Russland feiert seinen 1150. Geburtstag mit einer Weltreise

Die Viermastbark Sedow, Baujahr 1921. Foto: Legion media

Die Viermastbark Sedow, Baujahr 1921. Foto: Legion media

Erfahrene Seeleute, Kadetten und Rockmusiker würdigen das Jubiläum an Bord des weltweit größten Segelschiffes. Innerhalb von 394 Tagen wollen sie drei Ozeane durchkreuzen und 21 Länder besuchen – für den Kapitän des in Deutschland gebauten Schiffes ist es nicht die erste Weltumrundung.

Russland feiert seinen 1150. Geburtstag mit einer Weltreise

Am 20. Mai wird die Viermastbark Sedow, jenes Schiff, das sich als größtes traditionelles Segelschiff der Welt einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde verdient hat, in St.-Petersburg in See stechen.

Die legendäre Sedow wurde 1921 in Deutschland gebaut. Jetzt tritt sie eine Weltreise an, um das 1150-jährige Jubiläum Russlands zu feiern. Auf das Jahr 862 wird der erste Zusammenschluss von ethnischen Stämmen des nordeuropäischen Russlands in der sogenannten Rjurikdynastie datiert. Die Bark soll drei Ozeane durchqueren und 21 Länder besuchen.

„Das Hauptanliegen dieser Reise ist die Demonstration unserer Flagge. Russland zählt zu den wichtigsten Seemächten und soll der Welt zeigen, dass wir offen sind für alle und friedliche Ziele verfolgen“, erklärt Alexander Sawelow, Pressesprecher der russischen Fischfangbehörde Rosrybolowstwo.

Sedow-Expedition 2010


ZwischenKadettenundRockmusikern 

An Bord der Bark werden 200 Personen sein, etwa die Hälfte von ihnen Kadetten der Murmansker Staatlichen Technischen Universität, die im Laufe der Fahrt ausgewechselt werden.

Die Kadetten, alle Studenten im zweiten Studienjahr, werden einander zwei Mal ablösen. Zuerst im marokkanischen Casablanca, danach in Wladiwostok, der östlichsten Metropole Russlands, wo sie später wieder ihre Reise nach St.-Petersburg antreten. „Ich bin ehrlich gesagt noch nie im Ausland gewesen. Die Reise bietet mir erstens die Chance, neue Erfahrungen zu sammeln, zweitens eine großartige Möglichkeit, die Welt zu sehen“, sagt der achtzehnjährige Kadett Dmitrij Stolpowskij.

Die Weltreise in Zahlen


Die Jubiläumsfahrt wird 14 Monate dauern, dabei wird das Segelschiff etwa 45 Tausend Seemeilen zurücklegen und in 21 Ländern und an 30 Häfen anlegen. Für den 58-jährigen Kapitän derSedow ist das bereits die vierte Weltreise.

Dmitrij wird in Casablanca an Bord gehen und die Besatzung bis Wladiwostok unterstützen. Seine Eltern sind sehr stolz darauf, dass er an dieser Schiffsreise teilnimmt, so der Kadett. Aber nicht nur aus Welterkundungsdrang fiebert Dmitrij seiner Reise ungeduldig entgegen. Mit an Bord wird die Rockband MumijTroll sein. „Ich bin ein Fan von Mumij Troll, es ist großartig, dass die Band uns begleiten wird. Ich hoffe, sie bleibt bis zum Schluss dabei“, sagt Dmitrij.

Die 1983 in Wladiwostok gegründete Band verspricht den Traum des Kadetten zu erfüllen. „Die Idee, auf offener See ein Album aufzunehmen, kam mir schon in meiner Kindheit. Sie rückte ihrer Verwirklichung im vergangenen Jahr ein Stück näher, während unserer Konzertreise „Rock po-Flotski“, als wir auf Schiffen der russischen Militärflotte auftraten“, erzählt der Sänger von Mumij Troll, Ilja Lagutenko.

Videoclip von der Konzertreise „Rock po-Flotski“.

Für den Kapitän der Sedow ist es schon die vierte Weltreise. Dennoch erwartet er sie mit großer Vorfreude, vor allem wegen der vielen Stopps in Lateinamerika. „Brasilien, Chile, Peru – alles für mich neue und exotische Orte, die ich schon lange kennenlernen wollte“, erklärt der Kapitän Nikolaj Sortschenko.

Außer in Deutschland, Schweden, Norwegen, Frankreich, Marokko, USA, Südkorea, Japan, China, Singapur, Mauritius, Südafrika, Senegal und Spanien wird das Segelschiff in Brasilien, Uruguay, Argentinien, Chile und Peru anlegen.

Die Finanzierung der Reise war recht aufwendig. Die Mittel fließen aus der Staatskasse, aber auch von privaten Wirtschaftsunternehmen wie etwa Nowatek, dem zweitgrößten unabhängigen russischen Erdgasproduzenten nach Gasprom.

Interview mit dem Kapitän der Sedow Nikolaj Sortschenko


Haben Sie schon einmal die Welt umrundet?

Ja, für mich ist das schon fast Routine. Das wird meine vierte Weltreise sein.

Was erwarten Sie von dieser Seereise?

Die vierte Weltreise wird mit 14 Monaten für mich auch die längste sein. Die vorhergehenden dauerten nur 10-11 Monate. Wir wollen Südamerika und Südafrika umsegeln, das heißt alle Länder, die umsegelt werden mussten, als es weder Panama- noch Suezkanal gab. Das heißt, wir tauchen direkt ins 18. Jahrhundert ein.

Wird es Ihnen schwer fallen, mit jungen Kadetten zu reisen?

Junge Leute haben meist gute Laune. Sie stürzen sich ins Meer und wollen schwimmen. Wie James Cook, Iwan Krusenstern, Vater und Sohn Lissjanskij, Konstantin Litke und Seefahrer unserer Zeit. Nach zwei bis drei Monaten werden sie dann allmählich müde und fangen an, sich nach ihrer Heimat zu sehnen. Das ist das schwerste von allem – sich an das Leben fern von Russland, von der Familie, von den Freunden zu gewöhnen. Weltumsegelungen werden organisiert, um die jungen Seeleute an weite und lange Reisen heranzuführen.

Denken Sie, dass die Gesellschaft der Rockband Mumij-Troll den Jungs dabei hilft?

Ja, das hoffe ich sehr. Die Band ist schon seit 20 Jahren sehr beliebt. Dass sie uns begleitet, wird die jungen Männer beflügeln und die Reise versüßen.

Welche Häfen steuern Sie als erste an?

Montevideo (Uruguay), Valparaíso (Chile), Ushuaia (Argentinien) ... Alles Südamerika, wo ich bisher kaum gewesen bin: Brasilien, Chile, Peru – für mich sind das neue und exotische Orte, die ich schon lange kennenlernen wollte.

Werden Sie am Veranstaltungsprogramm während der Aufenthalte teilnehmen?

Ja, der Kapitän ist ein offizieller Repräsentant der Besatzung. Er sollte bei allen mehr oder weniger öffentlichen Veranstaltungen in den vorderen Reihen sitzen. Wir werden Gäste empfangen.

Wir die Sedow das erste Mal die Welt umsegeln?

Ja. Das Schiff ist 91 Jahre alt. Die ersten 15 Jahre ihres Lebens, von 1921 bis 1936, fuhr die Sedow nach Australien und wieder zurück. Weltreisen hat sie noch nicht bestritten.

Aber wir rechnen nicht mit Schwierigkeiten. Wir haben den Wegverlauf sehr genau studiert. Zuerst steuern wir europäische Häfen an, dann durchqueren wir den Atlantik von oben nach unten. Wir umsegeln Südamerika, danach geht es hoch in den Norden. Ich glaube nicht, dass uns dort irgendetwas Unvorhersehbares erwartet.  

Es ist schön, dass viele Europäer und Amerikaner so reisebegeistert sind. Die Öffentlichkeit reagiert mit großem Interesse auf unser Vorhaben. Ich wünsche den Lesern alles Gute. Vielleicht treffen wir uns zu Lande! 

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