Russland übertrifft sich bei Olympia selbst

Die russischen Synchronschwimmerinnen Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschina. Foto: ITAR-TASS

Die russischen Synchronschwimmerinnen Natalja Ischtschenko und Swetlana Romaschina. Foto: ITAR-TASS

Mit einem fantastischen Schlussspurt am Wochenende hat Russland bei den Olympischen Spielen in London für einen versöhnlichen Abschluss gesorgt. Das Ergebnis ist besser als in Peking, aber schlechter als erhofft.

Bye bye London, die Olympischen Spiele sind vorbei, Zeit für eine Bilanz auch bei der russischen Sbornaja. 82 Medaillen holte das Team, 24 goldene, 25 silberne und 33 bronzene. Das ist Rang vier in der Nationenwertung hinter den USA, China und Großbritannien.

Besser als in Peking

Das Ergebnis von 2008 konnten die russischen Sportler damit toppen. Sie holten zehn Medaillen mehr und errangen auch einmal mehr Gold als in Peking. Vor allem an den letzten beiden Wettkampftagen regnete es Gold für die russischen Athleten: Die Leichtathleten holten beim Hochsprung, 800-Meter-Lauf und 50-Kilometer-Gehen den Sieg, bei der rhythmischen Sportgymnastik gab es gleich zweimal Gold (im Einzel und im Team) und am Ende gab es sogar noch Gold bei den Kanuten und den Boxern. 

Der krönende Abschluss war der hart umkämpfte Fünfsatzsieg der russischen Volleyballer, die nicht nur einen 0:2-Satzrückstand drehten, sondern im Lauf des Spiels auch noch mehrere Matchbälle der favorisierten Brasilianer abwehrten und am Ende den ersten postsowjetischen Olympiasieg für Russland in dieser Sportart feierten.

Hoffnung auf Platz drei erfüllt sich nicht

Den eigenen Ansprüchen wurde die russische Mannschaft trotzdem nur zum Teil gerecht. Speziell auf Funktionärsebene hatte man damit gerechnet, in der Mannschaftswertung Dritter zu werden und möglicherweise sogar Chinesen und Amerikaner angreifen zu können.

Dass daraus nichts wurde, ist vor allem einem schleppenden Beginn

zuzuschreiben. Als Konsequenz haben bereits die Trainer der enttäuschenden Schützen und Fechter, Igor Solotarjow und Wladislaw Pawlowitsch, ihren Rücktritt eingereicht. In die Kritik geriet dabei nebenbei auch Multimilliardär Wladimir Lissin, der den russischen Sportschützenverband seit 2002 anführt und mit dessen Arbeit offenbar eine Reihe von Sportlern unzufrieden ist.

Eher mäßig ist auch das Abschneiden der russischen Schwimmer und Schwerathleten. Zudem hat der Dopingskandal um die Radfahrerin Viktoria Baranowa ein schlechtes Licht auf das russische Team geworfen.

Judoka beglücken Putin

Für Kremlchef Wladimir Putin dürften die Spiele dennoch in angenehmer Erinnerung bleiben, holten die Russen doch ausgerechnet in seiner Lieblingssportart Judo gleich drei mal Gold. Putin ließ es sich dann auch nicht nehmen, den Athleten bei seiner Kurzvisite in London persönlich zu gratulieren.

Zudem hofft das russische Team auf die Zukunft. Die meisten Athleten

sind jung, die Spiele in London waren für viele die erste große Bewährungsprobe. In vier Jahren wollen sie in Rio de Janeiro noch mehr Edelmetall einsammeln – aber dazwischen ist ja noch die Heim-Winterolympiade in Sotschi. Dort soll Russland, so die Vorgabe der Sportfunktionäre, ganz oben stehen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Russland Aktuell.

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