Partnerschaften sind notwendig

Die von Lomonossow gegründete Moskauer Staatliche Universität. Foto: Cody White

Die von Lomonossow gegründete Moskauer Staatliche Universität. Foto: Cody White

Deutsche Studenten stoßen in Russland immer noch auf Probleme. Zu diesem Ergebnis kamen die Teilnehmer des Symposiums «Willkommen! Und anerkannt?», das im Mai im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in Berlin stattfand. Neben der Visaproblematik müssen die Deutschen ihre Diplome zusätzlich in Moskau anerkennen lassen. Mit der Dissertation ist es auch nicht so einfach. Sie muss ins Russische übersetzt und außerdem noch einmal an einer russischen Hochschule verteidigt werden. Wie man einen akademischen Abschluss erzielen kann, der in Russland und in Deutschland gilt, hat Prof. Dr. Wilfried Bergmann, Koordinator der Arbeitsgruppe «Bildung und Wissenschaft» im Petersburger Dialog e.V., Russland HEUTE erklärt.

Vor zwei Monaten hat der Chef des russischen Minobrnauka Andrei Fursenko folgendes vorgeschlagen: Diploma und akademische Grade der Absolventen von zirka 180 Hochschulen weltweit in Russland automatisch anzuerkennen. Was aber macht ein deutscher Student, wenn seine Hochschule nicht in diesem Rating ist? 

Dann muss der Student beweisen, dass sein Diplom ihm erlaubt seine Ausbildung in Russland fortzusetzen. Das muss man in Rosobrnadzor machen und es dauert nicht lange. Ein anderer Weg wäre ein Diplom oder einen Bachelor in Deutschland dort abzuschließen wo es eine Hochschulpartnerschaft mit einer russischen Universität gibt. In Deutschland hängt die Anerkennung beispielsweise eines Masters vom Prinzip der Gleichwertigkeit ab. Die Mitarbeiter der Uni sorgen sich natürlich, dass ausländische Studenten nicht qualifiziert sind. Russland hat ein ähnliches Problem. Aber wenn eine Hochschulpartnerschaften besteht, ist es viel einfacher. So etwas gibt es bereits zwischen der Bauman Universität Moskau und der  Technischen Universität München.

Was genau wird in einer Hochschulpartnerschaft festgelegt?

 Prof. Dr. Wilfried Bergmann. Foto: Sascha Radke

Zum Beispiel dass die Prüfungen in beiden Universitäten als gleichwertig anerkannt werden. Nach dem Abschluss des Studiums ist es für deutsche Bachelors, Magister oder Doktoren ganz einfach eine Arbeit in Russland zu finden. Für Russen gilt das Selbe in Deutschland. Dann gibt es auch kein riesen Theater wegen dem Anerkennungsverfahren mehr. Deswegen kann ich den deutschen und russischen Universitäten nur Eins empfehlen: Such euch einen Partner!

Wie viele Uni-Partnerschaften gibt es schon zwischen Russland und Deutschland?

Ich schätze es gibt über Hundert. Aber längst nicht zwischen allen. Außerdem ist es meistens so, dass diese Partnerschaften fachspezifisch sind, also nur zwischen Fakultäten und nicht der ganzen Universitäten. Ich denke, man braucht solche Partnerschaften, die alles abdecken.

Der russische Premier-Minister Dmitri Medwedew sagte, dass Russland hochqualifizierte ausländische Spezialisten braucht. Wie können Deutsche, die in Russland arbeiten wollen, ihre Berufsabschlüsse anerkennen lassen? 

Eine Anerkennung der Berufsabschlüsse ist in Russland überhaupt kein Problem. Russland ist ein zentralistischer Staat: Es gibt dort nur eine einzige Stelle an die man sich wenden muss. In Deutschland ist das ganz anders. Ausländer müssen sich mit Bund, Ländern und sechzig Zuständigkeiten herumschlagen. Wie gesagt, in Russland ist das einfacher. Und das ist auch gut so, denn zurzeit gibt es etwa zehntausend deutsche Unternehmen in Russland, die gutqualifizierte Juristen und Ökonomen brauchen. Also Menschen, die im besten Fall eine Ausbildung in beiden Ländern gemacht haben: Einen deutschen Master und einen Titel als Kandidat der Wissenschaften, beispielsweise.

Gibt es viele Deutsche die den Titel Kandidat der Wissenschaften in Russland bekommen möchten? Er wird doch in Deutschland nicht anerkannt, oder?

Es gibt einige Deutsche, die nach Russland fahren um dort diesen Titel zu erreichen. Vor allem Juristen. In diesem Fall kann man folgendes machen: Zuerst verteidigt man seine Arbeit in Russland und danach in Deutschland. Das habe ich so gemacht. Ich bin aus Westdeutschland in die Sowjet Union gefahren und habe dort am Institut für Staat und Recht den Titel Kandidat der juristischen Wissenschaften bekommen. Dann habe ich meine Arbeit in Deutsch übersetz, sie in Deutschland noch mal verteidigt und einen Doktortitel bekommen. Aber so was machen nicht viele Menschen, weil es eine Menge Arbeit ist und sehr viel Zeit kostet. Ich habe viele Bekannten, die in Russland in der Akademie der Volkswirtschaft beim Präsident der Russischen Föderation promoviert haben, aber sie dürfen sich in Deutschland nicht Doktor nennen. Das ist doch absurd! Es wäre natürlich optimal, wenn der Titel Kandidat der Wissenschaften in Deutschland automatisch anerkannt werden würde. Dann könnten Russen und Deutsche Zeit und Nerven mit der Anerkennungsroutine sparen.

Wie könnte man das erreichen?

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Das einfachste wäre wenn Russland sich entscheidet auf jedem Zeugnis zum Kandidat der Wissenschaften, in Klammern noch einen „Doktor“ zu schreiben. Nach deutschem Recht gilt nämlich: Ein Titel darf nur so geführt werden wie er im Heimatland verliehen wird. Das ist das Problem! Einfach in Klammer mit lateinischen Buchstaben „Doktor“ zu schreiben macht vieles einfacher. In diesem Fall werden Russen und Deutsche, die in Russland promoviert haben, in Deutschland automatisch Doktor genannt. Leider ist Russland noch nicht so weit. Ich habe sogar einmal Herrn Medwedjew gefragt: „Wie soll man Sie nennen? Kandidat oder doch Doktor?“ Er hat lange gelacht.

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