Kein Ende der Waldbrände in Sibirien in Sicht

Foto: Alexander Krjagew/RIAN

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Die in Russland wütenden Waldbrände könnten Dimensionen annehmen, die mit der Katastrophe des Jahres 2010 vergleichbar sind, warnt Greenpeace. Ungeachtet der großen Brandflächen bestehe keine Gefahr für Städte und Industriestandorte, sagen die Behörden.

Die diesjährigen Waldbrände könnten nach Einschätzungen von Greenpeace sogar noch verheerendere Ausmaße annehmen als die Feuersbrunst, die das Land vor zwei Jahren heimsuchte. Anhand von Satellitenaufnahmen verfolgt die Umweltorganisation die angespannte Lage in Sibirien und den anderen von Bränden betroffenen Regionen. Nach Angaben der russischen Forstbehörde RosLesChos standen 2010 über 1,2 Millionen Hektar Wald in Flammen. Offizielle Zahlen, die das Ausmaß der diesjährigen Katastrophe belegen, liegen noch nicht vor. Die vorläufigen Einschätzungen von Ende Juli stimmen jedoch pessimistisch.

„Satellitenaufnahmen zeigen, dass in Sibirien mittlerweile fast drei Millionen Hektar von den Bränden betroffen sind. Gegenwärtig stehen 500 000 Hektar in Flammen“, erklärte besorgt Grigorij Kuksin, Leiter des Waldbrandprogramms von Greenpeace, gegenüber der Zeitung Argumenty i Fakty.

Bislang liegen noch keine amtlichen Zahlen über das Ausmaß der Brandkatastrophe vor. Die Schätzungen der Behörde fallen jedoch weniger dramatisch aus als die der unabhängigen Umweltschützer. Das Zivilschutzministerium spricht in seinen täglichen Berichten von 23 000 Hektar, die Schätzungen vonRosLesChos belaufen sich auf 18 000 Hektar.

Aufgrund dieser augenfälligen Diskrepanz der Zahlen steht die Regierung in der Kritik von Opposition und Umweltschützern. So wirft Grigorij Kuksin dem Zivilschutzministerium vor, die tatsächlichen Ausmaße der Katastrophe zu verschleiern. „Die zuständigen Behörden nutzen genauso wie wir Satellitenaufnahmen. Offensichtlich wollen sie den Ernst der Lage verschweigen“, ist Kuksin überzeugt.

In einer Hinsicht unterscheidet sich die Situation deutlich vom Katastrophenjahr 2010: Vor zwei Jahren wüteten die Brände buchstäblich in ganz Russland, den europäischen Teil des Landes eingeschlossen. Heute ist vor allem Sibirien bedroht.

Die Brände wüten unkontrolliert

Am stärksten in Mitleidenschaft gezogen ist Zentralsibirien. Für das Gebiet Tomsk und die Region Krasnojarsk wurde bereits der Notstand ausgerufen, vergleichbare Maßnahmen sind in der Republik Tuwa geplant. Bis zum 31. Juli wurden offiziell 123 Brände registriert, die auf natürliche Ursachen zurückzuführen sind. Die Feuerwehrleute haben die Situation bislang nicht unter Kontrolle. Rauchschwaden legten den Flugverkehr für einige Tage lahm und hüllten die Großstädte der Region in giftige Wolken.

Nicht nur Feuerwehr und Rettungskräfte kämpfen gegen die Großfeuer,

auch das Verteidigungsministerium hat sich eingeschaltet. Nach Angaben des Zivilschutzministeriums sind in Sibirien insgesamt 113 000 Personen und 17 Einheiten im Einsatz, 37 Flugzeuge und Hubschrauber sollen bei den Löscheinsätzen helfen. Mindestens 7 600 Einsatzkräfte arbeiten in unmittelbarer Nähe der Brandherde. Bislang können keine Aussagen darüber getroffen werden, wann sich die Situation wieder entspannen wird. Greenpeace beurteilt die Situation pessimistisch. „Als die Einsatzkräfte noch etwas hätten ausrichten können, hat man die Brände verschwiegen. Dabei wäre das der Zeitpunkt gewesen, um den Notstand auszurufen, alle Reserven zu mobilisieren und die Lage unter Kontrolle zu bringen“, kritisiert Grigorij Kuksin.

Im Zivilschutzministerium hingegen gibt man sich zuversichtlich, dass sich das Szenario aus dem Jahr 2010 nicht wiederholen wird. Ungeachtet der großen Brandflächen bestehe keine Gefahr für Städte und Industriestandorte.

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