Atomkraftwerke für den Export

Russland will mit seinen Atomkraftwerken nach Ausland expandieren. Foto: Getty Images/Photobank

Russland will mit seinen Atomkraftwerken nach Ausland expandieren. Foto: Getty Images/Photobank

Russland exportiert mehr als nur Gas und Öl: Auch nach Fukushima sind seine Atomkraftwerke gefragt. Zusätzlich will Rosatom auch in erneuerbare Energien investieren.

Nach der Havarie im Atomkraftwerk von Fukushima haben viele Länder den Ausstieg aus der Atomenergie angekündigt - allen voran Deutschland. Doch die Mehrheit der Staaten, die sich für die Atomenergie entschieden hatten, ist von ihren Plänen nicht 
abgewichen und will diese auch weiterentwickeln.


„Selbst bei maximaler Unterstützung durch den Staat, Einführung ,grüner Tarife‘ und Milliardeninvestitionen kommt der Strom aus erneuerbaren Energiequellen den Endverbraucher sehr teuer zu stehen“, sagt Sergej Nikonow, unabhängiger Energieexperte. In Ländern wie Bangladesch, wo rund 150 Millionen Menschen auf engem Raum leben und keine erneuerbaren Energiequellen erschließbar seien, komme für die stabile Stromerzeugung nur ein Atomkraftwerk in Frage. 


Diese Märkte will Russland mit seinem Atommonopolisten Rosatom bedienen: Das Staatsunternehmen hat geplant, weiterhin weltweit AKWs der Generation 3+ zu bauen. Diese sollen sämtlichen aktuellen Sicherheitsstandards entsprechen und das Kraftwerk selbst gegen stärkste Erdbeben, Tsunamis und Stromausfälle 
sichern können. Momentan baut der Nuklearriese neun Reaktoren in Russland und 21 im Ausland. Auch in China entstehen zur Zeit durch zwei staatliche Nuklearkonzerne 25 neue Reaktoren.

Trotz negativer Prognosen für die Atomenergie blickt der russische Atomkonzern optimistisch in die Zukunft. „Diese Aufträge sind eine Konsequenz aus dem wachsenden Vertrauen gegenüber russischen Nukleartechnologien im In- und Ausland“, sagte Rosatom-Chef Sergej Kirijenko auf dem internationalen Forum Atomexpo 2012 Anfang Juni in Moskau, an dem über 1300 Experten aus 53 Ländern teilnahmen. Die Kernkraft sei weiterhin die günstigste Art, Strom zu erzeugen.


Von wegen günstiges Atom


Dem widerspricht allerdings Iwan Blokow, Leiter von Greenpeace Russland: „Die Wirtschaftlichkeit alternativer Energiequellen wird sich schon bald an jene von Atomkraftwerken und konventionellen Energiegewinnungsmethoden angleichen“, sagt der Experte. So kosteten derzeit ein Kilowatt Strom, das aus Windenergie gewonnen wird, etwa 1,50 Euro, ein Kilowatt aus der Solarenergie bald sogar nur noch 75 Cent.


Erneuerbare Energie als sinnvolle Ergänzung


Trotz allem Optimismus gegenüber der Atomenergie sind die Zeichen der Zeit auch bei Rosatom angekommen. Russische Wissenschaftler setzen sich seit Jahren mit alternativen Energiequellen auseinander: So gründete Rosatom 2011 WetroOGK, eine Firma, die Kompetenzen im Bereich der Windenergie entwickeln soll. Und auf der Atomexpo 2012 sagte Alexander Lokschin, Vizechef von Rosatom, dass die Agentur sich demnächst auch an der Herstellung von Windrädern beteiligen wolle.
„Die Windkraft soll jedoch nicht die Kernenergie ersetzen, sondern sie nachhaltig ergänzen und damit einen diversifizierten Energiehaushalt bilden“, betonte Lokschin. Erneuerbare Energiequellen würden darin durchaus ihren Platz einnehmen, gleichzeitig 
entwickelten russische Nuklearforscher neue AKWs der Generation 4. 

Gesetzgeber erschwert Entwicklung grüner Energien

 
Die Entwicklung sauberer Energiegewinnung wird in Russland jedoch dadurch erschwert, dass es bei den erneuerbaren Energiequellen noch keine Tarifregulierungen gibt. Sollte dieses Problem gelöst werden, könnte es in Russland zu einem Boom „grüner Energie“ kommen: Schon heute gibt es viele Firmen im Land, die nicht nur mit der Windenergie 
experimentieren, sondern auch Biogaskraftwerke und die Solarenergie vorantreiben.


Andrej Resnitschenko ist 
führender Energieexperte. 
Er schreibt für die Presseagentur RIA Novosti.

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