Fake-Film über Fake-Protest

Heftige Diskussion hat ein TV-Dokumentarfilm bei NTW ausgelöst: Hat die Opposition tatsächlich massenhaft Teilnehmer der Protestaktionen bezahlt? Oder war das eine NTW-Inszenierung zur Verleumdung der Opposition?

NTW-Dokumentarfilm "Anatomie des Protestes". Sprache: Russich

In dem NTW-Dokumentarfilm "Anatomie des Protestes" wurde am Donnerstagabend behauptet, die Anti-Putin-Opposition habe für ihre Protestaktionen massenhaft junge Leute gegen Bezahlung angeheuert. Beteiligt sei daran auch die moskauer US-Botschaft gewesen, hiess es in dem Film.

Bisher hatte die Opposition immer wieder behauptet und stellenweise auch belegt, dass die Kreml-Partei "Einiges Russland" oder deren Jugendorganisation "Naschi" ihre Massenaufmärsche bezahlt hatte. Jetzt drehte NTW den Spiess um - handelte sich aber sogleich den Vorwurf der Opposition ein, die Aufnahmen selbst frech gefälscht zu haben.

In dem Film wurde u.a. gezeigt, wie am Tag einer Protestaktion an der Metrostation Sokolniki in einer Menschenmenge weisse Bändchen (das Erkennungszeichen der Opposition), Essenpakete, ein Vorschuss von 1000 Rubeln (25 Euro) und Gutscheine für einen späteren Honorarempfang ausgegeben werden.

Gezeigt wurde auch, wie Ausländer eine Kundgebung am Puschkin-Platz beobachten. Es handele sich um Mitarbeiter der US-Botschaft, erklärt der NTW-Reporter.

Der Auflauf an der Metrostation Sokolniki am 26.Februar sei allerdings von einer Firma organisiert worden, die sonst für Film und Fernsehen Statisten für Massenszenen anheuert, heisst es in Oppositionsblogs.

Derweil stellte das Expert-Magazin jegliche Zusammenarbeit mit NTW ein, weil der Sender in dem Propaganda-Streifen einen Kommentar des Chef-Redakteurs Wadim Fadejew aus dem Kontext gerissen einbaute. "Dieser Kommentar basiert auf einem Schwindel: NTW-Mitarbeiter behaupteten, dass sie ihn in einer Nachrichtensendung bringen wollten. Der Kommentar bezog sich nicht auf die Ereignisse in dem besagten Film", heißt es im offiziellen Schreiben der Expert-Redaktion.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Russland Aktuell.

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