des von Gasprom im Jahre 2011 exportierten Erdgases! Aus diesem Volumen könnte man ungefähr 151.000 Gigawatt Elektroenergie und ungefähr 169.000 Gigawatt Wärme produzieren.

Doch das Potenzial wird bei weitem nicht genutzt. Erst achtzig Biogasanlagen sind in Betrieb, größte Teil davon Kleinanlagen, die kaum industriell bedeutsame Mengen Elektroenergie und Wärme generieren. An eine Serienproduktion von Biogasanlagen, vor allem auch größeren, hat in Russland noch keiner gedacht.

Eine Ausnahme bildet lediglich eine Anlage in Doschino im Gebiet Kaluga (ungefähr 250 km von Moskau), die 2009 realisiert wurde. Es war das erste deutsch-russische Projekt, bei dem deutsches Know-how unter russischen Bedingungen getestet wurde. "Bei Frost unter 40 Grad froren die Sensoren ein und die Automatik fiel aus“, erinnert sich Sergej Tschernin, Präsident des Staatsbetriebes Gasenergostroj.

Inzwischen sind die Anlaufprobleme gelöst, und die deutschen Technologien sollen in Russland in wesentlich größerem Maßstab eingeführt werden. Die ersten beiden Objekte sollen in der Region Krasnodar hochgezogen werden. Hier werden überdurchschnittlich viele Agrarerzeugnisse hergestellt, wobei eine große Menge organischer Rückstände und Abprodukte anfallen, die für den Betrieb von Biogasanlagen genutzt werden können.

Die Kapazität der ersten beiden Biogasanlagen wird nicht sehr groß sein — ungefähr ein Megawatt pro Anlage. Damit können sie zwar nicht mit den großen konventionellen Kraftwerken konkurrieren, doch reichen sie aus, um etwa bei der Erweiterung eines Betriebs den zusätzlichen Strom- und Wärmebedarf zu decken. Das hinge mit Infraststrukturproblemen zusammen, erläutert Andreas Taeuber, Generaldirektor von BioGazEnergoStroy Deutschalnd. „Aus deutscher Hand werden die Automatisierungssysteme, die Mischer, Generatoren und Pumpen geliefert. Sonstige Komponenten, Baumaterialien und die Kraft-Wärme-Kopplung stammen aus Russland“, so beschreibt er die Arbeitsteilung.

Biogasanlagen liefern neben Elektroenergie und Wärme auch noch organischen Dünger, der mindestens so gut ist wie Mineraldünger. Deswegen betrage die Kapitalrückflussdauer für die Biogasanlagen, deren Bau in der Region Krasnodar geplant ist, maximal fünf Jahre. „Mit etwas Glück sind es nur dreieinhalb Jahre“, fügt Taeuber hinzu.

Laut dem Experten ist die Verwaltung der Region Krasnodar bereit, für ähnliche Projekte weitere sechs bis sieben Standorte zur Verfügung zu stellen. Die Kapazität einiger Anlagen soll sogar sieben Megawatt erreichen. „Toll wäre es, so eine Anlage auch bei Sotschi zu errichten und das Olympische Feuer bei den Winterspielen 2014 mit Biogas zu betreiben! Mal sehen, ob sich die Regierung mit unserer Idee anfreunden kann“, gibt sich Sergej Tschernin optimistisch.