Weliki Nowgorod - Neustadt am Wolchow

Der Jaroslaw-Hof bildet einen Komplex von Baudenkmälern aus dem 12. bis 18. Jahrhundert; die Nikolaus-Kathedrale wurde 1136 erbaut. Foto: Lori/Legion Media

Der Jaroslaw-Hof bildet einen Komplex von Baudenkmälern aus dem 12. bis 18. Jahrhundert; die Nikolaus-Kathedrale wurde 1136 erbaut. Foto: Lori/Legion Media

2012 feiert Russland sein 1150-jähriges Bestehen - und alles begann in Nowgorod. Aus der Wiege Russlands ist über die Jahrhunderte ein Provinzstädtchen geworden.

Seit 25 Jahren geht Wladimir Warnajew nun schon in den Kreml zur Arbeit. Täglich. Für Politik jedoch hatte er nie etwas übrig. Zumal hinter den Mauern dieser Festung in Nowgorod schon gute sechs Jahrhunderte keine wichtigen Staatsgeschäfte mehr getätigt werden. Seit dem Tag, als Iwan der Schreckliche Weliki Nowgorod der Herrschaft Moskaus unterstellte, verlor die am Wolchow gelegene Stadt den Status einer unabhängigen Republik.

Die aus Ziegelsteinen errichtete Festung, die aus der Ferne den Eindruck einer furchteinflößenden Bastion erweckt, hat sich in das Stadtbild eingepasst und in einen Park verwandelt. Heutzutage verabreden sich die Bewohner hier zu Rendezvous.

Dass das historische Zentrum seines geliebten Nowgorods, anders als das von Moskau oder Kasan, nicht zur Regierungsresidenz wurde, reizt den 52-jährigen Historiker. Bis heute betrachtet er die Mauern des Kremls jeden Tag aufs Neue mit Erstaunen.

Das internationale Volkskunstfestival "Sadko" findet jährlich im Juni statt. Foto: Konstantin Tschalabow, RIA Novosti

„Neapel, Karthago, New York, Nowgorod … all diese Bezeichnungen bedeuten „Neue Stadt“, erklärt er Petersburger Touristen, und erfüllt mit seinem tiefen Bass die Stille des Provinzkremls. Auf den drei Ebenen des glockenförmigen Denkmals sind 129 
Figuren zu sehen, die die ersten zehn Jahrhunderte des russischen Staates symbolisieren: Feldherren, Schriftsteller, Zaren. Einer fehlt: Iwan der Schreckliche. Zu viel Leid brachte er 1570 über die Stadt, als er in fünf Wochen Tausende Nowgoroder hinrichten ließ.„In Weliki Nowgorod gibt es 37 Denkmäler, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören – in Rom sind es 32, in St. Petersburg sechs und in Moskau vier ...“. Seine Führung beginnt Warnajew immer an der Sophienkathedrale: Das Gotteshaus, das 989 zunächst aus Holz gebaut wurde, symbolisiert den Anschluss der Rus an die christliche Welt. Gegenüber wurde vor 150 Jahren ein weiteres Wahrzeichen errichtet: das Monument „Russlands Jahrtausend“.

Die historische Nachstellung der Bogatyr-Schlachten in Nowgorod. Foto: Konstantin Tschalabow, RIA Novosti

1862 wurde das Denkmal errichtet, tausend Jahre nach der Berufung Ruriks zum Herrscher über Nowgorod. Das Jubiläum war der Beginn eines wiedererwachenden Interesses an der Stadt, die sich nach ihrer Einverleibung durch Moskau langsam in eine unbe-deutende Provinzstadt verwandelt hatte. Zur Einweihung reiste Zar Alexander II. persönlich an. 
Und mit dem wachsenden Interesse der Gesellschaft an der eigenen Geschichte rückte Nowgorod in den Fokus von Historikern und Kunstwissenschaftlern.

In diesem Jahr steht wieder ein Jubiläum an: Mit großem Pomp

1150 Jahre Geschichte

Als älteste Stadt Russlands - die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 859 - wird Weliki Nowgorod vom 21. bis 23. September im Zentrum einer russlandweiten Feier stehen: Das Land begeht das 1150-jährige Jubiläum seiner Staatswerdung. Höhepunkt der Feiern ist eine Darstellung der vergangenen 1150 Jahre russischer Geschichte im Nowgoroder Kreml. Mehr Informationen auf www.visitnovgorod.de

feiert Russland in Weliki Nowgorod sein 1150-jähriges Bestehen. In den vergangenen Jahren hat es die Stadt mit Geschick geschafft, ein touristisches Konzept zu entwickeln: Man kann sich an Ausgrabungen bei der ehemaligen Troizki-Kathedrale beteiligen und historisch wertlose Funde als Andenken mitnehmen. In den Mauern des Desjatinenklosters wird Porzellan gebrannt, und Touristen können Handwerkern bei der Arbeit zusehen. Im Sommer wird in den Mauern des Kremls ein Theaterstück über Onphim, einen Jungen aus dem Mittelalter, gezeigt.

Allerdings fehlt Nowgorod das 
typisch mittelalterliche Flair, denn Katharina die Große gab der Stadt eine rechtwinklige Straßenführung. Jahrhunderte später wurde das architektonische Gleich-
gewicht durch die Sowjetbauwerke zerstört. Auf dem zentralen Platz unweit des Kremls zeigt die schwere Bronzehand des Lenin-Denkmals auf das Gebäude der Bezirksverwaltung. Der Platz heißt „Siegesplatz“, trägt aber gleichzeitig seinen historischen Namen: Sophienplatz. Vor zwanzig Jahren war Nowgorod eine der ersten Städte, die zu ihren historischen Straßennamen zurückkehrten. Als Kompromiss behielten aber viele Straßen auch den alten Namen. „In dieser Stadt hat man immer schon die Meinung anderer respektiert“, sagt Warnajew. „Und das Lenin-Denkmal ... Soll es doch stehen bleiben. Es ist schließlich auch ein Teil unserer Vergangenheit.“

Anreise


Nach Weliki Nowgorod 
gelangt man entweder mit 
dem Nachtzug von Moskau (acht Stunden). Von St. Petersburg sind es mit der „Elektritschka“ 
(Regionalbahn) oder dem Bus über Land drei Stunden.

Unterkunft


Internationalen Standard bietet das Park Inn am Ufer des Flusses Wolchow (www.park-inn.ru/hotel-velikynovgorod; ab 75 Euro). Direkt am Kreml gibt es eine Reihe von günstigen Hotels mit zwei oder drei Sternen.


Essen & Trinken 


Im Restaurant des Hotels Wolchow am Kreml werden russische und europäische Speisen serviert (www.hotel-volkhov.ru). Eine kulinarische Reise ins Russland des 19. Jahrhunderts bietet das Dom Berga (www.domberga.ru).

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland