Nach neuem Sputnik-Absturz rollen Köpfe in Russland

Start einer Proton-M-Trägerrakete. Foto: AP

Start einer Proton-M-Trägerrakete. Foto: AP

Ein erneuter Sputnik-Absturz bringt die russische Raumfahrtagentur in Bedrängnis. Zwei Satelliten sind verloren, der finanzielle Schaden liegt im dreistelligen Millionenbereich, der Imageschaden ist noch größer.

Der Absturz ereignete sich gegen Mitternacht kurz nach dem Start der Proton-M-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Baikonur. "Vorläufigen Informationen nach ereignete sich der Unfall während der Betriebszeit der Antriebsstufe Breeze-M, die vom Chrunitschew-Zentrum hergestellt wird. Zwei Zündstufen haben wie vorgesehen geklappt, die dritte hat aber nicht gezündet", zitieren russische Medien einen Sprecher aus dem Raumfahrtzentrum.

Schnell ausgebrannt

Die Raumfahrtagentur Roskosmos berichtet, dass Breeze M zwar rechtzeitig gezündet hätte, allerdings habe sich das Triebwerk bereits nach sieben Sekunden wieder abgeschaltet, statt wie vorgesehen 18 Minuten und fünf Sekunden zu brennen und die Rakete zu beschleunigen.

Im Ergebnis steckt die Trägerrakete irgendwo auf einer Höhe von 5.000 Kilometer über der Erde im All fest. Eigentlich sollten die beiden Sputniks, ein russischer und ein indonesischer Fernsehsatellit, bei 30.000 Kilometer ausgesetzt werden.

Gefahr für die ISS

Unklar ist noch, ob die Satelliten schon abgestürzt sind oder zusammen

mit der Trägerrakete noch im Weltraum kreiseln. Verloren sind sie auf alle Fälle, im zweiten Fall besteht allerdings die Gefahr, dass sie andere Weltraumobjekte rammen, darunter auch die Internationale Raumstation ISS. Die Verluste belaufen sich schon jetzt auf einen dreistelligen Millionenbetrag. Die Kosten für einen Satelliten belaufen sich auf schätzungsweise 100 Mio. Euro.

Medienberichten nach droht nun eine Entlassungswelle beim Chrunitschew-Zentrum. Für die russische Raumfahrt ist es nicht die erste Panne in der letzten Zeit. Seit Dezember 2010 gab es vor diesem Vorfall bereits fünf Abstürze, unter anderem scheiterte auch das ambitionierte Projekt Phobos-Grunt, das den Marsmond Phobos untersuchen sollte.

Die Verlängerung der Pleitenserie ist besonders peinlich, da die Amerikaner ihrerseits gerade erfolgreich eine Marssonde auf dem Roten Planeten ausgesetzt haben.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Russland Aktuell.

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