Zigaretten als Luxusgut

Bald wird ein Hunderter für eine Packung Zigaretten nicht ausreichen. Foto: ITASS-TASS

Bald wird ein Hunderter für eine Packung Zigaretten nicht ausreichen. Foto: ITASS-TASS

Bis 2018 könnten die Zigarettenpreise in Russland auf das Fünffache klettern. Grund hierfür sind neben der russischen Steuerpolitik auch eine wahre Fülle von internationalen Regelungen zur Eindämmung des Tabakkonsums.

Rauchen wird in Russland zu einem teuren Vergnügen. Der durchschnittliche Preis für eine Schachtel Zigaretten steigt in den nächsten Jahren auf fast 150 Rubel (etwa 4 Euro) - zu diesem Schluss kamen Experten des International Tax and Investment Center (ITIC) nach einer Analyse der steuerpolitischen Pläne der russischen Regierung. Ihren Berechnungen zufolge werden bis 2018 die Ausgaben der Russen für Zigaretten durchschnittlich um das 2,5-fache steigen. Der Preis pro Schachtel liegt dann bei etwa 146 Rubel (3,70 Euro) und ist fünf Mal so hoch wie heute.

Wenn diese Zahlen zutreffen, dann wird Tabak bei den Ausgaben der privaten Haushalte etwa zwölf Prozent (gegenüber den heute üblichen fünf Prozent) des verfügbaren Einkommens ausmachen. In den ärmeren Schichten könnte diese Kennzahl sogar von den heute durchschnttlichen sieben auf 28 Prozent steigen.

Blühender Schwarzmarkt

Daniel Witt, Präsident des ITIC, warnt vor den Folgen dieser Preisentwicklung: Der legale Markt wird voraussichtlich auf die Hälfte des heutigen Volumens schrumpfen, auf jährlich 186 Milliarden Zigaretten. Der illegale Handel könnte im Zuge dessen deutlich ansteigen und einen Marktanteil von 35 Prozent erreichen, erklärt Witt und verweist auf die Erfahrungen Bulgariens, Irlands, Polens und Rumäniens.

Heute ist Russland zweitgrößter Markt für Tabakerzeugnisse. Der Schwarzhandel macht weniger als 1 Prozent aus. Diese geringe Kennzahl illegalen Handels beweist nach Auffassung der ITIC-Experten, dass der steuerpolitische Kurs der russischen Regierung richtig ist. Nach Angaben der Rahmenkonvention-Allianz macht der illegale Handel mit Zigaretten 11 Prozent des Marktes aus.

Zigarettenhersteller schließen nicht aus, dass die Preise für ihre Produkte auch aus anderen Gründen anziehen könnten. Die Einführung obligatorischer Etiketten, auf denen über die Folgen des Rauchens aufgeklärt wird, kostet die Branche zum Beispiel rund 28 Millionen Dollar, erläutert der Exekutivdirektor des Rates zur Entwicklung der Tabakindustrie Eduard Woronzow.

„Wir können noch nicht genau sagen, wie viel wir für die Etiketten kalkulieren müssen, da das Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung noch keine Anforderungen an den Druck festgelegt hat. Die Kosten hängen außerdem auch von der Anzahl der Marken im Portfolio eines Unternehmens ab“, so Woronzow. „Jedoch haben uns schon die warnenden Aufschriften 28 Millionen Dollar gekostet, die Bilddarstellungen werden sicher nicht weniger aufwendig.“ Nach einer Weisung des Ministeriums für Gesundheit und soziale Entwicklung sollen die abschreckenden Abbildungen bereits in einem Jahr verpflichtend sein.

Regelungswut

Es kommt hinzu, dass ab 2014 die in den Ländern der Zollunion gehandelten Zigaretten auch noch andere, vom technischen Reglement für Tabakerzeugnisse vorgesehene Beschriftungen aufweisen müssen. Die Hersteller müssen also ein weiteres Mal in ein neues Design investieren. Die Kosten bekommen natürlich die Verbraucher zu spüren, so die Bilanz von Woronzow. Die Co-Vorsitzende der Russischen Anti-Tabak-Koalition Darja Chalturina allerdings ist überzeugt, dass die Ausgaben für ein geändertes Packungsdesign im Verhältnis zu den Einnahmen der Unternehmen verschwindend gering sind und sich daher auf die Preise nicht auswirken dürften.

Größere finanzielle Aufwendungen könnte allerdings die Einführung eines einheitlichen Systems zu Erfassung des Verkehrs mit Tabakerzeugnissen nach sich ziehen, das dem sogenannten Einheitlichen staatlichen automatisierten Informationssystem (ru. EGAIS) auf dem Alkoholmarkt ähnelt. Die Idee einer solchen Kontrolle ist Inhalt des Protokolls über den illegalen Handel mit Tabakerzeugnissen, eines internationalen Vertrages zwischen den Unterzeichnerländern der WHO-Rahmenkonvention zum Kampf gegen den Tabak. Dmitrij Redko, Sprecher eines großen Tabakkonzerns, ist der Auffassung, dass ein solches Monitoring des Tabakhandels eine langfristige, aber unausweichliche Perspektive ist. „Wir verfügen heute noch nicht über die erforderlichen Technologien für dieses System, aber sie werden entwickelt“; so Redko. Die Einführung von RFID-Chips, die den Weg einer Zigarettenpackung von der Fabrik bis zum Verbraucher nachvollziehbar macht, wird die Kosten einer Packung Zigaretten um etwa 20 Prozent steigen lassen“, erklärt Redko.

In den vergangenen fünf Jahren ist übrigens nach Angaben der russischen Aufsichtsbehörde für Verbraucherschutz Rospotrebndasor die Zahl der aus dem Verkehr genommen Zigaretten und Zigarren stark gesunken – von sieben Millionen Packungen im Jahr 2007 auf 172 Tausend Packungen im Jahr 2011.

Über 90 Prozent der aus dem Verkehr genommen Tabakerzeugnisse werden im Einzelhandel beschlagnahmt. Im Jahr 2011 wurden über drei Tausend Lieferungen eines Gesamtumfangs von über 177,7 Tausend Packungen konfisziert. In über fünftausend Fällen wurden Strafen verhängt, die Summe dieser Strafen beträgt umgerechnet über 500 Tausend Euro.

Dieser Artikel erschien zuerst bei der Tageszeitung Rossijskaja Gaseta

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