Eigentor für die Presse

Schlägerei vor dem EM-Spiel zwischen Polen und Russland. Foto: ITAR-TASS

Schlägerei vor dem EM-Spiel zwischen Polen und Russland. Foto: ITAR-TASS

Allem Geschwafel über die völkerverbindende Wirkung des Sports zum Trotz: Fußball ist seit jeher mit Gewalt verbunden.

Unvergessen ist für mich, dass deutsche Hooligans 1998 während der WM in Frankreich einen französischen Polizisten fast totschlugen. Das einzige, was daran ermutigend war: Der Vorfall wurde von keiner Seite benutzt, um daraus politischen Kapital zu schlagen. Niemand hat etwas aufgebauscht oder vertuscht. Das war gut so.


Gleiches lässt sich leider nicht sagen über die jüngsten Übergriffe auf russische Fans in Warschau. Viele Berichte verschleiern, was da eigentlich passiert ist. Nur von „Schlägereien zwischen Fans“ ist da die Rede. Als ob sich da Russen und Polen zu einer zünftigen Schlägerei unter Freunden verabredet hätten. Oder, als ob die Russen aus alter Gewohnheit mal wieder ihre ehemaligen Vasallen niederknüppeln. Ich rede hier nicht von der polnischen Presse. Die hat ihre eigenen Probleme. Die rechte Opposition ist gegen die EM und sucht nach Schlechtem, sie lebt aber vom Hass auf Russland. Die Regierung will mit der Meisterschaft ein möglichst gutes Bild abgeben. Nein, es geht um die deutschen Medien, die hier schönfärben. Während beispielsweise die Online-Portale von Focus und Spiegel wahrheitsgemäß berichten, dass polnische Hooligans die Russen angegriffen haben, geht aus anderen Berichten deutscher Qualitätsmedien (ich nenne hier mal keine Namen) hervor, dass beide Seiten Streit gesucht hätten.


Natürlich gibt es Hooligans auch unter russischen Fans und die haben sich auch nicht lange bitten lassen. Aber wie im echten Krieg ist es nun meistens so, dass zwar alle Beteiligten keine Engel sind, aber nur einer ist der Angreifer. Polnische Hooligans haben Kinder und Frauen geschlagen, weil diese aus Russland kamen. Daran ist nichts zu deuteln.

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