Präsident Putin zu Pussy Riot: kein hartes Urteil

„Gut ist das nicht“, sagte Putin über Pussy Riot in London. Foto: AFP / East Newsst

„Gut ist das nicht“, sagte Putin über Pussy Riot in London. Foto: AFP / East Newsst

Präsident Putin hat in London seine Einschätzung des Pussy Riot-Prozesses abgegeben. Man solle die Frauen „nicht streng bestrafen“, aber das Urteil sei „Sache des Gerichts“. Die Verteidiger sehen einen Durchbruch.

Putin konnte der Frage der englischen Journalisten nicht länger ausweichen. In Großbritannien hatten zuvor mehrere bekannte Musikbands und Musiker ihre Solidarität mit Pussy Riot ausgesprochen – unter anderem The Who, Pet Shop Boys, Peter Gabriel und Sting.

„Gut ist das nicht“, sagte Putin laut Interfax und meinte damit das gegen ihn gerichtete „Punk-Gebet“ der jungen Frauen vor dem Altar der Christ-Erlöserkathedrale am 21. Februar in Moskau, für das sie sich jetzt wegen Rowdytum verantworten müssen. Der Prozess geht heute in den fünften Verhandlungstag.

„Aber ich glaube, man sollte sie nicht zu streng urteilen“, so Putin weiter. „Ich hoffe, sie ziehen selbst irgendwelche Schlussfolgerungen.“ Das letzte Wort liege natürlich beim Gericht: „Ich hoffe, das Gericht findet zu einer richtigen, ausgewogenen Entscheidung.“

Dann verlegte er die „Tat“ der Punkrockerinnen „rein theoretisch“ nach Israel oder in den Kaukasus – Vergleichen dieser Art bedienen sich übrigens viele Kommentatoren. In Israel gebe es „viele starke Jungs“, da hätten die Frauen „Probleme gehabt, da wieder wegzukommen“. Im Kaukasus hätte „keiner auch nur die Zeit gehabt, die Frauen vor Übergriffen zu schützen“.

“Ein grundlegender Durchbruch“

Laut Nikolai Polosow, einem Verteidiger von Pussy Riot, geben Putins Worte „seine persönliche Meinung“ wieder. Aber doch sei die Stellungnahme „ein grundlegender Durchbruch in dem Fall“: „Mag sein, das geht auf Druck von außen zurück, vielleicht auch von innen.“ Früher hätte Putin sich „härter“ geäußert. Falls das Gericht jetzt „näher am Gesetzesbuchstaben handelt“, würde er „Präsident Putin persönlich dankbar sein“.

“Verstoß gegen weltlichen Status“

Donnerstag hatten bekannte russische Juristen in einem offenen Brief ihre Unterstützung für Pussy Riot bekundet. Ihr Auftritt in der orthodoxen Hauptkirche sei „kein Verbrechen“ – weder Rowdytum noch irgendetwas anderes.

Der Prozess „widerspricht der russischen Gesetzgebung und ist ein eindeutiger juristischer Fehler“, heißt es in dem Brief, der auf der Webseite der „Nowaja Gaseta“ publiziert wurde. Die Frauen würden „nicht für die Verletzung von öffentlichen, sondern von kirchlichen Regeln zur Verantwortung gezogen“. Dies sei ein Verstoß gegen den weltlichen Status des russischen Staates und damit gegen die Verfassung.

Dieser Artikel erschien zuerst in Russland Aktuell.

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