Die 12 imposantesten Vulkane Russlands

Der Ferne Osten Russlands ist Natur pur. In den Gebieten, die nur dünn besiedelt sind, konnten sich bis heute große Gebiete unberührter Wälder und Tundren, Gebirge und Flüsse mit endemischen Tieren und Pflanzen erhalten. Dennoch ist das Gebiet geologisch noch sehr aktiv. Allein Kamtschatka hat 29 aktive und 150 nichtaktive Vulkane, über 270 Mineralquellen, davon 160 heiße, dazu Seen, reißende Ströme und Wasserfälle. Im russischen Fernen Osten ragt auch der größte aktive Vulkan Eurasiens in die Stratosphäre, der Kljutschewskoj. Erwähnenswert wären sie alle, auch die Vulkane in anderen Teilen Russlands, wie der erloschene Elbrus (5642 m über NN).

Russland HEUTE hat nachfolgend eine Auswahl der zwölf höchsten, bezauberndsten, imposantesten und attraktivsten Gebirgsgiganten des Fernen Ostens zusammengestellt. Sie gehören zum russischen Teil des "Pazifischen Feuerrings", vornehmlich zur Halbinsel Kamtschatka und zu Sachalin, der größten Insel Russlands. Der "Feuerbogen" aus feuerspeienden Bergen und Inseln setzt sich in Inselbögen fort, wie den Kurilen oder den japanischen Riukiu-Inseln. Auch die Marianen, die Philippinen, Neuguinea oder die Salomonen gehören dazu. Über die Antarktis und die Westküste Süd- und Nordamerikas bis hin zu den Insel-Ausläufern Alaskas, den Aleuten, schließt sich der Vulkangürtel rings um den Stillen Ozean.

Der Kljutschewskaja Sopka (Region Kamtschatka)

Foto: Lori / Legion Media

Der aktivste Vulkan auf dem eurasischen Kontinent erreicht eine Höhe von 4850 m. Der Vulkan ist mit annähernd 7.000 Jahren relativ jung. In den letzten 270 Jahren ereigneten sich mehr als fünfzig heftige Ausbrüche, zuletzt 2009. Während des Ausbruchs 2004/2005 stieg eine Aschesäule bis in eine Höhe von 8000 m auf. Der Kljutschewskij-Vulkan hat einen fast idealen, ungewöhnlich schönen Kegel, der jede Saison unzählige Bergsteiger und Touristen anzieht. Im Vergleich zu den anderen Vulkanen Kamtschatkas sind hier leider auch die meisten Opfer zu beklagen.

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Der Korjakskaja Sopka (Region Kamtschatka)

Foto: Alamy Images


Der Vulkan ist 3456 m hoch. Auf dem Gipfel des Vulkans befindet sich ein noch junger Krater mit einem Durchmesser von knapp 200 m. Da der Vulkan nur ganze 35 km von der Petropawlowsk-Kamtschatskij, der Hauptstadt der Region Kamtschatka, entfernt ist, gehört er einfach zum Stadtpanorama und fehlt auf keiner Postkarte.

1996 wurde der aktive Vulkan in die Sammlung der "Decade Volcanoes" aufgenommen. Die Internationalen Vereinigung für Vulkanologie und Chemie des Erdinneren (IAVCEI) hat weltweit insgesamt 16 Vulkane nominiert, die als Studienobjekte für die Gefahrenabschätzung durch Vulkanologie dienen sollen. In der Regel können sie mit vielen großen, gut dokumentierten Ausbrüchen und den von ihnen hervorgerufenen Zerstörungen in besiedelten Gebieten aufwarten. Ende Dezember 2008 schleuderte der Korjakskij-Vulkan eine Dampf- und Gassäule aus, die aus dem Weltall sehr deutlich zu erkennen war. Der letzte Ausbruch wurde im Jahre 2009 registriert.

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Der Awatschinskaja Sopka (Region Kamtschatka)

Foto: Lori / Legion Media


Der Vulkan ist 2741 m hoch, und sein Kraterdurchmesser beträgt 400 m. Der Awatschinskaja ist einer der für Touristen und Vulkanologen attraktivsten Vulkane auf Kamtschatka. Das liegt an der leichten Zugänglichkeit des Vulkans, dem leichten Aufstieg sowie - nicht zuletzt - an seiner geringen Entfernung zur Hauptstadt Petropawlowsk-Kamtschatskij.  Der Aufstieg auf den Vulkan dauert sechs bis acht Stunden. Während der Sommermonate verlangt die Besteigung keine besonderen Voraussetzungen und kann von jedermann gemeistert werden. Doch ungefährlich ist der Vulkan nicht. Sein  letzter Ausbruch wurde 2001 registriert.

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 Der Tjatja (Gebiet Sachalin)

Foto: Lori / Legion Media

Der Vulkan mit seiner Höhe von 1819 m liegt auf Kunaschir, einer Insel des Großen Kurilen-Bogens, und gehört zur Verwaltung des Gebietes Sachalin. Der Tjatja ist einer der Wahrzeichen Kunaschirs. Die Einheimischen halten ihn für den schönsten aller Vulkane, und seine in dieser Gegend allerorten anzutreffende Abbildung gilt als das Symbol der gesamten Kurilen-Inseln. In der Sprache der Ainu, der Urbevölkerung der Insel, heißt der Vulkan Tschatscha-Napuri /(„Vater Berg“).

Die Japaner nennen ihn Tjatja-Jama, was wohl zur russischen Namensgebung Tjatja führte. Das japanische Wort ähnelt nicht zufällig der ursprünglichen Bezeichnung des Vulkans in der Ainu-Sprache, da diese auch im Norden Japans siedeln. Der Tjatja ist einer der aktivsten Vulkane der Kurilen-Inseln – sein letzter großer Ausbruch wurde im Jahre 1981 registriert.  Aber auch jetzt schweben über dem Gipfel des Vulkans häufig Rauchwolken. Weil aus den Seitenkratern häufig giftige Gase ausströmen, leben kaum Menschen in der Gegend, dem Nordosten der Insel.

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Der Karimskij-Vulkan (Region Kamtschatka)

Foto: Corbis / Foto S.A

Der Karimskij ist ein relativ kleiner (1486 m) und junger (6100 Jahre) Vulkan - aber der aktivste auf der Halbinsel. Seit 1852 wurden mehr als zwanzig Ausbrüche registriert, von denen etliche über mehrere Jahre andauerten. Der Ausbruch im Jahre 1996 dauerte mehr als fünf Jahre. Der letzte Ausbruch wurde im Jahre 2010 registriert. Eine Besonderheit beim 96-er Ausbruch war die Gleichzeitigkeit der ersten vulkanischen Eruption mit einem Unterwasserausbruch im See Karimskij etwa sechs Kilometern  südlich.  Über einen Zeitraum von achtzehn bis zwanzig Stunden ereigneten sich im See mehrere hundert Explosionen unter der Wasseroberfläche, die von Tsunamiwellen mit einer Höhe von bis zu fünfzehn Metern begleitet wurden. Temperatur, Salz- und Säurekonzentration stiegen sprunghaft in die Höhe: Der See kochte und tötete alles Leben in seinem Inneren ab.

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Der Schupanowskij (Region Kamtschatka)

Foto: Lori / Legion Media

Der Vulkan liegt siebzig Kilometer von Petropawlowsk-Kamtschatskij entfernt und ist 2958 m hoch. Er begann sich vor 50.000 Jahren zu formieren. Heutzutage stellt er ein mit Eiskappen und Gletschern bedecktes Gebirgsmassiv aus vier ineinander übergehenden Vulkankegeln dar. Der westlichste dieser Vulkane erreicht eine Höhe von 2500 m und wird von einem Krater mit einem Durchmesser von ungefähr 500 m gekrönt. Der letzten Ausbrüche liegen schon eine Weile zurück. Die Eruptionen in  Jahre 1957 dauerten vier Monate an, der letzte Ausbruch wurde im Jahre 1959 registriert.

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Der Mutnowskij (Region Kamtschatka)

Foto: Getty_Images

Der Mutnowskij mit seiner komplizierten Struktur und seiner sehr langen Entwicklungsgeschichte ist einer der größten Vulkane Südkamtschatkas. Er ist 2323 m hoch und sein Hauptkrater hat einen Durchmesser von fast zweieinhalb Kilometern. Der Berg brach mindesten sechzehnmal aus. Der stärkste Ausbruch ereignete sich 1848, der jüngste erfolgte im Jahre 2000. In dessen Folge bildete sich ein See, der heutzutage praktisch das ganze Jahr über mit einer Eisschicht bedeckt ist. Der feuerspeiende Berg sorgte im April 2008 für internationales Aufsehen, als der russische Fallschirmspringer Walerij Rosow mitten in den Krater des Mutnowskij sprang. In der Nähe des Vulkans wird das Mutnowskij-Geothermalkraftwerk betrieben.

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Der Ala'id (Gebiet Sachalin)

Foto: Getty_Images

Dieser Vulkan ist der nördlichste und höchste Vulkan der Kurilen-Inseln. Seine Höhe  beträgt 2339 m. Der Vulkan befindet sich auf der Atlassow-Insel, die den über dem Meeresspiegel gelegene Teil des Vulkankegels ausmacht. Die charakteristische Besonderheit des Vulkans sind mehr als dreißig nebeneinander liegende Kegel, die sowohl an seinem Fuß, als auch an den Hängen gelegen sind und mehrere Gruppen bilden. Zusammen mit dem  Unterwasservulkan Grigorjew bildet er ein gemeinsames Vulkanmassiv. Er bricht fast regelmäßig alle dreißig bis vierzig Jahre aus. Der letzte Vulkanausbruch ereignete sich im April 1996.

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Der Akademija na'uk (Region Kamtschatka)

Foto: Pressebild

Der Vulkan erreicht eine Höhe von 1180 m. Der Name "Akademie der Wissenschaften" geht auf den international renommierten russischen Vulkanologen Wladimir Wlodawez zurück, der den Berg 1939 katalogisierte. Nördlich vom Vulkan liegt der See Karymskij, der eine Tiefe von ungefähr 70 m und einen Durchmesser von ungefähr 3,5 km hat. Der in hohe Felshänge eingebettete See bietet einen pittoresken Anblick. Südlich des Bergs erhebt sich der stets schwelende Vulkan Karimskij. Von dort eröffnet sich ein grandioser Blick auf den Grat des Vulkans Akademija na'uk: Dessen kuppelförmiger Gipfel mit seinen hoch hinaus ragenden Felsspitzen fällt symmetrisch nach beiden Seiten ab und erinnert an die ausgebreiteten Flügel einer Fledermaus. Der letzte Vulkanausbruch wurde im Jahre 1996 registriert .

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Der Besimjannij (Region Kamtschatka)

Foto: Pressebild

Der Vulkan hat eine Höhe von 2882 m, der Kraterdurchmesser beträgt fast drei Kilometer. Seinen Namen erhielt der Vulkan unmittelbar nach seinem charakteristischen Ausbruch 1956. Er begann mit einem mächtigen Ausstoß von Asche, die bis zu sieben Kilometern hochgeschleudert wurde. Nach einer weitern  gigantischen Explosion mit Erdbeben wurde eine weitere Aschewolke bis eine Höhe von 35 km Höhe geschleudert. Die Spitze des Berges wurde bei der Eruption weggerissen, an ihrer Stelle bildete sich ein neuer Krater mit einem Durchmesser von anderthalb Kilometern. Durch die Macht der Explosionen wurden noch in einer Entfernung von 25 Kilometern Bäume ausgerissen, verbrannt oder verschüttet. Asche, Sand und Gesteinsbrocken bedeckten ein Areal von ungefähr 500 km² mit einer dicken Schicht, die jegliche Vegetation vernichtete. Der Ausbruch des Besimjannij im Jahre 1956 gilt weltweit als einer der größten Vulkanausbrüche der Menschheitsgeschichte. Sowjetische Wissenschaftler nannten diese Art des Ausbruchs „Gerichtete Explosion“ oder „Unbeschreiblich“ - Begriffe, die später weltweit in der englischsprachigen Vulkanologie als „Directed Blast“ oder „Type Bezymianny“ übernommen worden sind. Der letzte Vulkanausbruch wurde im Jahre 2009 registriert.

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Der Saritschewa (Gebiet Sachalin)

Foto: Getty_Images

Der Vulkan mit seiner Höhe von 1496 m liegt auf Matua, die ebenfalls zu den Großen Kurilen- Inseln gehört. Kapitän Iwan Krusenstern taufte 1805 den Vulkan zu Ehren seines Vorgesetzten, Admirals Gawril Andrejewitsch Saritschew (1763-1831). Saritschew war Seefahrer, Polarforscher, Geograf und Hydrograf. Das Ehrenmitglied der St. Petersburger Akademie der Wissenschaften kartografierte die Ostsibirische, die Tschuktschen- und die Beringsee, die Kurilen- und Aleuten-Inseln sowie Alaska. Krusenstern verewigte Saritschew, weil dieser "als Erster mit außergewöhnlicher Genauigkeit die Lage der Insel, auf der sich dieser Berg befindet, ermittelte“. Der Gipfel des Saritschews ist einer der aktivsten der Kurilen-Vulkane. Der Vulkan schwelt permanent und stößt von Zeit zu Zeit Lavaströme aus, die nord-östlich aus dem Krater fließen. Der letzte Vulkanausbruch wurde im Jahre 2009 registriert.

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Der Schiwelutsch (Region Kamtschatka)

Foto: Lori / Legion Media

Seine Höhe beträgt 3283 m. Er ist der nördlichste der aktiven Vulkane Kamtschatkas sowie einer der größten Vulkane der Halbinsel. Der Durchmesser an seinem Fuß beträgt knapp fünfzig Kilometer.  Einer der stärksten letzten Ausbrüche fand 1964 statt, als der Vulkan eine Säule aus Asche, Staub und Rauch in eine Höhe von fünfzehn Kilometern spie. Die sich anschließenden Lavaströme ergossen sich über mehr als zwanzig Kilometer im Umkreis. Zum letzten Male haben sich größere Eruptionen im April dieses Jahres ereignet.

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