Moskauer Kunstaktion „Help Krymsk“

Foto: www.ridus.ru

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Die Red October Gallery initiierte gemeinsam mit der Regina Galerie in Moskau eine Versteigerung von knapp 50 Werken renommierter Künstler. Der Erlös von rund 150 000 Euro soll den Opfern der Flutkatastrophe in Südrussland zugute kommen.

Die blau-weiße Schilder mit der Aufschrift „Help Krymsk“ riefen zu Spenden auf. Foto: www.ridus.ru

Es regnet in Strömen, Moskau steht an diesem Sommertag im Juli unter Wasser. Strudel bilden sich um die Gullys, irgendwo schwimmen sogar Autos die Straße entlang. Es ist, als wolle der apokalyptische Platzregen die Hauptstadt daran erinnern, dass eine kleine Stadt im Süden Russlands gerade in Not ist: Krymsk.

Vor knapp einer Woche überraschte eine gewaltige Flutwelle die Einwohner im Schlaf. Viele Menschen starben und die Überlebenden

verloren ihr komplettes Hab und Gut. Seit Tagen wird überall im Land humanitäre Hilfe gesammelt, Lebensmittelpakete, Kleider und Medikamente von freiwilligen Helfern nach Krymsk gebracht. Auch Moskauer Künstler und Galeristen schlossen sich nun zusammen, um zu helfen.

Auf der „Insel“ der Moskauer Hipster, der ehemaligen Schokoladenfabrik „Roter Oktober“ im Zentrum der Hauptstadt, hängen an diesem Tag entlang der Backsteinmauern, große, blau-weiße Schilder mit der Aufschrift „Help Krymsk“. Die Red October Gallery initiierte gemeinsam mit der Regina Galerie eine Versteigerung von knapp 50 Werken renommierter Künstler wie Oleg Kulik, Semen Fajbisovitsch und Ilya Kabakov sowie junger Talente wie Arsenij Schiljaew, Mischa Most und Oleg Dou. Der Erlös geht, was sich in diesen Tagen von selbst versteht, an die Opfer von Krymsk. 

Kunst kaufen für einen guten Zweck


Die Fotografien, Leinwände und Objekte gingen weg wie warme Semmeln. Die knapp 20 erschienenen Sammler oder ihre Repräsentanten boten um die Wette – in Euro. Bei Tausend ging es los, doch war man bereit, weitaus höhere Preise zu zahlen. Am Ende kamen über 150.000 Euro zusammen. Einer der Organisatoren der Aktion, Galeriebesitzer Wladimir Ovtscharenko,  erzählte, dass man diese Wohltätigkeitsversteigerung innerhalb von nur vier Tagen auf die Beine gestellt habe. „Die Künstler, die wir angesprochen haben, waren bereit innerhalb kürzester Zeit ihre Werke zur Verfügung zu stellen, viele kamen sogar aus eigener Initiative mit dem Wunsch auf uns zu, mitzuwirken.“ Der berühmte Ilya Kabakov meldete sich am Tag der Versteigerung empört aus New York, dass man ihn nicht angesprochen hatte. Sein Bild konnte man an diesem Tag vorerst nur als Miniatur bewundern. Verkauft wurde es natürlich trotzdem.

Die Sammlerin und Kunsthistorikerin Irina Duksina war begeistert von der Idee dieser Wohltätigkeitsaktion: „Es ist hervorragend, wir vollbringen hier heute eine wirklich gute Tat und haben dafür auch die Möglichkeit, wirklich gute Kunst zu kaufen.“ Zum Beispiel eine Skulptur mit dem Titel „Held“ des jungen Künstlers Mischa Most. „Ich habe sie gerade erst fertig gemacht und letzte Nacht sofort in diese Galerie gebracht. Für mich, wie auch für alle anderen Beteiligten, war es keine Frage, ob ich mitmache. Das, was in Krymsk passiert ist, hat uns alle erschüttert. Es geht alle etwas an. Und wenn man irgendwie helfen kann, dann sollte man das tun.“

Der junge Künstler Mischa Most und seine Skulptur mit dem Titel „Held“. Foto: www.ridus.ru

Am Eingang in die Galerie liegen Buttons aus, auf denen mit großen Buchstaben „Help Krymsk“ steht. Alle Anwesenden stecken ihn sich mit teilnahmsvollen Gesichtern an. Wofür und wann genau der Erlös im Endeffekt genutzt wird ist noch nicht endgültig entschieden. „Wir haben mehrere Ideen“, erzählt der Organisator Wladimir Ovcharenko, „eine davon ist, die Kinder dieser Stadt aus dieser Hölle dort rauszubringen und in die Ferien zu schicken“. In jedem Fall können sowohl die Künstler, Sammler und alle anderen Interessierten auf der Facebookseite der Red October Gallery verfolgen, was mit den über 150 000 Euro geschehen wird. 

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