Mehr soziales Engagement russischer Unternehmen

Das Internet-Portal "Hilfe ist nebenan" unterstützt Jugendliche in schweren Minuten.

Das Internet-Portal "Hilfe ist nebenan" unterstützt Jugendliche in schweren Minuten.

Unternehmen der russischen Wirtschaft bekennen sich immer häufiger zur sozialen Verantwortung. Doch steckt wirklich mehr dahinter als ein bisschen Charity? Jedenfalls gibt es positive Beispiele für eine innovative unternehmerische Praxis, die dem Anspruch der Gesellschaftsverantwortung mit konkreten sozialen Projekten gerecht zu werden versucht.

Viele Unternehmer haben erkannt, dass die Marktchancen ihres Betriebes in nicht unerheblichem Maße von ihren sozialen Investitionen abhängen – Image ist alles. Dabei sind die großen Unternehmen eindeutig führend bei der Umsetzung unterschiedlicher sozialer Programme. Das ist nicht erstaunlich, bedenkt man ihr gesellschaftliches Ansehen, ihre starke Marktposition, ihr Kapital und die damit zusammenhängenden Handlungsspielräume. Kleinere Betriebe wiederum haben spezifische Stärken. Sie sind in der Regel flexibler als die „Giganten“ des Marktes, und angesichts begrenzter Mittel erweisen sich ihre Investitionen in soziale Projekte oft als durchdachter.

Sozial im Netz

 

In den vergangenen zwei bis drei Jahren wurden soziale Projekte zunehmend im Internet realisiert. So entstand Ende vergangenen Jahres ein soziales Netzwerk, das speziell auf den Zweck des Fernunterrichtes für russische Schüler zugeschnitten ist. Es verdankt seine Entstehung dem Engagement von Web-Unternehmen wie Dnewnik.ru und SOMDI. Die Web-Ressource kann kostenfrei genutzt werden und erfordert keine zusätzliche Software. Bis heute haben sich dem Projekt über 13.000 Schulen aus Moskau, St.-Petersburg und anderen russischen Städten sowie über 1 Million Schüler angeschlossen.

 

 

Seit einigen Jahren sprießen soziale Netzwerke wie Pilze aus dem Boden. Eine Reihe von IT-Unternehmen stellen solchen Projekten ihre Produkte kostenlos zur Verfügung. LiveTex zum Beispiel hat ein Wohltätigkeitsprogramm ins Leben gerufen, das es NGO's und staatlichen Einrichtungen mit Internetpräsenz ermöglicht, kostenlos die Dienste des Onlineberaters Chat & Calls in Anspruch zu nehmen. Organisationen, die von diesem Angebot bereits Gebrauch machen, sprechen von Einsparungen im fünfstelligen Bereich durch das geringere Aufkommen an Telefonaten und mehr Produktivität bei der Arbeit. Die Stiftung Schisn, die Kindern mit onkologischen und onkohämatologischen Erkrankungen hilft, hat dank Chat & Calls neue Förderer gefunden. Zudem erhält eine Mutter, die von einer Krebserkrankung ihres Kindes erfahren hat, innerhalb von Minuten Antworten auf ihre Fragen und die erforderliche Unterstützung, berichten die Mitarbeiter der Stiftung.

 

Die Big Player der IT-Wirtschaft sehen ihre soziale Verantwortung in der Ausbildung hoch qualifizierter Fachkräfte und investieren erhebliche Mittel in den Aufbau von Schulungszentren. Kaspersky Lab ist an leistungsstarken Personalreserven wie auch an der Entwicklung des Geschäftsfeldes Forschung und Innovationsmanagement sehr interessiert. Das russische Softwareunternehmen bietet Studenten und jungen Fachleuten daher perspektivreiche Möglichkeiten für Karriere und Forschung – einschließlich Stipendien.

 

 

In der internationalen Praxis nimmt Wohltätigkeit im herkömmlichen Sinne mit 3% lediglich einen kleinen Anteil sozial verantwortlichen Handelns der Unternehmen ein. Weltweit setzt sich die Wirtschaft für die Lösung aktueller sozialer Probleme ein. Die Unternehmen haben dabei Erfolg, wenn es ihnen gelingt, das Vertrauen der Bevölkerung und ihrer Kunden zu gewinnen. Bislang ist dieses Engagement jedoch die Domäne der großen Konzerne. Kleine und mittlere Betriebe arbeiten noch an neuen Konzepten für unternehmerische Sozialverantwortung, mit denen sie ihre Umstellung von einfacher Wohltätigkeit auf gezielte soziale Investitionen auf den Weg bringen werden.

 

 Die ungekürzte Fassung erschien zuerst in der Zeitschrift Expert.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland