Puzzeln mit Dürer

Das berühmte „Selbstbildnis im Pelzrock” von Albrecht Dürer eröffnete am 20. Juni in Moskau das Deutschlandjahr in Russland. Foto: ITAR-TASS

Das berühmte „Selbstbildnis im Pelzrock” von Albrecht Dürer eröffnete am 20. Juni in Moskau das Deutschlandjahr in Russland. Foto: ITAR-TASS

Gleich drei Ereignisse waren für den ersten Tag des Deutschlandjahres 2012/2013 angekündigt: die Eröffnung der Ausstellung „Russen und Deutsche - 1000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur“, ein riesiges Puzzle auf dem Manegeplatz in Moskau und ein Konzert des russisch-deutschen Orchesters „Young Euro Classic“ im Konservatorium. Die Sonne schien, feierliche Reden wurden gehalten und auch ansonsten verlief alles nach Plan. Kurz gesagt, der erste Tag des Deutschlandjahres war ein Erfolg.

Das Staatliche Historische Museum


Der weiße Marmor der Eingangshalle des gerade frisch restaurierten Staatlichen Historischen Museums glänzte mit den offiziellen Gästen um

die Wette. Die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Dr. Cornelia Pieper, der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Russischen Föderation für internationale kulturelle Zusammenarbeit, Michail Schwydkoj sowie der Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Moskau, Ulrich Brandenburg und Rüdiger Bolz, Leiter des Moskauer Goethe Instituts waren nur einige der zahlreich geladenen Gäste am Eröffnungstag. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland wären mehr als nur Energetik, betonte Schwydkoj und machte deutlich, dass es wichtig wäre, den Kontakt zwischen unseren Zivilgesellschaften zu vertiefen. Botschafter Brandenburg erinnerte an den 22. Juni 1941, als Hitlerdeutschland der UdSSR den Krieg erklärte: „Das war eine dunkle Stunde in der Geschichte unserer Länder.“

Bekanntlich lassen sich Zukunft und Gegenwart ohne die Vergangenheit nur schwer verstehen, das unterstrichen auch die Hauptorganisatoren der Ausstellung „Russen und Deutsche - 1000 Jahre Geschichte, Kunst und Kultur“, der Vorsitzende der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann

Parzinger und der Direktor des Historischen Museums, Prof. Alexej Lewikin. Die Ausstellung umfasst über 700 Exponate aus 75 verschiedenen Museen aus Deutschland, der Schweiz, Lettland, Österreich und Russland und kostete insgesamt über 5 Millionen Euro. Die Kosten wurden sowohl von russischer als auch von deutscher Seite getragen. „Es ist die erste deutsch-russische Ausstellung von solch einem Ausmaß, die jemals gezeigt wurde“, erzählt Jewgenij Lukjanenko, Mitarbeiter des Historischen Museums und Mitglied des Kuratorenteams der Ausstellung. „Hier gibt es Exponate, die noch nie oder sehr selten gezeigt wurden, beispielsweise der Kelch Iwan des Schrecklichen aus dem 16. Jahrhundert, den uns das Dresdener Museum zur Verfügung gestellt hat. Es ist unser teuerstes Exponat und meiner Meinung nach das Faszinierendste“.

Dürer-Puzzle


Auf dem Manegeplatz zwischen dem Roten Platz und dem Marschall Schukow-Denkmal vollzog sich etwas Außergewöhnliches. Große Puzzleteile wurden von Spaziergängern zu dem berühmten Albrecht Dürer Bild „Selbstbildnis im Pelzrock“ auf 300 Quadratmetern gelegt. Insgesamt waren es 1023 Teile, die extra zur Eröffnung des Deutschlandjahres aus Nürnberg nach Moskau gebracht wurden. Die Besucher waren begeistert und gegen Ende wurde sogar um die letzten Puzzleteile gestritten. Die Letzten durften allerdings Michail Schwydkoj und Cornelia Pieper gemeinsam legen. Die verliehen ihrer Begeisterung über die Aktion mit einer unerwarteten und kurzen Tanzeinlage Ausdruck.

Young Euro Classic im Konservatorium


Den krönenden Abschluss des ersten Tages des Deutschlandjahres bildete ein klassisches Konzert eines deutsch-russischen Jugendorchesters mit einem eigens zusammengestellten exklusiven Programm. Der frischgebackene Kultusminister Wladimir Medinsky sprach ein Grußwort an das Publikum und die geladenen Gäste, unter denen sich viele Vertreter der Deutschen Wirtschaft sowie der Generalsekretär des Goethe Instituts, Johannes Ebert befanden. Medinsky unterstrich die Bedeutung eines solchen Kulturjahres für die deutsch-russischen Beziehungen. Der renommierte russische Dirigent Gennadij Roschdestwenski unter dessen Anleitung das junge Orchester auftreten sollte, war allerdings kurzfristig verhindert. Die Werke von Dmitri Schostakowitsch, Sebastian Bach und Alfred Schnittke spielten die jungen Musikstudenten dennoch hervorragend. 

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