Deutsche Lastwagen aus russischer Produktion

In Zukunft rollen MAN-Brummis aus St. Petersburg durch Russland. Foto: Photoexpress

In Zukunft rollen MAN-Brummis aus St. Petersburg durch Russland. Foto: Photoexpress

Der Markt für Lastwagen wächst, MAN baut ein neues Werk in St. Petersburg - und zieht damit mit den über 700 deutschen Firmen gleich, die in der Region angesiedelt sind.

Wenn der Münchner Lkw- und Dieselmotorenhersteller MAN im Oktober eine Niederlassung für schwere LKWs in der Nähe von St. Petersburg eröffnet, wird neben dem Petersburger Gouverneur auch der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer anwesend sein. 

Das Werk ist wichtig für alle Beteiligten. Für den erst im letzten Jahr ins Amt gekommenen Georgi Poltawtschenko hat das Projekt Symbolwert für eine noch engere Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Bayern und St. Petersburg. Poltawtschenko hat eigens einen Minister abgeordnet, der für das Projekt von MAN verantwortlich zeichnet.

Der bayrische Hersteller will seine Position auf dem russischen Markt festigen. Dieser ist seit Ende der Wirtschaftskrise förmlich explodiert: 2011 wurden in der Klasse der 14- bis 40-Tonner knapp 97 000 Lastwagen verkauft, fast doppelt so viele wie 2010. Zweistellig wuchs auch der Absatz leichter LKWs und Busse.

25 Millionen Euro will der LKW-Produzent ins neue Werk investieren, etwa 100 Mitarbeiter sollen in der ersten Phase mindestens 6000 LKWs produzieren.  „Für St. Petersburg sprechen vor allem die günstige Infrastruktur und die sich gut entwickelnde 
Automobilindustrie“, sagte Lars Himmer, Geschäftsführer von MAN Truck & Bus Production RUS. MAN baut seine Niederlassung im Industriepark „Schuschary“ -
 dort stehen schon heute die Fertigungshallen von Toyota, General Motors und Magna International. Und seit diesem Jahr ist der wie MAN zum VW-Konzern gehörende LKW-Produzent Scania dazugekommen.

Die Region St. Petersburg lockt deutsche Investoren auch mit dem Cluster Medizintechnik an: So ist die Roesys GmbH seit 1998 in Russland als Zulieferer für das staatliche Programm zur Förderung des Gesundheitswesens aktiv. Im Mai besiegelte die Inter Medical Medizintechnik eine Kooperation mit dem Petersburger 
Unternehmen Elektron: Die Firmen sind auf die Herstellung von medizinischen Diagnosegeräten spezialisiert, die auf Nukleartechnik basieren. Die Investitionen belaufen sich auf drei Millionen Euro.

In St. Petersburg sind derzeit über 700 Firmen mit deutschem Kapital ansässig. Poltawtschenko sähe jedoch gerne noch mehr deutsche Unternehmen vor Ort. Deshalb unterzeichneten er und Seehofer im Mai ein Protokoll über die Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat und St. Petersburg. Der Gouverneur wurde gleich konkret: Bei der Besichtigung des BMW-Werks bot er Vorstand Harald Krüger seine Unterstützung für Investitionsprojekte in St. Petersburg an. Zudem traf er sich mit Robert Bartl, Leiter des Clusters Energietechnik bei „Bayern Innovativ“, der den Gouverneur durch das Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg (EMN) führte.

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