Der "Russische Löwe" war ein Deutscher

Georg Hackenschmidt trat als "The Russian Lion" (der Russische Löwe) an, war aber ein Deutscher. Foto: James Steakley

Georg Hackenschmidt trat als "The Russian Lion" (der Russische Löwe) an, war aber ein Deutscher. Foto: James Steakley

Georg Hackenschmidt, einer der berühmtesten Ringer des 20. Jahrhunderts, ist eine markante Figur nicht nur für Wrestling-Fans sondern auch für Deutsche.

Der Name Georg Hackenschmidt ist weder unter Deutschbalten, noch Wrestling-Fans besonders bekannt. Dabei gäbe es für beide gute Gründe. Georg Hackenschmidt war nämlich deutsch-estnischer Gewichtheber und Ringer im griechisch-römischen Stil sowie Profi-Weltmeister im Freistil-Ringen (Catch-as-catch-can). Außerdem gilt als einer der Stammväter des Wrestling (Catch Wrestling). Als Champion steht er als erster in einer Reihe von Athleten, die heute von schillernden Figuren wie Hulk Hogan und Stone Cold Steve Austin geprägt wird.

Hackenschmidt entstammte einer deutschen Familie aus Dorpat, heute Tartu. Geboren im Jahr 1877 oder 78, begeisterte er sich schon als Schüler für Kraftsport und machte sich einen Namen als Ringer und Gewichtheber - erst in seiner Heimat Estland , später in Russland und schließlich in der ganzen Welt. Anfangs betrieb er seinen Sport als Amateur, 1899 startete er in Paris seine Berufskarriere als Ringer. Nach und nach besiegte er alle berühmten Ringer seiner Zeit und konnte sich schließlich ab 1905 als erster unangefochtener Weltmeister bezeichnen. 

In dieser Zeit war das Freistil-Ringen noch nicht die bunte Show, die heute im Fernsehen zu sehen ist. Im Ring standen sich damals ausgebildete Ringer gegenüber, die auch im griechisch-römischen Stil versiert waren. Sie schmückten sich noch nicht mit Masken oder phantastischen Kostümen und gaben auch nicht vor, Untote, Wikinger oder ringende Steuerbeamte zu sein.  Aber Kampfnamen trugen die Helden von damals schon, wenn auch nicht sonderlich phantasievolle. Hackenschmidt trat als „The Russian Lion“ (der Russische Löwe) an, seine Gegner waren unter anderen ein „Terrible Greek“ und „Terrible Turk“. Und auch mit schmutzigen Tricks wurde schon damals gearbeitet.

1908 verlor Hackenschmidt seinen Titel im Kampf gegen den Amerikaner Frank Gotch. Nach dem Revanche-Kampf, den er wiederum verlor, beschuldigte Hackenschmidt den Amerikaner, illegale Methoden angewendet zu haben. Moderne Wrestling-Fans kennen das: Der Schiedsrichter wird abgelenkt, dann malträtiert man das lädierte Knie des Gegners oder reibt ihm giftige Substanzen in die Augen. Ähnliches soll sich auch 4. September 1911 im Corniskey Park zugetragen haben, vor immerhin 30.000 Zuschauern. Nach dem Titelverlust zog sich Hackenschmidt vom aktiven Kampfsport zurück. Er hatte seine Preisgelder klug angelegt und konnte von den Erträgen gut leben.

Die Ringer-Legende sprach sieben Sprachen und galt als gebildet und kultiviert. Zu seinen Freunden gehörte George Bernard Shaw. US-Präsident Theodore Roosevelt, der ihn mehrmals empfangen hatte, soll gesagt haben: „Wenn ich nicht Präsident der Vereinigten Staaten wäre, wäre ich am liebsten Georg Hackenschmidt."

Er schrieb mehrere Bücher, unter anderem das Standardwerk „The Complete Science of Wrestling“ und sogar ein sechsbändiges philosophisches Werk mit dem Titel „Mensch und kosmischer Gegensatz zu Sinn und Geist“. Nach dem Ersten Weltkrieg erlangte er durch Heirat die französische Staatsbürgerschaft und mit 74 Jahren die von ihm die ersehnte britische. Auf der Insel arbeitete er lange Zeit als Fitnesstrainer für Mitglieder der englischen Society.

Hackenschmidt, bis zu letzt in Top-Form, starb 1968 mit 90 Jahren in seiner Wunschheimat. 

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