Alte Feindschaft wiederbelebt

Mikrofonpannen haben schon viele Karrieren beendet.. Foto: Kremlin.ru

Mikrofonpannen haben schon viele Karrieren beendet.. Foto: Kremlin.ru

Die Karten liegen offen: „Feind Nummer 1" nennt der Republikaner Mitt Romney Russland. Die alten Feindbilder sind zäh und rüstig – auf beiden Seiten. Der Kalte Krieg im Kopf ist noch lange nicht beendet.

Eine kleine vertrauliche Geste ist der Auslöser eines Riesenskandals in den USA: Präsident Barrack Obama verspricht seinem russischen Pendant Dmitri Medwedew im Streit um den US-Raketenschirm mehr Flexibilität nach seiner Wiederwahl. Was eigentlich nur für Medwedews Ohren bestimmt war, erfährt dank einer Mikrofonpanne ganz Amerika.

 

Und die Rechte nutzt die Steilvorlage zum Draufschlagen: Obama als Landesverräter ist das Bild, das die Republikaner nun in ihrem Wahlkampf zeichnen wollen. Dabei enthüllen sie allerdings auch eigene Ansichten, die eigentlich längst in den Archiven verstauben sollten.

„Russland ist für uns kein Freund. Der Fakt, dass der Präsident damit rechnet Manövrierfähigkeit (nach den Wahlen) zu finden, wenn er sich nicht mehr vor dem amerikanischen Volk verantworten muss, was die Beziehungen zu Russland betrifft, alarmiert mich sehr", erklärte Romney in einem CNN-Interview.

Moskau stört Washingtons Kriegspläne

Der Republikaner ist der wahrscheinlichste Herausforderer Obamas bei den nächsten Präsidentenwahlen. Den von Obama angestoßenen Relaunch der Beziehungen will Romney rückgängig machen. Russland nennt er im gleichen Interview einen „destabilisierenden Faktor in der Weltpolitik" und sogar den „geopolitischen Feind Nummer eins".

Grund: Moskau blockiert im UN-Sicherheitsrat den Drang Amerikas, Freiheit, Frieden und Wohlstand a la Irak und Afghanistan in alle Ecken der Welt zu exportieren. Es juckt Romney offensichtlich stark in den Fingern, Damaskus in ein zweites Bagdad zu verwandeln.

Mit solcher kriegerischen Rhetorik gegen Russland, bislang in dieser Offenheit recht einsam von Senator John McCain vertreten, wird das alte Feindbild wieder aufgebaut. Der Kalte Krieg, offiziell seit dem Untergang der Sowjetunion beendet, wird damit wiederbelebt. In seinem Wahlprogramm verspricht Romney, Russland Demokratie und Meinungsfreiheit zu lehren. Ob die Russen das wollen oder nicht, interessiert Romney dabei wohl weniger.

Natürlich sind Wahlkampfparolen für das eigene Volk gedacht. Der Opposition in Russland tut Romney damit keinen Gefallen. Schon jetzt wird diese vom Kreml als „fünfte Kolonne" in Diensten der USA bezeichnet. Denn auch bei der Moskauer Führung ist das Misstrauen gegen den Gegner aus Kalten-Kriegs-Tagen nicht verraucht. Alte Feindschaft rostet nicht.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Russland Aktuell

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