Die großen russischen Museen im Internet

Im Frühjahr brachte die Eremitage eine kostenlose iPhone-App unter der Bezeichnung "Hermitage Museum" heraus, die auch in englischer Sprache verfügbar ist. Foto: Lori / Legion Media

Im Frühjahr brachte die Eremitage eine kostenlose iPhone-App unter der Bezeichnung "Hermitage Museum" heraus, die auch in englischer Sprache verfügbar ist. Foto: Lori / Legion Media

Seit Februar 2011 bietet "Google Art Project" einen kostenlosen virtuellen Rundgang durch bedeutende internationale Kunstmuseen im Internet. Zunächst stellte man 1000 ausgewählte Werke aus siebzehn Museen aus neun Ländern in sehr hoher Auflösung online, darunter mindestens eines aus jedem Museum, das mit einer Auflösung von sieben Gigapixel bis ins kleinste Detail betrachtet werden konnte. Zu den Museen, die von Anfang an dabei waren, gehörte die Petersburger Ermitage und die Alte Nationalgalerie in Berlin. Inzwischen hat die Zahl der Museen, die ihre Kunstwerke beisteuern, die Marke von 150 überschritten. Kunstliebhaber in aller Welt finden so jederzeit schnellen Zugang zu den über 30.000 Exponaten. Auch durch fünf russische Museen lässt sich jetzt flanieren – von jedem Punkt der Welt aus, ohne die Wohnung zu verlassen.

Als Google im April in Moskau die erweiterte Version seines "Google Art Project" präsentierte, konnte Russland fünf Museen beisteuern. Nachdem ursprünglich nur die Tretjakow-Galerie und die Eremitage an dem Projekt teilnahmen, schlossen sich ihnen auch das Staatliche A. S. Puschkin-Museum für Bildende Künste, das Russische Museum und das Nicholas-Roerich-Museum an. Diese russischen Kunsttempel  befinden sich in bester Gesellschaft zu den Großen dieser Welt - der Londoner Tate-Galerie, Schloss Versailles, dem Madrider Prado, den Florentiner Uffizien, dem Metropolitan Museum of Art in New York oder dem Museum für Islamische Kunst in Katar. Im Reigen der Museen finden sich auch einige chinesische Galerien und Gemälde aus dem Weißen Haus in Washington.

Inzwischen sind die Pforten der Pinakotheken nicht nur für Desktop- oder Laptop-Anwender geöffnet, sondern das Projekt steht für Smartphons und Tablett-PC unter Googles-Betriebssystem Android zur Verfügung. An einer iOX-Version für Apples iPhone und iPad wird gearbeitet.

Bilder und Ausstellungsstücke, die man sich im Internet ansehen kann, sind keine Erfindung von Google. Nicht wenige Museen, Kunst- und Kultureinrichtungen präsentieren auf ihren Internetseiten seit Jahren solche Fotogalerien. Aber das Google-Projekt wird durch drei Besonderheiten etwas Einmaliges: 

Erstens sind die Bilder sehr hoher Qualität aufgenommen, einige erreichen eine Auflösung von sieben Milliarden Pixeln. Dieses Maximum an Feinheiten lässt sich beispielswiese unter anderem am Canaletto-Gemälde „Der Bucintoro an der Mole am Himmelfahrtstag“ aus dem Staatlichen A. S. Puschkin-Museum für Bildende Künste in Moskau oder am Kunstwerk „Der letzte Tag von Pompeji“ von Karl Brjullow aus dem ebenfalls in Moskau beheimateten Russischen Museum studieren. Der Download dauert bei der Pixelmenge allerdings ein Weilchen und lässt sich so richtig nur mit einem hochauflösenden Bildschirm genießen.

Die zweite Besonderheit besteht darin, dass nicht nur einzelne Kunstwerke betrachtet werden können, sondern der virtuelle Besucher kann in den Häusern Rundgänge machen. Gemälde und Plastiken offenbaren dabei ihre Zusammenstellung im Raum,so dass die Intention des Kurators zur Geltung kommt. Dieser räumliche Eindruck wird durch eine spezielle Kameratechnik erreicht, die bereits von "Google Street View" bekannt ist. So können Panoramaansichten vom Äußeren und Inneren der Museen gewonnen werden. Natürlich ist es unmöglich, die persönliche Anwesenheit des Betrachters vor Ort zu imitieren, aber der nahezu dreidimensionale Eindruck ist viel intensiver als der von einer platten zweidimensionalen Bilddatei im JPG-Format.

Die dritte Besonderheit besteht in der Vielzahl der beteiligten Einrichtungen und den von ihnen zur Verfügung gestellten Exponaten: Wenn auch einzelne Häuser ihre Gemälde und Skulpturen selbständig online stellen, so bietet doch "Google Art Project" eine Art gesammelte Weltschau über die darstellende Kunst. Mit seinem Google-Account kann der Internet-Nutzer im Portal sogar sein eigenes virtuelles Museum bauen oder nach seinem Geschmack seine eigene Galerie füllen, in dem nur die Lieblingskünstler oder ihre Werke hängen.

Ungeachtet ihrer Teilnahme am "Google Art Project" sind auch die

russischen Museen selbst bei ihrer Internet-Vermarktung ihrer Exponate sehr aktiv. Im Frühjahr brachte die Eremitage eine kostenlose iPhone-App unter der Bezeichnung "Hermitage Museum" heraus, die auch in englischer Sprache verfügbar ist. Mithilfe dieses Programms kann man einen kurzen Museumsrundgang absolvieren, aber auch elektronische Eintrittskarten erwerben und Neuigkeiten über die Eremitage erfahren. Damit wollen die Häuser nicht auf Besucher verzichten, sondern eher potentielle Liebhaber zusätzlich anregen, große Kunst durch einen "reellen" Besuch leibhaftig zu erleben. Doch für Studienzwecke oder Menschen mit Behinderungen ist der schnelle und unkomplizierte Internet-Zugang zur Kunst von unschätzbarem Vorteil.

Der nächste Schritt in der Weiterentwicklung des "Google Art Project" wird in technischen Erweiterungen erwartet. Sie könnten zum Beispiel darin bestehen, dass man seine Favoriten-Kunstwerke über soziale Netzwerke anderen zugänglich machen ("teilen") oder Freunde finden kann, die diese Vorlieben teilen. Technisch ist das bereits bei musikalischen oder literarischen Interessen und Vorlieben möglich.

Noch müssen sich die Kunstbegeisterten gedulden. Die Server-Kapazität von Google ist am Anschlag, weil die Bilder eine so immense Größe haben. Die Seiten sind noch nicht immer stabil, brauchen viel Zeit beim Aufbau und lassen den Nutzer nicht immer schnell zu den gewünschten Bildern und Museen wechseln. Doch soll dieser „Kapazitäts-Bug“ bald beseitigt sein.

Mehr über Mussen lesen Sie auf der Seite zwei. 

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Die russischen Museen 


Die Staatliche Tretjakow-Galerieverfügt über eine einzigartige Sammlungrussischer darstellender Kunst. Sie umfasst Meisterwerke, die über einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren geschaffen wurden. Die Galerie wurde durch den russischen Kaufmann und Mäzen Pawel Tretjakow im Jahre 1856 in Moskau gegründet. Gegenwärtig besteht sie aus mehr als 160.000 Arbeiten russischer Künstler von der frühen religiösen Malerei bis zu Objekten der modernen Kunst und ist eine der berühmtesten russischen Galerien für Gemälde und Ikonen.


Geöffnet montags bis sonntags von 10:00 Uhr bis 19:30 Uhr

Eintritt: 450 Rubel (11 Euro).

Adresse: Lawruschinskij Pereulok 10, Moskau (Metrostation „Tretjakowskaja“)

Die StaatlichenEremitagein St. Petersburgist das größte russische Museum. Die Sammlung umfasst mehr als drei Million Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Arbeiten des Kunsthandwerks, archäologische und numismatische Objekte und andere Artefakte der Weltkultur. Das Museum wurde durch Katharina die Große gegründet und befindet sich im Winterpalais, der ehemaligen Residenz der russischen Monarchen. Weitere fünf Gebäude in der historischen Stadtmitte beherbergen ebenfalls Teile der Sammlungen.

Geöffnet von 10:30 Uhr bis 18:00 Uhr, an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen bis 17:00 Uhr, montags geschlossen

Eintritt 400 Rubel (10 Euro).

Adresse: Dworzowaja Ploschad 2, St. Petersburg (Metrostation „Admiraltejskaja“)

Das Russische Museumist heute ein einzigartiger Aufbewahrungsort für  Kunstschätze, ein berühmtes Restaurierungszentrum und ein renommiertes Institut der akademischen Forschung. Es beherbergt rund 400.000 Ausstellungsstücke. Es wurde im Jahre 1895 durch Zar Nikolaus II. gegründet und gilt als das erste staatliche Museum der schönen Künste in Russland. Es befindet sich im Michailowskij-Palais, dem ehemaligen Palast des russischen Großherzogs.

Geöffnet von 10:00 Uhr  bis 17:00 Uhr, montags und vor Feiertagen bis 16:00 Uhr, dienstags geschlossen

Eintritt 350 Rubel (9 Euro)

Adresse: Ul. Inschenernaja 4, St. Petersburg (Metrostation „Gostinij dwor“)

Das Staatliche A. S. Puschkin-Museum für bildende Künste in Moskau besteht aus einer ganzen Museumsstadt an der Wolchonkastraße: Auf beiden Seiten der Straße liegen das Hauptgebäude, das Gebäude mit europäischer und amerikanischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts sowie das Gebäude mit den Privatsammlungen. Das Museums wurde im Jahre 1893 von dem hoch angesehenen Professor Iwan Zwetajew, dem Vater der berühmten russischen Dichterin Marina Zwetajewa, gegründet. Es gibt eine Vielzahl Kopien urzeitlicher Kulturschätze, von ägyptischen Artefakten, von antiken Skulpturen und Architekturdenkmälern. Darüber hinaus beherbergt das Museum auch eine große Sammlung von Gemälden, darunter solche von Claude Monet, Edgar Degas, Vincent van Gogh und Pablo Picasso.

Geöffnet von 10:00 Uhr bis 19:00 Uhr, donnerstags bis 21:00 Uhr, montags geschlossen

Eintritt 400 Rubel (10,00 Euro)

Adresse: Ul. Wolchonka 12, Moskau (Metrostation „Kropotkinskaja“)

Das relativ moderne Nicholas-Roerich-Museum befindet sich im Herzen der Moskauer Altstadt, im ehemaligen Herrensitz der Familie Lopuchin. Das Besondere der Kunstsammlung ist die umfangreiche Werkschau von Nicholas Roerich, dem russischer Maler, Schriftsteller, Archäologen und Weltreisenden. Ursprünglich aus St. Petersburg stammend, emigrierte er nach der Oktoberrevolution 1917 und verstarb 1947 in Indien. Außer in Moskau gibt es nur noch in New York ein Museum, das ausschließlich seine Werke zeigt. Raritäten in Russland sind seine Himalajaskizzen, die die Basis für vielfältige Wanderausstellungen bilden, die in Russland, anderen GUS-Staaten sowie im Ausland gezeigt werden. Darüber hinaus sind Gemälde, Fotodokumente und eine Sammlung alten Bronzen aus Indien zu bewundern.

Geöffnet dienstags bis sonntags von 11:00 Uhr bis 19:00

Eintritt: 220 Rubel (5,50 Euro)
 

Adresse: Malyj Snamenskij Pro. 3/5, Moskau (Metrostation „Kropotkinskaja“). 

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland