In zwölf Tagen nach China

Foto: Getty Images / Fotobank

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Deutschland und Russland wollen das Bahngeschäft nach Asien stärken, das bisher vom Seetransport weit in den Schatten gestellt wird. Jetzt hat sich Verkehrsminister Peter Ramsauer ein neues, extrem ehrgeiziges, Ziel gesetzt.

Deutschland treibt das internationale Bahngeschäft voran und setzt dabei auf die euroasiatischen Transportkorridore. "Wir müssen die Zeit für den Frachttransport von Asien nach Deutschland über die Schiene erheblich verkürzen, auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer auf dem internationalen Bahnforum "Strategische Partnerschaft 1520" am Donnerstag in der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi. "Eine Strecke von 11.000 Kilometer, die bisher in 23 Tagen zurückgelegt wird, sollte auch in zwölf Tagen machbar sein", erklärte der Minister. Dabei legte er ein besonderes Augenmerk auf den russischen Markt, durch den der längste Teil dieser Trasse führt. „Durch Russland müsste die Bahn in nur sieben Tagen fahren können", so Ramsauer.

Deutschland, Russland, die EU sowie unterschiedliche GUS-Staaten wollen den Bahntransport von Asien, über Zentral- bis nach Westeuropa entscheidend zu stärken. In der russischen Schwarzmeerstadt Sotschi diskutierten die Vertreter dieser Länder bzw. der Gemeinschaft, wie man dieses Ziel erreicht. Bisher wird der Löwenanteil von 95 Prozent der Fracht aus Asien auf dem Seeweg transportiert. Diese Strecke ist allerdings für die europäischen Unternehmen, die Waren im- und exportieren, mit einigen gravierenden Nachteilen verbunden.


Zum einen benötigen die Transporteure für diesen herkömmlichen Weg etwa die doppelte Zeit, um zwischen den Kontinenten hin- und herzupendeln. Damit ist diese Trasse schon aus diesem Grund weniger ökonomisch. Doch das ist nicht der einzige Nachteil. Der Weg über das Meer ist auch wesentlich unsicherer, da gerade am Horn von Afrika vor Somalia seit Anfang der Neunziger Jahre internationale Piraten ihr Unwesen treiben. Der Bundestag hat gerade Mitte Mai sein Mandat für die Bundeswehr ausgeweitet und den deutschen Marinesoldaten erlaubt, diese organisierten Banden auch an Land zu bekämpfen.


Dies zeigt, wie notwendig es ist, andere Handelsrouten zu fördern. Und gerade der Transport per Schiene scheint dafür geeignet, weil Russland über ein weitreichend ausgebautes Streckennetz verfügt. Allerdings gibt es hier auch Probleme wie die unterschiedliche Spurweite zwischen den Bahnsystemen. Die osteuropäischen Netze verfügen über Gleise, die 1520 Millimeter breit sind. Die westeuropäischen Standards liegen bei 1435 Millimeter. Ein Umladen der Fracht ist deswegen immer nötig, wodurch die Transporteure Zeit und Geld verlieren. Neben diesen technischen Schwierigkeiten blockieren unterschiedliche Zollsysteme und andere bürokratische Hürden in den einzelnen Ländern die Bahnunternehmen auf ihrem Weg.


„Wir brauchen deswegen beispielsweise einen einheitlichen Frachtbrief", forderte Ramsauer. Der Bundesminister setzte sich im Besonderen für die elektronische Zollabwicklung der Waren ein sowie allgemein für eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen den Zollämtern der einzelnen Staaten. „Technisch wird es wohl kaum machbar sein, schnell die Spurweiten anzupassen", sagte der Verkehrspolitiker. „Doch könnten die Länder schon einiges dafür tun, um die rechtlichen und den bürokratischen Hürden beiseite zu räumen, die bisher die Fahrt auf der Schiene behindern." Solche Initiativen würden dieses interkontinentale Riesen-Projekt entscheidend voranbringen.

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