Russlands Prestigeprojekt hat eine Zukunft

Sukhoi Superjet-100. Foto: sukhoi.org

Sukhoi Superjet-100. Foto: sukhoi.org

Das russische Mittelstreckenflugzeug vom Typ Sukhoi Superjet-100 war am 9. Mai in Indonesien vom Radarschirm verschwunden. Der Jet war in einen Felsen gerast. Im Schicksal des russischen leidgeprüften Flugzeugs, dessen Bau viele Jahre in Anspruch nahm, kam es zu einer tragischen Wendung, die jedoch ohne Fiasko überwunden werden kann.

Der Superjet 100 (Seriennummer 95004) verschwand vom Radarschirm während eines Demonstrationsflugs in Indonesien (südlich von Jakarta). Die Maschine war auf dem Rückweg zum Flughafen, als der Funkkontakt plötzlich abbrach. Die Havarie-Funkfeuer des Flugzeugs übermittelten keine Signale. Gerüchte um eine Entführung machten die Runde. Viele hofften, dass das Flugzeug entführt wurde und irgendwo gelandet war.

Die Hoffnungen schwanden am 10. Mai. Die Wrackteile wurden von Rettungshubschraubern in der Nähe des Vulkans Salak gefunden. Bruchstücke des Flugzeugs waren zu sehen. An Bord der Maschine befanden sich neuesten Angaben zufolge 45 Menschen, darunter acht russische Bürger (unter anderem die Besatzungsmitglieder und die Mitarbeiter des Flugzeugherstellers Sukhoi). Von Überlebenden wurde nicht berichtet.



Russisches Flugzeug: Viele Bäche machen einen Strom


Das RRJ-Projekt (Russian Regional Jet) zum Bau des Sukhoi Superjet 100 (in zwei Versionen mit 75 und 95 Sitzen) wurde bereits am Anfang der 2000er Jahre gestartet. Für dieses Projekt wurde ein Unternehmen gegründet (Sukhoi Civil Aircraft), das mit vielen ausländischen Zulieferern kooperierte. Das Projekt wurde von Michail Pogosjan gefördert, dem damaligen Sukhoi-Chef und heutigen Präsidenten der Flugzeugbauholding OAK.

Bis Mai 2008 gab es keine besonderen Erfolge. Im Mai 2008 fand der erste Flug statt. Seit 2011 wird das Flugzeug ausgeliefert. Die Maschine wird in Komsomolsk-am-Amur hergestellt und als eine neue russische Entwicklung vorgestellt.

Die Neuheit und Eigenständigkeit dieser Maschine sind wohl umstritten. Es gibt verschiedene Meinungen darüber. Es ist schwer, auf hohem Niveau zu bleiben, wenn die direkten Konkurrenten die stabilen Flugzeuge des brasilianischen Embraer und des kanadischen Bombardier sind. Vor einiger Zeit kam China als Konkurrent hinzu, das versucht, günstigere Flugzeuge zu bauen.

Zur „russische Herkunft“ des Sukhoi-Jets gibt es viele Fragen. Russisch sind in der Maschine Werkstoffe, Rumpfbestandteile, Tragflächen und Hilfsausrüstung. Das französische Triebwerk SaM-146 wurde gemeinsam entwickelt. Viele Bestandteile des Triebwerks wurden vom russischen Unternehmen Saturn hergestellt. Fast alles andere kommt aus dem Ausland, darunter die Avionik, Elektrik, Steuersysteme und die Hilfstriebwerke.

Die internationalen Zulieferer für den Suchoi Superjet 100


Im russischen Internet gibt es viele Witze über den Jet. Die Maschine muss wieder einmal ihre Eigenständigkeit beweisen. Die Skeptiker sind auch zu verstehen. Seit 1991 gab es im russischen High-Tech-Bereich nicht so viele Erfolge, vor allem im russischen Flugzeugbau.

In der zivilen Flugzeugindustrie herrschte Leere und Finanzmangel. Es gab zwar viele Flugzeugprojekte, doch nur der Superjet und die sich noch in der Entwicklung befindliche MS-21 des Konzerns Irkut wurden Realität. In Russland rangen die Flugzeughersteller erbittert um staatliche Aufträge.

Jeder Misserfolg sieht aus der heutigen Sicht wie eine totale Tragödie aus. Ein Beispiel aus der nahen Vergangenheit. „Bulawa“ wurde zum Synonym für „fliegendes Unglück“. Inzwischen gibt es nichts Verwunderliches daran, dass ein Teil der Starts dieser Rakete gescheitert war. Es gab auch schlimmere Vorfälle.

Mit den Flugzeugen sieht die Situation ähnlich aus. Die Serienproduktion des Superjets wurde erst vor kurzem begonnen. Es gibt zwar noch viele ungelöste Probleme. Eine Katastrophe (deren Gründe noch nicht bekannt sind, vermutet wird menschliches Versagen) wird jedoch nicht die Zukunft des Jets entscheiden. Doch in der nächsten Zeit werden wohl viele Artikel über die Nachteile dieser Maschine geschrieben.

Erinnern wir uns an eine Geschichte. Am 26. Juni 1988 war ein nagelneues europäisches Flugzeug bei einem Schauflug abgestürzt. In den vergangenen 24 Jahren wurden 2800 Airbus 320 verkauft. Weitere 2700 sind bestellt. Die Katastrophe in Indonesien kann in einem gewissen Sinne als „planmäßig und zulässig“ bezeichnet werden. Es gibt auch keine Zweifel daran, dass der Superjet eine große Zukunft hat. Wie die Zukunft aussieht, hängt aber von der Machtvertikale der russischen Flugzeugbauindustrie ab.



Dieser Artikel erschien zuerst bei RIA Novosti.

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