Die Wirtschaft umprogrammieren

Virenschutz-Entwickler Jewgenij Kaspersky. Foto: Ruslan Krivobok / RIA Novosti

Virenschutz-Entwickler Jewgenij Kaspersky. Foto: Ruslan Krivobok / RIA Novosti

Silicon Valley, Bangalore – die beiden Orte stehen im globalen Bewusstsein für innovative Computertechnik. Russland? Eher nicht. Kamen Computer nicht erst gegen Ende der Perestroika ins Land? Vorher gab es doch nicht mal Fotokopierer...

Wie so oft ist auch hier das Klischee über Russland nicht ganz falsch,

aber es hilft nicht weiter. Wo kommen denn plötzlich die vielen guten russischen Hacker her? Und die Software-Entwickler, die Virenjäger? Es stimmt: westliche EDV durfte die UdSSR nicht kaufen. Darum entwickelte man eigene Lösungen, für das Militär und für strategisch wichtige Industriezweige. Billige Rechner für jedermann zu bauen war nicht das Ziel. Wer aber nicht dauernd an den kommerziellen Erfolg denken muss, hat auch gewisse Freiheiten.

Von westlicher Technologie abgeschnitten, mussten die sowjetischen EDV-Pioniere eigene Wege finden. Sie schafften es, dank ihrer hervorragenden Ausbildung. Bei Mathematik und Naturwissenschaften war der Arbeiter- und Bauernstaat tatsächlich führend. Solides Handwerkszeug, Kreativität und der Mut, neue Wege zu gehen, das sind heute die Stärken der russischen Informatiker.

Mittelständische Technologieunternehmen hat die russische Wirtschaft dringend nötig. Langfristig darf sie nicht allein auf den Export von Rohstoffen, Energie und Waffen bauen. Die IT-Branche kann helfen, den leidigen russischen Innovationsstau aufzulösen: Gab es in der Sowjetunion zu wenig Kommerz, um ein innovationsfreundliches Klima zu schaffen, gibt es heute zu viel davon. Damals war der Plan wichtiger als der Verbraucher. Heute ist es die Gier nach dem schnellen Gewinn, die den technischen Fortschritt nicht in Gang kommen lässt.

Warum an die Zukunft denken, wenn man jetzt gleich Kohle machen kann? Lohnen sich teure Labors und neue Fertigungshallen, wenn nicht sicher ist, ob das alles einem morgen noch gehört? Für Unternehmer, die innovative Ideen haben, ihr eigner Herr sein wollen, aber dabei nicht zu viel riskieren möchten, ist Software genau das Richtige. Ohne allzu große Investitionen lässt sich damit gutes Geld verdienen.

In Russland wächst die Branche derzeit zweistellig. Kein Wunder, dass IT

-Größen wie der Virenschutz-Entwickler Jewgenij Kaspersky im Ausland sehr selbstbewusst auftreten. Es sind unabhängige, originelle Köpfe wie er, die den russischen IT-Boom vorantreiben. Auf Prestigeprojekte wie die Technologiestadt Skolkowo hingegen würde ich in dieser Hinsicht lieber nicht wetten.