Bio-Produkte von echten Bauernhöfen

Boris Akimow, einer der Gründer der Öko-Kooperative LavkaLavka. Foto: lavkalavka.ru

Boris Akimow, einer der Gründer der Öko-Kooperative LavkaLavka. Foto: lavkalavka.ru

Der Markt für Bio-Lebensmittel aus ökologischem Landbau ist in Russland nicht so groß wie in Europa und Amerika. Dennoch konnten sich mittlerweile einige erfolgreiche Ökoprojekte etablieren. Gemüse und Fleisch aus bäuerlichen Betrieben ist zwar um das Doppelte, wenn nicht Dreifache teurer als vergleichbare konventionell hergestellte Produkte, werden aber trotzdem nachgefragt.

Es sind vor allem Vertreter der Mittelschicht, die Produkte der „neuen Bauern“ kaufen. Diese Leute haben das nötige Kleingeld, um für Lebensmittel das Doppelte, manchmal sogar das Dreifache dessen auszugeben, was sie in den normalen Geschäften zahlen würden. „Sie leben gesundheitsbewusst und machen sich Gedanken über schmackhafte und ökologisch erzeugte Ernährung“, erklärt Boris Akimow, einer der Gründer der Öko-Kooperative LavkaLavka. Der 2009 von einer Gruppe Idealisten gegründete Betrieb beliefert Haushalte mit Produkten von über 100 Bauernhöfen, betreibt einen eigenen Laden und ein Cafe. „Der monatliche Umsatz des Projektes liegt bei 10 Millionen Rubel. 95% der Einnahmen erzielen wir durch den Einzelhandelsverkauf. Die restlichen 5% entfallen auf die Belieferung von Restaurants und Ökoläden“, erläutert Akimow. Im vergangenen Jahr eröffnete LavkaLavka eine Niederlassung in St.-Petersburg. Geplant sind weitere Filialen in Kaliningrad, Ufa, Jekaterinburg und Tscheljabinsk, wo die Kooperative mit Lieferanten aus der Region zusammenarbeiten wird.


„Unsere Lieferanten - die sogenannten neuen Bauern - sind Privatunternehmer, bäuerliche Betriebe, die man irgendwann einmal als Kulaken bezeichnet hat. Viele von ihnen sind Städter, die sich für ein Leben auf dem Land entschieden haben. Für einige ist die Landwirtschaft kein Geschäft, sondern eine Arbeit für ihre Seele. Der Mehrzahl von ihnen gelingt es dabei, Gewinne zu erwirtschaften, manche schreiben auch noch rote Zahlen“, so Akimow.

Ökologische Produkte, die in kleinem Stil und mit hochwertigen Ausgangsstoffen erzeugt werden, sind naturgemäß in der Herstellung teurer als Massenware. Zum Preis des Erzeugers kommt dann noch der Zuschlag des Verkäufers. Diese Summe deckt die Ausgaben für den Transport und die Lagerung der Produkte, für die Pacht und die Löhne der Mitarbeiter, operative Kosten und Kosten der Projektentwicklung. Im Ergebnis entfallen auf den Bauern 50-70% des Endpreises eines Produktes, der Verkäufer bekommt 30-50%, erklärt Akimow. Kalmykisches Lamm kauft LavkaLavka zum Beispiel von Juri und Dordscha Buchukowy zu einem Kilopreis von 350 Rubel und bietet es selbst für 600 Rubel (16 Euro) an.

Blütezeit des Kohlgemüses

Produkte vom Bauernhof müssen aber nicht immer teurer sein. Die Moskauer Lebensmittelkette ABK beispielsweise kauft schon seit mehreren Jahren saisonales Gemüse von Bauern aus dem Gebiet Wladimir. „Das hiesige Gemüse ist günstiger als Importware“, erklärt Wladislaw Jegorow, Gesellschafter und Vorstandsvorsitzender von ABK. „Für importierten Blumenkohl etwa müssen wir mit 45 Rubel das Kilo rechnen. Die Bauern bieten ihn uns in der Saison für 15 Rubel an“, erläutert er. Die Höfe aus der Region sind aus einem zweiten Grund oft die interessanteren Kooperationspartner: Sie liefern frische Produkte. „Bei manchen Gemüsearten ist es sehr wichtig, wie viel Zeit zwischen der Ernte und dem Verkauf verstrichen ist, zum Beispiel bei Gurken. Bei uns liegen morgens Gurken im Regal, die am Vorabend geerntet wurden. Der Käufer weiß das zu schätzen“, sagt Jegorow. Obwohl das Spektrum der von privaten Höfen aufgekauften Produkte begrenzt ist – drei Sorten Kohl, Gurken, Kartoffeln und Zucchini - bilden diese Erzeugnisse einen bedeutenden Anteil am Umsatz des Einzelhändlers.

Die Zusammenarbeit mit den Bauern aus Wladimir gestaltet sich für ABK so erfolgreich, dass die Kette im vergangenen Jahr dort ein Grundstück erwarb und Kapazitäten für die Lagerung und Erstverarbeitung des aufgekauften Gemüses schaffen möchte. „Das Grundstück ist groß. Wir könnten dort Gemüse nicht nur lagern, sondern auch selbst welches anbauen. Aber der Landbau entspricht nicht unserem Profil. Wir wollen daher die Zusammenarbeit mit den Bauern vor Ort ausweiten. Außerdem stimmen diese seit einigen Jahren bereits ihren Anbau auf unsere Nachfrage ab - wir bestellen noch vor der Aussaat“, erläutert Jegorow.

ABK ist mit 38 Geschäften verhältnismäßig klein. Für die russlandweit ausgerichteten Handelsketten ist es komplizierter, mit kleinen Bauernwirtschaften zu kooperieren. Ketten, die aus mehreren Hundert oder sogar Tausend Geschäften bestehen, sind auf große Liefermengen, exakte Fristen und Qualitätsparameter der Lieferungen angewiesen. Diese Bedingungen können landwirtschaftliche Großbetriebe leichter erfüllen. „Die kleinen Höfe sind damit meist überfordert“, erklärt Ilja Belonowski, Exekutivdirektor des Verbandes der Einzelhandelsunternehmen. Der Bauer aber profitiert: Der Einzelhandel zahlt für die Öko-Produkte doppelt so viel.

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Tageszeitung Wedomosti.

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