Ist Russland gegen neue Krise gewappnet?

Ist Russland gegen neue Krise gewappnet? Foto: Reuters/Vostock photo

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Experten zufolge ist Russland gegen eine neue Krisenwelle schlechter vorbereitet als 2008, schreibt die Zeitung „RBC Daily“ am Freitag.

Experten kritisieren den Optimismus der Zentralbank Russlands, die versichert, dass sich das Land in einer besseren Lage befindet als vor vier Jahren. Sie rechnen damit, dass der Reservefonds im Falle eines Finanzlochs nicht einmal für ein Jahr ausreicht. Die Regierung werde nicht in der Lage sein, alle sozialen Versprechen einzuhalten.

 

In den vergangenen zwei Wochen gab es negative Überraschungen: Zunächst heizte die politische Krise in Griechenland die Spekulationen um seinen Austritt aus der Eurozone an. Anschließend senkte die Ratingagentur Moody’s die Rankings von 16 spanischen Banken, was weltweit zum Einbruch der Aktienkurse führte. Am stärksten reagierten die Börsen in den  Schwellenländern. Doch der Chef der Zentralbank Russlands, Sergej Ignatjew, versucht, die Wogen zu glätten und betonte, dass Russland jetzt besser gegen Krise aufgestellt sei als 2008.


 
Doch Experten von der Moskauer Wirtschaftshochschule haben festgestellt, dass die russische Wirtschaft im 1. Quartal 2012 weniger stabil war als im selben Zeitraum 2008. Zwar sehe die Situation um die Auslandsschulden besser aus und das Wachstum der Bankenkredite werde durch Mittel der Zentralbank und nicht durch Depositen oder Auslandskredite unterstützt, man dürfe sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen, warnen die Experten der Moskauer Wirtschaftshochschule. Im April lag der Kapitalabfluss bei sieben Milliarden Dollar. Im Mai kann sich dieser Prozess fortsetzen.



In dieser Situation klinge der Optimismus der Zentralbankchefs fehl am Platz, so die Experten. Gegen die Behauptung, Russland befinde sich in einer besseren Lage, spreche auch die zunehmende Abhängigkeit von den Ölpreisen, so die Ökonomen. Selbst bei einem moderaten Rückgang des Ölpreises auf 80 Dollar würden die Reserven des Staates die Wirtschaft nicht einmal ein Jahr lang über Wasser halten können. Die sozialen Verpflichtungen könnten nur eingehalten werden, wenn der Ölpreis jährlich um acht bis neun Dollar ansteige.



„Um die großangelegten Pläne zu realisieren, braucht der Staat enorm viel Geld. Sie können nur durch die Verbesserung des Investitionsklimas angelockt werden. Doch den Investoren werden umgekehrte Signale gegeben“, sagten die Experten.



Laut dem ehemaligen Finanzminister Alexej Kudrin rückt eine neue Weltkrise immer näher. „In Europa hat bereits die Rezession begonnen. Die Ereignisse in Griechenland zeugen davon, dass sie tiefer sein wird, andere Länder betreffen wird und zu einer neuen Weltkrise führen kann“, sagte Kudrin.



Von der Tatsache, dass die Behörden eine Krise erwarten, zeugt auch die Bildung eines behördenübergreifenden Rats für Finanzstabilität. Nach „RBC Daily“-Angaben soll das neue Gremium bereits Mitte August geschaffen werden.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti

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